Initiative für Mitbürger

In der Aula der Achalmschule findet am Dienstag, 3. Februar, um 18 Uhr eine Informationsveranstaltung des Landkreises zur geplanten Belegung des Boarding-Houses am Kappelbach mit hundert Flüchtlingen statt.

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"Wir sind selbst von unserer Arbeit ein Stück weit angetan. Sie ist sehr strukturiert", sagt Martin Brauße, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Koordination im Eninger "Freundeskreis Asyl". Bei der vom Landkreis angekündigten Belegung des ehemaligen "Boarding-Houses" zwischen Edeka und Aldi mit rund hundert Flüchtlingen voraussichtlich zum Jahresende hat er "ein sehr gutes Gefühl". Brauße: "Mir macht das keine Angst, das Engagement ist da." Und es werden laufend mehr.

Zur Gründungsversammlung des Eninger Unterstützerkreises waren 35 Eninger gekommen, querbeet durch die Vereine, Privatleute, Vertreter der Kirche und die Gemeinde. Die hat hier nicht den Hut auf. Die Verwaltung ist ein engagiertes Mitglied unter vielen. "So soll es sein", sagt Brauße, "eine Initiative von Bürgern für Mitbürger".

Die Zahl der Asylbewerber und Flüchtlinge, die dem Kreis Reutlingen im Jahr 2014 zur Unterbringung zugewiesen wurden, stieg im Vergleich zum Vorjahr um 70 Prozent. Bei gleichbleibender Zunahme fehlen im Kreis bis zur Jahresmitte rund 500 Plätze für junge Männer, Familien und Kinder, die außer ihrem Leben, oft traumatischen Erinnerungen und Hoffnung, nicht viel mitbringen. "Bis Ende des Jahres haben wir zur Betreuung dieser Menschen sattelfeste, unabhängige Strukturen und Netzwerke geschaffen", ist sich Martin Brauße vom "Arbeitskreis Asyl" sicher.

Vier Arbeitsgruppen haben sich aufgestellt: Eine für konkrete Alltagshilfen, die bei Problemen mit dem Kühlschrank genauso weiterhilft wie beim Arztbesuch, mit enger Anknüpfung ans Sozialamt. Muttersprachler in Persisch, Russisch und Arabisch stehen zur Verfügung.

Eine weitere Arbeitsgruppe hat sich auf die Unterstützung bei Asylverfahren spezialisiert. Der Koordinationsstab bündelt und vernetzt die Ressourcen. Der Eninger Arbeitskreis ist, wie die meisten Asylcafés im Kreis, unter das rechtlich sichere Dach der Diakonie geschlüpft.

Betreut wird ohne Ansehen der Zuständigkeiten von Kreis oder Kommune. "Wir machen da auf keinen Fall Unterschiede", betont Martin Brauße, "das wäre menschlich daneben". Der Landkreis hat angeboten, im Haus am Kappelbach Platz für Begegnung zu schaffen. Trotzdem: "Das Asylcafé muss ums Rathaus herum sein, als zentraler Anlaufpunkt für alle", so Brauße. Wer nicht in die ehrenamtliche Betreuung gehen wolle, aber handwerklich geschickt sei, könne sich beim Ausbau einbringen. Die Gemeinde habe ihre Unterstützung bereits zugesagt.

"Es ist sicher eine der besseren Arten der Umnutzung des Boarding-Houses. Vor allem, wenn es eine gute Begleitung vom Landratsamt gibt", sagt Eningens Bürgermeister Alexander Schweizer, "wir wollen am Anfang eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung und, wenn sich's eingespielt hat, den vorgesehenen Betreuungsschlüssel".

Der Arbeitskreis Asyl habe seine Arbeit Gott sei Dank schon im vergangenen Jahr aufgenommen: "Super koordiniert. Ich bin hellauf begeistert. Es läuft hervorragend. Das habe ich auch an der Zustimmung beim Neujahrsempfang gemerkt", lobt Schweizer. Die Verwaltung sei regelmäßig in Kontakt mit dem Landratsamt, das selbst ein Interesse daran habe, die "doch größere Einheit" in Eningen auf gutem Weg zu wissen.

Asylverfahren dauern in der Regel zwei Jahre, das ist ein Erfahrungswert der Kreisverwaltung. Bei Anerkennung - der Landkreis geht von einem Drittel der Anträge aus - werden die Flüchtlinge zumeist aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, dem Irak und vom Balkan zur Anschluss-unterbringung in die Obhut der Kommunen überlassen.

Das Landratsamt hat im Boarding-House für diesen Fall 20 Plätze angeboten. Schweizer: "Das ist keine beschlossene Sache, sondern eine Option. Wir hätten sie gerne dezentral in Wohnungen untergebracht und tun unser Möglichstes."

Das ehemalige Boarding-House nahe der Reutlinger Straße ist im Besitz eines Privatinvestors aus Filderstadt, der in den Umbau investiert. Es wird von der Kreisverwaltung langfristig angemietet. Der Leerstand mit Zwei- bis Drei-Bett-Einheiten bietet ideale Voraussetzungen für Selbstversorger in einer relativ modernen Bausubstanz.

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