Jugendleiter mischte Wodka in die Limo

Im Prozess gegen den ehemaligen Leiter einer Pfadfindergruppe in Wannweil sagten am Montag im Landgericht die Eltern der Kinder aus, die der 24-Jährige - wie er gestand - zwei Jahre lang missbrauchte.

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Wie berichtet, legte der 24-jährige Angeklagte am vergangenen Prozesstag ein umfassendes Geständnis ab. Es ersparte den Kindern zwischen zwölf und 14 Jahren so Aussagen darüber, wie sie der Pfadfindergruppenleiter zwischen 2012 und 2014 im Wannweiler Gemeindehaus, auf Freizeiten oder während Übernachtungen bei sich zu Hause zu massiven sexuellen Handlungen verführte. Er ist des schweren sexuellen Missbrauchs angeklagt.

Gestern nun waren die Eltern der Opfer ans Tübinger Landgericht geladen worden. Teilweise kämpften die Väter gegen Tränen, als sie berichteten, wie sie aus heiterem Himmel von den Übergriffen erfahren hatten. Ein Vater hatte die Ermittlungen im Sommer ins Rollen gebracht, nachdem er Chats auf dem Handy seines Sohnes entdeckte.

Zwar habe er zuvor Verhaltensauffälligkeiten bemerkt, berichtete einer der Zeugen, aber er habe das starke Interesse seines Sohnes an Waffen oder Nachrichtendiensten wie auch seine Schulfehltage als pubertäre Erscheinungen abgetan.

Wie berichtet, hatte der Angeklagte gegenüber seinen Schützlingen eine Legende aufgebaut, wonach er Kontakte zum BND und in die Rockerszene pflege und für nichts garantieren könne, wenn Gruppen-Interna nach außen kämen. Wut über sich selbst und über den Vertrauensbruch beobachtete der Vater bei seinem Sohn ebenso, wie große Erleichterung, nachdem er bei der Polizei aussagte: "Ihm geht's gerade besser als uns", sagte er auch im Namen seiner Frau.

Ebenfalls erst nachträglich fielen einem anderen Vater Eigenheiten seines Sohnes auf, die vor dem Licht der Geschehnisse neue Bedeutung gewinnen. Er schlief gelegentlich mit einem großen Messer in seinem Zimmer, hantierte mit Soft-Air-Gewehren, aus Angst vor Einbrüchen achtete er nachts auf geschlossene Fenster und Jalousien. Seine Schlaflosigkeit war flankiert von nachlassenden Schulleistungen. Noch heute leide er an Konzentrationsschwächen. Auch warum sein Sohn montags nach Übernachtungsaktionen oft krank im Bett lag, ist ihm erst heute klar: Der Jugendleiter mischte Wodka in Softgetränke. Zu ihm, aber auch zur Kirchengemeinde habe sein Sohn "grenzenloses Vertrauen" gehabt. Zwar noch immer Teil der Gemeinde, befindet er sich seit September gleichwohl in therapeutischer Behandlung. Dass die psychologische Aufarbeitung nicht früher begann, kreidet ein Vater der Tatsache an, dass eine richterliche Vernehmung der Kinder ausblieb. Lange unklar sei so gewesen, ob sie überhaupt vor Gericht erscheinen müssen, kritisierte er.

Die behandlungswürdigen Folgen der Taten beschrieb auch der dritte Vater. Seinen Sohn erlebt er oft als "nicht bei der Sache", ihn plagen Ängste. Für einen fast 14-Jährigen untypisch, gehe er mit seinem Vater am liebsten Hand in Hand.

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