Kamel winkt als Gewinn

Ein großes Abenteuer: Zwei Teams, sechs Autos, zwölf Personen aus der Region - so fahren der "Schwobaausflug - älle mir nooch" und deren Jugendausgabe "zOOOrient" vom Allgäu nach Jordanien.

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Daumen hoch: Die Teilnehmer an der Rallye sind guten Mutes, dass das Abenteuer gut ausgeht.  Foto: 

"Gegen euch ist die Rallye Paris-Dakar doch Mumpitz", ruft in der Dekra-Werkstatt einer der vielen Besucher, die sich die Autos und Teams der ganz speziellen Abenteuerausfahrt Allgäu-Orient angesehen haben. Von Oberstaufen nach Amman (Jordanien) geht es ab 10. Mai. Allerdings fahren da keine hochgetunten PS-Boliden um die Wette. Mindestens 20 Jahre alt müssen die Wagen sein, und ihr Wert darf 1111,11 Euro nicht übersteigen. Übernachten dürfen die Teilnehmer, wenn schon im Hotel, dann aber nicht für mehr als 11,11 Euro.

Was angesichts dieser Zahlen karnevalistisch anmutet, sei auch durchaus so gemeint, betont Joachim Baumann. "Der Spaß steht ganz klar im Vordergrund", sagt der Kfz-Meister vom Team 40. Das trägt den Namen "Schwobaausflug - älle mir nooch". Je drei Autos mit je zwei Insassen gehören zusammen, insgesamt dürfen bei dieser Rallye 111 Teams mitfahren. Hinzu kommen ein paar National-Gruppierungen aus der Türkei etwa, aus Jordanien und Israel. Und ein gemischtes Frauenteam vervollständigt die Teilnehmerschar, mit je zwei Damen aus Israel, aus Palästina und aus der Türkei. Vielleicht trägt die Rallye damit ein wenig zum Frieden bei, hofft Baumann. Ganz sicher ist aber laut Günther Hohenschläger, dem Pfullinger Sprecher des "Schwobaausflugs", dass die Fahrt nach Amman "zur Völkerverständigung beiträgt".

Denn: Unterwegs müssen diverse Aufgaben erledigt werden, die Pisten-Helden kommen in Kontakt mit den Bewohnern der jeweiligen Länder. So muss etwa jedes teilnehmende Team ein soziales Projekt, das es frei wählen konnte, unterwegs unterstützen. Hohenschlägers Gruppe hängt beispielsweise bis Rumänien zwei große Anhänger an ihre Fahrzeuge an, nimmt jede Menge gespendete Waren mit und unterstützt im Auftrag des Metzinger Vereins "Notnagel" ein Waisenheim in Sibiu (Hermannstadt).

Autofahren, Spaß haben und auch noch helfen, so lautet das Motto der Rallye Allgäu-Orient, die in diesem Jahr schon zum zehnten Mal ansteht. Auf die Idee ist Wilfried Gehr gekommen, der einst als Journalist von Reutlingen ins Allgäu zog. Und diese Idee kommt offensichtlich so gut an, dass sich immer mehr Teams finden, die teilnehmen wollen. "Das ist eine Herausforderung", strahlt Baumann. Allerdings dürften doch wohl die alten Fahrzeuge am meisten gefordert sein, oder? "Ach was", winkt der berufliche Autoschrauber-Meister ab. "Die Rallye hat schon neunmal funktioniert, das klappt auch bei uns beim zehnten Mal", sagt Baumann. Er hat sich einen Audi A 6 für schlappe 500 Euro gekauft. 20 Jahre alt. "Der hat schon 300 000 Kilometer auf dem Tacho, der schafft aber mit Sicherheit noch mal 100 000." Die beiden anderen Fahrzeuge des Teams sind ein Opel-Geländewagen und ein VW-Bus von Hohenschläger.

Und wenn ein Fahrzeug liegenbleibt? Na ja, es fahren ja Fachleute mit, die Ahnung vom Innenleben der Autos haben. Und wenn wirklich nichts mehr gehen sollte, schleppen sich die Autos gegenseitig ab, sagen sie. Bis nach Istanbul ist die Route im Übrigen frei wählbar. Es muss nicht die kürzeste Strecke sein, Navi ist eh verboten. Ebenso wie Autobahnen und Mautstrecken. Und mehr als 666 Kilometer am Tag dürfen nicht gefahren werden. Beim Übernachten haben es zumindest Hohenschläger und seine Co-Pilotin bequem, im VW-Bus haben sie eine große Liegefläche eingebaut. Baumann schläft hingegen im Zelt, wie er versichert. Trotzdem kommen einige Kosten auf die Rallye-Teilnehmer zu. "Allein etwa 1000 Euro müssen wir pro Auto für den Sprit rechnen", so Hohenschläger. Insgesamt rechnet Baumann mit an die 4000 Euro pro Person - inklusive Fähre, Rückflug und Auto.

Haben die Teams Istanbul erreicht, ist es vorbei mit der freien Routenwahl, dann gibt es in der Türkei einen Haufen Aufgaben zu erfüllen. Die haben aber vor allem mit ganz viel Spaß zu tun. Per Fähre kommen die Rallye-Fahrer mitsamt Fahrzeugen nach Israel - die frühere Route über Syrien ist logischerweise seit ein paar Jahren tabu. "In Israel sollte kein Wagen liegen bleiben", betont Baumann. Das Fahrzeug müsse auf jeden Fall außer Landes gebracht werden.

In Jordanien dürfen die Fahrzeuge dann zeigen, ob und was noch in ihnen steckt: Durch die Wüste gibt es eine Zeitwertung, da geht es tatsächlich mal um Geschwindigkeit. Vorrangig heißt das Ziel aber: ankommen. Das Team, das die meisten Aufgaben erfüllt hat, belegt schlussendlich den ersten Platz. Und gewinnt ein lebendiges Kamel. "Wir bringen es dann mit", sagte Günther Hohenschläger am Ostermontag bei der offiziellen Präsentation.

Konkurrenz hat er allerdings in der eigenen Familie: Tochter Marion und Sohn Thomas haben ebenfalls ein Team zusammengetrommelt. "Wir sind fast alle Ingenieure", sagt einer von ihnen. Zumindest theoretisch würden sie verstehen, was sie im Fall einer Panne machen müssten, schmunzelt das Mitglied des Teams "zOOOrient". Egal, wer das Kamel gewinnt - bislang wurde es immer an eine bedürftige Familie in Jordanien geschenkt.

Auseinander geschraubt und in Einzelteilen verkauft werden im Übrigen auch die Fahrzeuge nach der Rallye. Der Erlös kommt wiederum sozialen Projekten zugute. Und somit helfen die Rallye-Teilnehmer ein weiteres Mal. Bleibt also nur zu hoffen, dass alle nach dem Ende am 31. Mai von Amman aus wieder gut nach Hause kommen. Was sie alles erlebt haben - wir werden darüber berichten. Eine Frage noch: Muss man eigentlich als Voraussetzung für die Teilnahme an solch einer Rallye etwas verrückt sein? Ein klein wenig zumindest? Baumann schaut etwas irritiert. "Nein, warum? Man muss flexibel sein und Lust am Abenteuer haben", sagt er. "Wer weiß, ob ich so was jemals in meinem Leben nochmal mache."

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