Junge Diplomaten in Sachen Berufswahl

Sie stehen bei den Berufs-Infotagen der IHK ganz vorne an den Ständen: Die Ausbildungsbotschafter. Sie sind selbst Azubis und gehen auch in die Schulen, um jungen Leuten Berufe schmackhaft zu machen.

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Ob sie bereits "Ausbildungsbotschafter" sind, oder nicht: Auf den IHK-Berufsinfotagen sind die Azubis der Betriebe die Ansprechpartner. Foto: Jürgen Herdin

Die Bewerber haben sich nicht vorbereitet, wissen nur sehr wenig vom Betrieb, an dessen Türe sie nun klopfen. Beim Gespräch stellt sich dann heraus, dass, vorsichtig ausgedrückt, ihre Fähigkeiten ganz woanders liegen könnten. Das war immer sehr unerquicklich für beide Seiten. Doch das ist zum Glück Schnee von gestern.

Längst haben viele Unternehmen Patenschaften mit Schulen abgeschlossen, ein Resultat der Initiative "Wirtschaft macht Schule" der IHK aus dem Jahr 2004. "Denn Schulen als auch Unternehmen wussten nur sehr wenig voneinander. Doch auch bei den IHK-Berufs-Infotagen wurde von Beginn an darauf Wert gelegt, dass Azubis die jungen Leute an den Ständen ansprechen, sie so aus erster Hand über den jeweiligen Betrieb informieren.

Die Schwellenangst, einer Firma gegenüberzutreten, nehmen auch die "Ausbildungsbotschafter", ebenfalls ein Kind der IHK. Ihr Spezialgebiet ist der Auftritt im Klassenzimmer. Dort stellen sie auf ihrer diplomatischen Mission Schülerinnen und Schülern die jeweiligen Berufe vor und erklären die Vorteile eines klassischen Lehrberufs. 50 verschiedene Ausbildungsberufe können interessierte Schulen mittlerweile bei der regionalen Koordinierungsstelle buchen. Knapp 170 Auszubildende in der Region sind bereits im Einsatz, berichtet Ida Willumeit von der IHK Reutlingen, die die Initiative unter Telefon: (07121) 20 11 23 leitet.

Hanna Kimmerle, bei der Reiff-Gruppe in Reutlingen im zweiten Ausbildungsjahr, kam als Schülerin im Rahmen der Kooperation mit der Wilhelm-Hauff-Realschule auf Reiff als Ausbildungsbetrieb. "Und heute mache ich als Ausbildungsbotschafterin mit künftigen Schulabsolventen ein Bewerbertraining - mit allem was dazu gehört", sagt sie und verweist auf eine ihrer Spezialaufgaben - einen Rundum-Knigge für junge Bewerber. Angefangen von der bei Vorstellungsgesprächen passenden Kleidung - bis hin zur richtigen Haltung beim Sitzen und allgemeinen Höflichkeitsregeln. "Da mach ich dann auch gerne Powerpoint-Präsentationen für die Jugendlichen."

2012 begann Hanna Kimmerle ihre Ausbildung bei Reiff als Kauffrau im Groß- und Außenhandel. Mittlerweile weiß sie über all die anderen Berufe in der Firma Bescheid; über die Einzelhandelskaufleute ebenso wie über das Berufsbild der Werkzeug- und Verfahrensmechaniker, über die Kfz-Mechatroniker oder über Fahrzeuglackierer.

Auch heute geht Hanna wieder in die Schule - als "Ausbildungsbotschafterin" eben. "Ich war natürlich schon in der Hauff-Realschule und machte dort vier bis fünf Stunden Gruppenarbeit."

Von der Tellerwäscherin zur Hoteldirektorin? So weit ist es bei Jasmin Münzinger, die bei Josef Klose im Stauseehotel Glems im zweiten Lehrjahr ist, noch nicht. Aber die Tatsache, dass sie dort als Schülerin schon Tellerwäscherin war, legt das Klischee nahe. Die künftige Hotelfachfrau kann "gut vor anderen Leuten sprechen, und ich bin im System drin", sagt Jasmin. Und was das Thema Gastronomie angeht, "bin ich auch ganz offen und ehrlich zu den Schülern: Ich sage ihnen gleich, dass die Arbeitszeiten in dieser Branche nicht jedem gefallen werden."

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