Jobs für Flüchtlinge

Die heimische Wirtschaft will Ausbildungsplätze und erste Beschäftigungsmöglichkeiten für Flüchtlinge anbieten. Das zeigt eine Befragung der IHK, an der sich 429 Firmen aus der Region beteiligt haben.

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Fast 70 Prozent der befragten Unternehmen sind bereit, Flüchtlinge einzustellen. Jeweils ein Viertel dieser Betriebe kann sich vorstellen, entweder Praktikums- oder Ausbildungsplätze mit Flüchtlingen zu besetzen. Weitere 17 Prozent nennen den Weg der Einstiegsqualifizierung als Möglichkeit. Ein Drittel der Unternehmen will offene Arbeitsstellen mit Flüchtlingen besetzen. Die Spannbreite der möglichen Beschäftigungen reicht von Tätigkeiten für Ungelernte, etwa als Küchenhilfen oder als Lagerkraft, bis hin zu anspruchsvolleren Berufen wie Kfz-Mechaniker, Berufskraftfahrer oder Ingenieure. Außerdem ist fast ein Drittel der Unternehmen bereit, eine Patenschaft für Flüchtlinge zu übernehmen.

"Die Rückmeldungen der Betriebe sind insgesamt ausgesprochen positiv", fasst IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp zusammen. "Viele Firmen sehen die Flüchtlinge als das, was sie sind: Menschen, die für ihren Lebensunterhalt arbeiten und sich hier einbringen wollen und die es derzeit einfach nicht dürfen." Die IHK hat viele konkrete Angebote erhalten. "An einigen Tagen stand bei uns das Telefon nicht mehr still, weil Unternehmen erfahren wollten, wie sie jemanden einstellen oder sich engagieren können", berichtet Beatrix Andriof, Flüchtlingskoordinatorin bei der IHK.

Was jedoch auch deutlich wird: An Qualifizierung und Sprachkenntnissen führt kein Weg vorbei. Selbst bei einfachen Tätigkeiten benötigen Firmen Deutschkenntnisse, die vom Niveau her zwischen "Grundlagen" und "Konversationssicher" liegen. Bei Berufen, die einen Ausbildungsabschluss oder ein Studium voraussetzen, werden Flüchtlinge letztlich nicht an ihrer Herkunft, sondern an den Fachkenntnissen beurteilt. "Die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt wird ihre Zeit brauchen. Die Umfrage unterstreicht dies noch einmal", sagt Epp. Die Wirtschaft wird zudem ihr Engagement für andere Gruppen mit Benachteiligungen ausbauen. Im kommenden Jahr wird bei der IHK daher ein Projekt zum Thema Inklusion beginnen.

Ergebnisse der IHK-Umfrage:

· Sieben Prozent der teilnehmenden Unternehmen beschäftigen bereits Flüchtlinge - davon fast die Hälfte als Hilfskraft, gut ein Drittel als Auszubildende und mit jeweils zehn Prozent als Praktikant und Fachkraft.

· 68 Prozent der teilnehmenden Unternehmen sind bereit, Flüchtlinge einzustellen, ein Drittel der Unternehmer präferiert hierbei den Weg der normalen Beschäftigung. Jeweils ein Viertel der Unternehmen kann sich aber auch vorstellen, Praktika und Ausbildungsplätze mit Flüchtlingen zu besetzen. Das Instrument der Einstiegsqualifizierung benennen 17 Prozent.

· 32 Prozent der Unternehmen wollen aktuell keine Flüchtlinge einstellen. Hauptgrund: kein Personalbedarf.

· Die Unternehmen, die bereit sind einzustellen, können Tätigkeiten anbieten, die für Ungelernte in Frage kommen, etwa als Küchenhilfen, Fahrer oder für Lagertätigkeiten. Das erforderliche deutsche Sprachniveau liegt zwischen Grundkenntnissen und konversationssicher.

· 63 Prozent der Unternehmer haben Bedarf an Fachkräften mit einer abgeschlossenen Ausbildung, genannt werden hier Kfz-Mechaniker/Mechatroniker, Dachdecker, Berufskraftfahrer sowie Köche. Das erforderliche Sprachniveau ist hier konversationssicher.

· Ein Viertel der Unternehmen hat Angebote für Hochschulabsolventen. Webdesigner, Personen mit kaufmännischen Vorkenntnissen, Konstrukteure und Ingenieure haben gute Chancen. Hier liegt das erforderliche deutsche Sprachniveau ebenfalls bei konversationssicher. Gleichzeitig steigt die Bedeutung des Englischen.

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