Klassisch, romantisch, auf hohem Niveau

Klassisch bis romantisch: Das Kammerorchester Reutlingen unter Robert Wieland beeindruckte am Sonntag rund 250 Besucher in der Kreuzkirche.

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Von Felix Mendelssohn Bartholdys Ouvertüre "Die schöne Melusine" über Camille Saint-Saëns Cellokonzert Nr. 1 in a-Moll bis hin zu Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 4 in B-Dur: Das Konzert stand ganz im Zeichen der Musik des 19. Jahrhunderts.

Der erste Teil war der Hochromantik mit Mendelssohn und Saint-Saëns gewidmet, im zweiten Teil spielte das 42-köpfige Orchester mit Beethovens Vierter (1806) ein klassisches Werk mit freilich auch romantischen Aspekten. Auffallend war vor allem, dass Wieland die epochalen Eigenschaften der Stücke herausgearbeitet hat.

Bei Mendelssohn schufen die Mittelstimmen eine schöne, gleichmäßige Grundform. Dadurch wurden auch die Melodiestimmen, die vor allem in den schnellen Passagen noch etwas mit dem Zusammenspiel zu kämpfen hatten, trotzdem in ein gutes Licht gerückt.

Auffallend gelassen und genau war das Spiel der Fagotte, die klanglich sehr viel Ruhe zu dem Spiel beitrugen. Sehr gut war das Orchester vor allem in den Crescendi und Decrescendi, die trotz des fehlenden tiefen Bleches und der scheinbar zurückhaltenden Kontrabässe und Celli zwar etwas verdeckt, aber dennoch ausdrucksstark wirkten.

Im Cellokonzert von Saint-Saëns ging das Orchester dann beeindruckend präzise und selbstbewusst zu Werke. Der erst 18-jährige Solist Sebastian Fritsch lenkte mit schnellen Trillern oder Läufen und gefühlvollem Ausdruck die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich.

Jedoch schuf das Orchester hier eine große, klangvolle Plattform für ihn und unterstützte ihn durch ruhige, präzise Passagen. Wenn auch an wenigen Stellen das exakte Zusammenspiel zwischen Orchester und Solist noch nicht ganz perfekt funktionierte und auch bei einigen Passagen mehr Tiefe angebracht gewesen wäre, so sind das nur kleine Mängel bei einem insgesamt sehr hohen Niveau des Kammerorchesters unter Robert Wieland.

Sebastian Fritsch, der seit 10 Jahren Cello spielt, zeigte Leidenschaft und Liebe zu seinem Instrument, nicht selten lächelte der mehrmalige Preisträger von "Jugend musiziert" zwischen den emotional gespielten Solopassagen. Nach der Pause setzte das Orchester sehr gut die von Beethoven schwer lastend und orientierungslos komponierte Musik des ersten Satzes der Vierten um. Waren die Bässe vorher für manche Ohren noch zu verhalten, unterstrichen sie nun die Trostlosigkeit dieser Passagen.

Auch wenn Zusammenspiel und Intonation vor allem in diesem ersten Satz noch zu wünschen übrig ließen, entstand nach und nach ein tolles Wechselspiel vor allem bei den Bläsern. Auch erwähnenswert sind aus den leiseren Passagen die präzisen Paukentöne.

Im zweiten Satz, dem Adagio, beeindruckte das Orchester durch die Kraft, die aus Beethovens Musik spricht, außerdem mit einem tollen crescendo, klangvollen Streichern und einer sehr schönen Klarinette. Nachdem durch kurzes Nachstimmen die Intonationsprobleme behoben waren, fuhr das Orchester mit dem Menuetto fort.

Gut gespielt mit tollen Dynamikunterschieden zeigte das Orchester auch hier den typischen, kraftvollen Geist Beethovens. Im vierten Satz Allegro ma non troppo entfaltete das Orchester noch einmal einen großen Klang und spannende Kontraste von Soli und Tutti. Trotz nicht hundertprozentig präziser Läufe entstand so unter Robert Wieland ein schöner Spannungsaufbau, den das Publikum sichtbar genossen hat. Mit einem kraftvollen, keineswegs übertriebenen Schluss beendete das Orchester die Sinfonie.

Das schöne Konzert wurde von rund 250 Zuhörern in der Kreuzkirche mit langem, begeistertem Applaus belohnt. Triumphierend streckte einer der beiden Fagottisten die Faust in die Luft.

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