Jederzeit und immer wieder

Ein tolles Gespann: Ihre Lieblichkeit Prinzessin Paulin I. zur Huschenburg und seine Tollität Prinz Andreas III. von der Rossburg zelebrierten die Reutlinger Fasnet und ließen sich königlich feiern.

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Traditionell am Rosenmontag ist eine Delegation der Reutlinger Karnevals-Gesellschaft samt Prinzenpaar zu Gast bei unserer Zeitung.  Foto: 

Ob golden gezwirbelte Korkenzieherlocken oder perlmutt- geglättete Haarpracht: Paulin I. kommt mit ihrem zarten Teint, ihrem strahlenden Lächeln und ganz in himmelblauem Tüll der Vorstellung einer Märchenprinzessin unvergleichlich nah. Einer dieser "königlichen Momente" war für sie der kurze Weg von der Machtübernahme im Rathaus bis zum Auto. "Überall hat es am Rock gezupft", tausend märchenverliebte Kinder wollten ein Handyfoto, ein Autogramm oder einfach mal ganz nah dran gewesen sein: "Ich hab das alles mitgemacht. Das gehört dazu", erzählt Paulin I. angetan. "Auf den Kinderfasching freuen wir uns beide tierisch", beeilt sich Andreas III. zu ergänzen, auch wenn er selbst da "sowieso abgeschoben" sei: Prinzessinnen unter sich.

Mit dem Alter hat dieser Kult offensichtlich wenig zu tun: 45 Kommilitonen im Studiengang Textiltechnologie/Textilmanagement, 37 davon Mädels. Auch an der Reutlinger Hochschule machte die Nachricht von der "richtigen eigenen Prinzessin" die Runde wie ein Lauffeuer. "Paulin" war umschwärmt wie nie zuvor. Dagegen ging das spitzfindige: "Schau mal, unser Prinz kommt" der Kollegen von der Straßenmeisterei an Andreas III. eher beiläufig vorbei. In diesem Winter standen die Schnee-Einbrüche auf der Alb und den Verkehrswegen des Landkreises Tag und Nacht auf der Agenda ganz oben. Auch zur Fasnet schichtete der gelernte Zimmerer aus Unterhausen wie gehabt. Diszipliniert und majestätisch organisiert legte selbst Gnädigste zwischendurch ein paar Prüfungen ab. Sie steckt derzeit mitten im vierten von acht Studiensemestern.

Schade findet Paulin I., dass sie in der kommenden Session im Praktikum und womöglich im Ausland ist. Sie hätt's gern wieder gemacht. Für ihren Prinzgemahl kein Thema: "Machen würden würd' ich's, wenn ich's wollen dürft'". Der war's immerhin schon zweimal. Der Trost zweier gekrönter Häupter zum Showdown: "Das Leben geht weiter", meint seine Tollität. "Nur neun Monate Pause, dann geht's schon wieder los", tröstet ihre Lieblichkeit. Auch wieder wahr.

Vielleicht geht Vorstand Ralph Keck von der 1. Reutlinger Karnevals-Gesellschaft 1907 ja wieder rechtzeitig auf Pirsch: Die Paulin hat er letzten Herbst an der Pilsbar auf dem Cannstatter Wasen aufgestöbert. Erst habe sie gedacht, das ist mal ein neuer Bierzelt-Gag. Doch Keck insistierte: "Wir suchen wirklich eine Prinzessin." Man traf sich zur ersten Vorbesprechung gerade zu der Zeit, als die blonde Paulin ohnehin zwecks Studium nach Pfullingen zog. Mit der Fasnet, ihren Gebräuchen und Sitten, habe sie sich sehr schnell angefreundet. Nur vor den grausligen Masken hatte sie als kleines Mädchen in Stuttgart schon Angst. Mit einem original Fasnets-Urgestein wie dem Prinzen von der Rossburg an ihrer Seite konnte allerdings wenig passieren: Andreas III. hatte schon 2012 mit Verena I. auf dem Parkett geglänzt. Sein Bruder Markus I. von den Eulen war bereits mit Jessica II. liiert, die anschließend im Reutlinger Narrenkomitee hängen blieb.

Kurz und zügig huschte die Fasnet 2015 durch die Reutlinger Gassen. Was für das Prinzenpaar bleibt, ist die Erinnerung an den Bilderreigen der Session: die traditionelle Prunkfestsitzung, Rituale und Geselligkeit. Umzüge wie bei befreundeten Gesellschaften in Sickenhausen, Wannweil und Waiblingen. Die Straßenfasnet unter der eigenen Burg: "Grad als alles durch war, fing es in dicken Flocken an zu schneien", erinnert sich das Prinzenpaar. Und ganz besonders: "Der riesige Hambrückener Karnevals-Umzug", gesteht Paulin I, "wir saßen im Ehrenwagen des veranstaltenden Vereins auf Start Nummer eins und haben bestimmt mehr als hundert Kilo Süßigkeiten rausgeworfen." Damenbinden seien auch dabei gewesen, erinnert sich Prinz Andreas III: "James Bond CDs, Pflegecremes für Frauen, ganze Kulturbeutel. Es flog einfach alles raus.

Die Hambrücker haben kein eigenes Prinzenpaar. "Die waren wie verrückt nach unseren Autogrammkarten. 300 Stück waren nach der Hälfte schon weg." Noch Tage danach schwärmt Paulin mit glänzenden Augen von den riesigen geschmückten Themenwagen, die von Traktoren durch die Straßen gezogen wurden, und Andreas III. erinnert sich, dass er in den mit Menschen vollgestopften Straßen keine Handvoll Besucher ohne Schminke und Kostüm entdeckt hat.

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