Jetzt Mitglied in der Liga der Großen

In einem Festakt wurde die Stadt Reutlingen am Donnerstagabend vom Kölner Verein "Transfair" der Titel "Fairtrade-Stadt" verliehen, als eine Stadt, die sich besonders für den fairen Handel einsetzt.

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Die Achalmstadt spielt nun in einer Liga mit London, Paris, Madrid und Rom - zumindest was den fairen Handel angeht. Seit Donnerstag darf sie die Bezeichnung "Fairtrade Town" tragen.

Seit der Verein Transfair e.V. 1992 seine Arbeit aufnahm, ist der Handel mit Transfair-Produkten auch in Deutschland deutlich gestiegen. Mittlerweile gibt es weltweit mehr als 1000 Fairtrade Towns. Bundesweit tragen 80 Städte das Siegel. Nachdem fairer Handel in Reutlingen eine lange Tradition hat, beschloss der Gemeinderat im Juli, sich für den Titel der Fairtrade-Stadt zu bewerben.

Diese Anerkennung bedeutet für Reutlingens Hauptamtsleiter Hartmut Queisser als Vorsitzenden der Steuerungsgruppe "einen wichtigen Meilenstein, dem weitere Schritte folgen werden, weil wir auf längerfristig wirksame Resultate unserer Arbeit zielen".

Was sich so einfach anhört, erfordert eine Menge Arbeit im Vorfeld. Fünf Voraussetzungen musste die Kommune erfüllen, um als "Fairtrade-Stadt" anerkannt zu werden: Zunächst ging die Verwaltung mit gutem Beispiel voran und schenkte bei allen Gremiums-Sitzungen und Empfängen nurmehr Fairtrade-Kaffee aus. Eine lokale Steuerungsgruppe koordiniert die Aktivitäten vor Ort. Weitere Kriterien: Mindestens 22 lokale Händler und elf Cafés und Restaurants müssen Produkte aus fairem Handel anbieten, Schulen, Vereine und Kirchen führten Bildungsaktivitäten zum Thema durch, lokale Medien berichteten über die Aktivitäten auf dem Weg zur "Fairtrade-Stadt".

Oberbürgermeisterin Barbara Bosch freute sich am Donnerstagabend vor gut 120 Gästen im Rathausfoyer, "dass sich Reutlinger Bürgerinnen und Bürger, Händler und Unternehmen seit vielen Jahren für einen gerechten Handel einsetzen, damit Produzenten in Afrika, Asien und Lateinamerika bessere, faire Preise für ihre Produkte erhalten".

Der Gemeinderat sprach sich bereits 2004 gegen den Handel mit Produkten aus ausbeuterischer Kinderarbeit aus und hat 2008 mit einem Beschluss zur Beachtung ökologischer und sozialer Kriterien in der Beschaffung einen weiteren Schritt getan: "Viele Akteure in der Stadt, darunter der Eine-Welt-Verein, haben sich diesem Ziel bereits seit längerem verschrieben", betonte Bosch, "deshalb ist die Auszeichnung für die Stadt Ausdruck der Wertschätzung dieses breiten Engagements von Bürgerschaft, Handel, Gastronomie, Schulen, Politik und Verwaltung."

Bevor Manfred Holz, TransFair-Ehrenbotschafter aus Köln, OB Bosch die Urkunde überreichte, referierte der Freiburger Misereor-Experte Benjamin Pütter über unfaire Produkte und Kinderarbeit in Indien. Dr. Jürgen Quack vom Eine-Welt-Verein Reutlingen wies darauf hin, dass Fairtrade in Deutschland zwar jährlich um das Doppelte wachse, Länder wie Österreich, England und die Schweiz uns aber noch weit voraus seien. Neben kulinarischen Fairtrade-Produkten, die dargeboten wurden, sorgte der argentinische Sänger Daniél Iberra für den musikalischen Rahmen.

Dass die Auszeichnung aber kein Grund ist, sich zurückzulehnen, "sondern am gemeinsamen Ziel miteinander weiterzuarbeiten", so Bosch, zeigt der Marktanteil von fair gehandeltem Kaffee, der bundesweit bei drei und in Reutlingen gerade mal bei einem Prozent liegt.

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