Kantabel und sanft

Zur Königin der Instrumente gesellt sich das Instrument der Könige: die Trompete. Roland Grau und Burkhard Ascherl boten in der Marienkirche ein ansprechendes Programm auf Trompete und Orgel.

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"Trompete und Orgel" - das bedeutet oft eine Greatest-Hits-Folge mit Höhen-Akrobatik. Diesem Trend schließen sich Roland Grau und Burkhard Ascherl nicht an: Sie gehen einen anderen Weg, auch wenn der im Orchester der Württembergischen Philharmonie Reutlingen als Solotrompeter tätige Roland Grau und der als Stadtkantor in Bad Kissingen wirkende Burkhard Ascherl durchaus über virtuoses Können verfügen.

Ihr Orgelsommer-Programm bestand großteils aus eher selten zu hörenden kammermusikalischen Stücken. Duos und Orgelwerke wechselten sich ab: von Clare Grundman (einem US-amerikanischen Bläser-Komponisten), Händel, Veracini, Mozart, dem britischen Konzertorganisten Alfred Hollins, Josef Gabriel Rheinberger, dem französischen Organisten Joseph Bonnet sowie von Giuseppe Torelli - stilistisch grundverschiedene Werke, aber klug ausgewählt und kombiniert.

Grundmans "Conversation" für Trompete und Orgel enttäuscht die Hör-Erwartung: Nach einer Fanfare treten Bläser und Orgel in einen gepflegten Dialog, der Trompetenton spricht in menschlich atmender Tönung mit der weich registrierten Orgel. Auch in Francesco Veracinis Sonate in F zeigte das Blechblasinstrument (in diesem Fall ein Kornett) einen geradezu samtigen Klang in der Mittellage, der mit dem Orgelpart eine dichte Einheit bildete.

Geradezu räumliche Weite evozierte Rheinbergers "Pastorale", deren breite Phrasierung die beiden Musiker stimmungsvoll über abgründigen Tiefen ausschwingen ließen, während das Licht im Kirchenraum sich verdunkelte. So kantabel und sanft die in der Mittellage weit gespannten Bögen dem Ohr schmeicheln: In solch makelloser Schönheit ist dies für den Bläser mindestens genauso schwierig wie flinke Höhen-Artistik. Diese wurde erst zum Ende hin entfaltet, als die Trompete sich mit Torelli in strahlende Höhen aufschwang und mit flinker Virtuosität brillierte.

Roland Graus ausdrucksvoller Ton findet in Burkhard Ascherls detailgenauem, sensiblem Orgelspiel den angemessenen Gegenpart. Der Organist überraschte mit originellen und klangschönen Registrierungen - als Begleiter wie als Solist. Das Händelsche Orgelkonzert in seiner eigenen Bearbeitung erwies sich als farbiger, wohltuender und spritziger Hörgenuss, Mozarts Sonate KV 336 - ebenfalls selbst arrangiert - funkelte in festlichem Glanz, beides kammermusikalisch leicht und transparent durchgestaltet. Beschwingt wie Schlagermusik für Harmonium kam zwischendurch Alfred Hollins "A song of sunshine" daher.

Den großen Orgelklang nutzte Ascherl auch erst zum Schluss mit Bonnets Konzertvariationen, die er mit mächtig rollenden Bässen und fesselnder Dramatik in Szene setzte. Hier gingen Ton- und Beleuchtungskunst Hand in Hand: Zum grandiosen Beginn verwandelte sich die Marienkirche durch hell nach oben strahlendes Licht in eine Kathedrale, gegen Ende hin versank die Kirche in gespenstisches Dunkel, nur ein Schattenspiel an der Decke blieb.

Auch dieses Mal überzeugte Holger Herzog mit einer subtil in Szene gesetzten Licht-Installation in natürlichen Farbtönen, die sowohl die Musikverläufe unterstrich als auch die Kirchenarchitektur in steten Wandlungen hervorhob, mit ruhiger Hand und viel Gefühl für Raum und Klang - im Ergebnis ein ästhetisches Zusammenspiel, das die Zuhörer und Zuschauer spürbar berührte. Langer Applaus, eine Zugabe.

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