Jugendforum der Tonne zeigt Oscar Wilde

Oscar Wildes Einakter mit vertauschten Geschlechterrollen: "Salome hat den Kopf verloren" vom Tonne-Jugendforum feierte am Freitag Premiere.

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Sandra Omlor, Anke Geßner. Foto: Kipp

Oscar Wilde hat seine Tragödie "Salome" 1891 in Paris in französischer Sprache verfasst. Ein Jahr später wurde die Aufführung in London schon verboten, weil sie der Zensur dann doch zu sehr gegen den religiösen Strich ging.

Kein Wunder, geht es doch recht freizügig zu in Sachen Erotik, Lust und Grausamkeit. Das passt auch nicht ins missionarische Konzept des keuschen Johannes des Täufers, der mitansehen muss, wie am Hof des Herodes Moral und Anstand den Bach runter gehen. Denn Herodes und seine jetzige Frau Herodias (seine Schwägerin) haben ihre jeweiligen Ehepartner unsanft verräumt, um einander zu ehelichen, und jetzt verspürt Herodes auch noch ein unsittliches Verlangen nach Herodias Stieftochter Salome.

Johannes wettert gegen dieses sündige Treiben - ohne Erfolg. Dadurch macht er sich nur interessant für Salome. Die hat längst ein Auge auf Johannes geworfen, der ihr Ansinnen brüsk zurückweist. In wahnsinniger Eitelkeit tanzt sie dann doch noch für ihren widerlichen Stiefvater Herodes, der ihr dafür alle erdenklichen Wünsche erfüllen will. Sie will aber nur eins: den Kopf des Johannes. Damit sie ihn am Ende doch noch küssen kann.

Ganz biblisch ist der Salome-Stoff nicht, war aber zu Wildes Zeit schwer beliebt in Frankreichs Kulturkreisen. Das rauschhafte Zusammenspiel von Lust, Gewalt, Erotik, Narzissmus, Macht, Morbidität und Dekadenz war kulturell angesagt.

Jetzt hat sich auch das Tonne-Jugendforum von Oscar Wilde inspirieren lassen. Denn es geht ja auch darum, dass hier junge Menschen das erste Mal zarte Gefühle entdecken. Und das erste Mal abgewiesen werden, was ja das ein oder andere schwere Drama auslösen kann. Und so haben die Nachwuchsschauspieler den Text von Wilde fast unverändert übernommen, allerdings einem kleinen Geschlechter-Experimente unterworfen: Herodias ist jetzt ein Mann (Emre Batman), und Herodes ist Königin (Sabrina Wachter). Sie steht einer Art Frauenstaat vor. Die Nebenfiguren, der junge Syrer (Jule Hartmann), der in Salome verliebt ist, der Page (Rabea Immer), der in den jungen Syrer verliebt ist: alles Frauen.

"Die Mädchen des Tonnejugendforums wollten keine Hosenrollen spielen, sondern lieber einen Rollentausch vornehmen", erklären Anke Geßner und Sandra Omlor, die zum dritten Mal das Tonnejugendforum leiten. Es geht um Liebe, Verführung, Zurückweisung und Rache.

Auch die Königs-Ehe steckt in einer kleinen Krise: Die Königin ist scharf auf ihren Stiefsohn Salome (Leonard Schlüren), der seinerseits auf den abweisenden Johannes den Täufer steht (Simon Kirschner). Weil Salome aber so ein eitler, narzisstischer Jüngling ist, der zum ersten Mal überhaupt mit einer Zurückweisung konfrontiert ist, kann er das überhaupt nicht verputzen. Und so wird auch er im Stück seinen legendären Tanz der sieben Schleier tanzen, der von den Jugendlichen mit Musik und Gesang untermalt wird. Und auch er verlangt den Kopf des Propheten.

Aber trotz aller Dekadenz und Fin-de-Siècle-Atmosphäre versuchen die Jugendlichen (zwischen 16 und 20 Jahren, mittlerweile ein "eingespieltes Team"), in ihrer achten Produktion wieder ein recht heutiges Stück zu präsentieren. Denn auch in ihrem Alter gehts ja um Schwärmereien und ums Habenwollen, was man nicht kriegen kann. Auch wenn sie nicht so weit gehen wie Salome. . ."Salome hat den Kopf verloren" frei nach Oscar Wilde - Premiere: Freitag, 2. Mai, 20 Uhr Spitalhof (ausverkauft). Weitere Termine: 3., 4., 7. bis 11. Mai, 20 Uhr, sonntags 18 Uhr.

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