Käfervorkommen hat Priorität

Räte und Rathausspitze waren beim Waldumgang unterwegs. Vor Augen geführt wurde ihnen dabei auch die Käferpopulation rund um das Wildgehege. Zu deren Schutz wurde ein Zaun errichtet.

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Informationstafeln weisen auf Sinn und Zweck der Einzäunung hin und bitten um Verständnis.  Foto: 

Mit gut 2000 Hektar ist die Stadt einer der größten Waldbesitzer im Land. Beim ersten Rundgang seit drei Jahren erfuhren rund 60 Räte samt Rathausspitze unter anderem, dass der Eichenwald beim Schützenhaus, so Revierleiter Johannes Schempp, der frühere "Festplatz" der Reutlinger war - dort, wo seit 1648 rund 170 Bäume gepflanzt wurden. Aus Gründen der Verkehrssicherheit wurde in den 60er Jahren ein Teil dieses Bestandes zu einem Gehege umgewandelt, das sich seither weitgehend urwaldähnlich entwickeln kann.

"Ein Glücksfall für den Naturschutz", wie der Mössinger Diplom-Biologe Ulrich Bense beim Rundgang sagte. Als freiberuflicher Insektenkundler bekam er 2013, nachdem dort erste Exemplare des in der Roten Liste gefährdeter Tiere in Deutschland als "stark gefährdet" gelisteten Juchtenkäfers nachgewiesen werden konnten, einen Auftrag. Dessen Ziel war es, die hier vorhandene Käferpopulation zu untersuchen und zu registrieren. Mit Mitteln des Biosphärengebiets gefördert, machte sich der Käferspezialist zwei Jahre lang akribisch auf die Suche. Was er dabei rund um das Wildgehege erkundete, erstaunte: 243 Holzkäferarten, darunter 29 auf der Roten Liste stehende Arten. Und weil die für ihr Überleben allesamt auf absterbendes und totes Holz als Lebensraum angewiesen sind, galt es zu ihrem Schutz Überlegungen anzustellen. Um Natur- und Artenschutz als auch die Erholungsfunktion unter einen Hut zu bringen, sollte ein gemeinsames Pflege- und Entwicklungskonzept entwickelt und umgesetzt werden. Als erste Maßnahme errichteten kürzlich Mitarbeiter des städtischen Forsthofs zwischen vorhandenem Wildgehege und der Gaststädte Schützenhaus um den dortigen Eichen-Baumbestand herum einen Zaun. Zum Schutz der hier zahlreichen so genannten xylobionten Käfer, aber auch der unter den uralten, teils absterbenden Eichen gerne verweilenden Waldbesucher. "Der Zaun soll die Besucher des Markwasens in diesem Bereich vor herabstürzenden Ästen schützen", stellte die städtische Pressestelle dazu unter anderem klar.

Errichtet wurde ein etwa 400 Meter langer und 1,70 Meter hoher Zaun aus verzinktem Wildgatter-Geflecht mit der Maschenweite 15/15 Zentimeter. Befestigt an tiefdruckimprägnierten Holzpfosten im Abstand von jeweils drei Metern. "Als erste Sicherung, weil wir die Bäume nicht einfach absägen. Zudem wurde eine sichtbar abgängige Eiche in der Krone mittels dreier Stahlseile gesichert", so Stefano Cenni vom städtischen Amt für Wirtschaft und Immobilien. Damit dieser arg schwächelnde Baumriese nicht auf den danebenliegenden Weg stürzen kann, wurde er zusätzlich mit zwei 15 bis 20 Meter langen Stahlseilen an noch stabile, benachbarte Eichen verankert.

An drei Ecken des Zaunes befestigt, weisen jetzt Informationstafeln auf Sinn und Zweck der Einzäunung hin und bitten zugleich um Verständnis.

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