Kleine Weiße Streifen leuchten

Der Mann ist international unterwegs. Jetzt zeigt der Kunstverein Reutlingen neue Arbeiten von André Butzer - kleinformatig, schwarz, abstrakt. Noch bis 28. Februar läuft die Ausstellung in der Eberhardstraße.

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    Vorwiegend schwarz - mit kleinen weißen Lichtblicken. Foto: 
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    André Butzer. Foto: 
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Kontrastreich geht im Kunstverein das Jahr zu Ende. Noch im November war die opulente Ausstellung "Raum und Gegenwart" mit massiven Plastiken zu sehen. Jetzt setzt die Schau des Malers André Butzer ein minimalistisches Ausrufezeichen mit kleinformatigen Abstraktionen. Bis zum 28. Februar sind die Arbeiten des international bekannten Malers am Wandelknoten zu sehen. Dieser Tage war die Eröffnung.

"Eine Ehre und Freude" ist es für Kunstvereinsleiter Christian Malycha, den herausragenden Vertreter deutscher Gegenwartskunst in Reutlingen zu begrüßen. Es ist nach rund zehn Jahren seine erste Einzelausstellung in Baden-Württemberg. Sonst ist Butzer eher auf internationalem Parkett unterwegs: Ausstellungen in Paris, Tokyo, Dubai, Wien gehören zur Vita des 42-Jährigen. Seine Arbeiten hängen in zahlreichen öffentlichen Sammlungen. Die Hauptfarbe der 19 Gemälde im Kunstverein ist Schwarz. Das mag Menschen, die sein Werk kennen erstaunen. Denn der aus Stuttgart stammende und im brandenburgischen Rangsdorf lebende Maler hat sich vor allem mit Expressiv-Figürlichem einen Namen gemacht.

Butzer hat 2014 bis 2015 die 19-teilige Reihe extra für Reutlingen gemalt. Die Bilder sind luftig gehängt mit viel weißer Fläche zwischen den Leinwänden. Auf der 16 Meter breiten Stirnwand des Raumes behauptet sich souverän das kleinste Exponat: Es ist mit seinen 30 mal 24 Zentimetern, verglichen mit Butzers monumentalen Gemälden, geradezu winzig.

Bei näherem Hinsehen sind die schwarzen Flächen nur scheinbar glatt. Pinselspuren und winzige weiße Fugen verraten die individuelle Hand des Malers. Das unterscheidet sie von rein geometrischer Kunst, bei der Entstehungsspuren verpönt sind. Am unteren Rand der Bilder leuchten weiße Streifen vor der dunklen Fläche. Aber auch sie sind nicht ganz geometrisch. Dann passiert etwas Neues: Bei den Arbeiten von 2015 setzen weiße vertikale Balken geradezu lebhafte Akzente in den dunklen Grund. Die Bilder zeigen neben aller Abstraktion auch den inneren Prozess des Malers.

Christian Malycha zog zum Vergleich eine Zeichnung des Renaissance-Künstlers Lucas Signorelli heran: "Die Lebenden tragen die Toten." Ähnlich wie dort, bemühe sich Butzer mit seinen Bildern, seinen Stand in der Welt zu finden.

"Er gehört zu den Malern, die vor einigen Jahren den Kunstboom mit bewirkt haben", betonte Malycha. 1994 hat Butzers Karriere begonnen. Anfangs gehörten "schreiende, aufeinander prallende Figuren und Farben" zu seinem Repertoire, so Malycha. Seine Vorbilder waren Walt Disney, Edvard Munch, Henri Matisse und Tilmann Riemenschneider. Entsprechend quirlig kommt das Motivrepertoire seiner frühen Arbeiten daher.

Massenkonsum auf der einen Seite und Massenvernichtung auf der anderen - das gehörten zu André Butzers Motivspektrum, gewonnen aus einem Jahrhundert, dessen Absurdität der jungen Maler schonungslos auf die Leinwand bannte. Seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts malt er nun anders: "Die Figuration ist verschwunden", erläuterte Malycha. Die Expressivität ist einem nach innen gerichteten Blick gewichen. Seine Bilder haben sich der Abstraktion genähert - sind zu optischen Wegmarken eines gedanklichen Prozesses geworden.

Am 28. Februar gibt es eine Finissage mit Buchvorstellung und Gespräch im Kunstverein. Dabei können Kunstfreunde mehrere Neuerscheinungen über André Butzer kennenlernen. Beginn ist um 16 Uhr.

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