In vielfacher Sicht Licht am Ende des Tunnels

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  • Höchste Sicherheitsstandards verspricht der Scheibengipfeltunnel. Bei der Pressefahrt lässt sich Regierungspräsident Klaus Tappeser (links) von Projektleiter Norbert Heinzelmann das System der Rauchgasentlüftung über zwei gewaltige Ventilatoren mit je 700 PS erläutern. Die 300 000 Euro teuren Lüfter haben jeweils einen Durchsatz von 360 000 Kubikmeter Luft pro Stunde. 1/3
    Höchste Sicherheitsstandards verspricht der Scheibengipfeltunnel. Bei der Pressefahrt lässt sich Regierungspräsident Klaus Tappeser (links) von Projektleiter Norbert Heinzelmann das System der Rauchgasentlüftung über zwei gewaltige Ventilatoren mit je 700 PS erläutern. Die 300 000 Euro teuren Lüfter haben jeweils einen Durchsatz von 360 000 Kubikmeter Luft pro Stunde. Foto: 
  • Über sieben Querschläge (Querverbindungen) alle 240 Meter kann der Rettungsstollen und damit die sichere Seite des Tunnels erreicht werden. Hier herrscht Überdruck, so dass kein Rauch eindringen kann. 2/3
    Über sieben Querschläge (Querverbindungen) alle 240 Meter kann der Rettungsstollen und damit die sichere Seite des Tunnels erreicht werden. Hier herrscht Überdruck, so dass kein Rauch eindringen kann. Foto: 
  • Über der eigentlichen Tunnelröhre verläuft der abgetrennte Rauchabzugskanal. Solche Abzugsklappen alle 80 Meter öffnen sich im Brandfall automatisch, durch sie wird der Rauch von den großen Lüftern am Südportal ins Freie geblasen. 3/3
    Über der eigentlichen Tunnelröhre verläuft der abgetrennte Rauchabzugskanal. Solche Abzugsklappen alle 80 Meter öffnen sich im Brandfall automatisch, durch sie wird der Rauch von den großen Lüftern am Südportal ins Freie geblasen. Foto: 
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Auch bei den aktuell tropischen Temperaturen lässt es sich im Innern des Berges gut aushalten. Bereits wenige Meter unter der Erdoberfläche im Betriebsgebäude am Tunnel-Südportal ist es angenehm frisch, auf Dauer sogar richtig kalt. Und Tageslicht sehen die derzeit mit dem technischen Ausbau beschäftigten Handwerker ohnehin nur selten. Unglaublich, wie viele Kilometer elektrische Leitungen in dem mit gut 125 Millionen Euro teuersten Tunnelprojekt der Straßenbauverwaltung im Land verbaut werden.

Eine herausragende Rolle spielt dabei die Sicherheitstechnik, die besonders im Fokus des Rundgangs mit Regierungspräsident Klaus Tappeser und seinem Scheibengipfeltunnel-, Straßenbau-, Umwelt- und Luftreinhalte-Team stand. Eingangs erläuterte Tappeser aber mit der hinzugeeilten Reutlinger OB Barbara Bosch im Beisein des Eninger Bürgermeisters Alexander Schweizer die besondere Bedeutung des seit gut 40 Jahren erwogenen Bauwerks, damals noch unter dem Titel „Öchsletunnel“.

Nicht nur verkehrlich soll die 3,1 Kilometer lange und exakt in Nord-Süd-Richtung liegende Bundesstraße mit ihrer 1910 Meter langen Tunnelröhre als Ortsumfahrung Reutlingens Innenstadt vom auswärtigen Verkehr auf dem Streckenzug Engstingen-Echaztal-Metzingen entlasten. Konsequent wird die Beschilderung darauf ausgerichtet sein, den Verkehr in den Tunnel zu bringen, erläuterte „Mr. Scheibengipfeltunnel“ Norbert Heinzelmann, der Projektleiter. Aus dem Echaztal wird der Verkehr nach Tübingen ebenso durch den Tunnel geleitet wie der nach Stuttgart. Am Nordportal geht’s in Richtung Unistadt dann über die Ost-West-Trasse, in den Großraum Stuttgart geht es über die B 312 via Aichtal.

Die Weiterführung der Straße zur B 464 auf die Fildern über die Dietwegtrasse allerdings steht, obwohl in den vordringlichen Bedarf im Bundesverkehrswegeplan aufgenommen, noch in den Sternen, sagt Abteilungspräsident Straßen und Verkehr, Josef Bild. Hier wird das Verkehrsministerium bis zum Herbst Prioritäten unter den 33 Projekten setzten.

Große Hoffnungen setzen Tappeser und Bosch hingegen auch auf die Wirkung des Tunnels in Sachen Schadstoffbelastung der Lederstraße (wir berichteten). Die rangiert, so zitierte Tappeser die Bildzeitung, unter den Top Ten der meist belasteten deutschen Straßen. Noch im Juni wird sich der Gemeinderat mit dem Luftreinhalteplan befassen, in dem das Regierungspräsidium „einen Fächer von Möglichkeiten entwickelte“, um die Luft hier zu verbessern. Ohne den Tunnel, darin sind sich alle einig, lassen sich die gesetzlichen Luftreinhaltewerte nicht erreichen, der Tunnel alleine aber könne dies nicht leisten. Deshalb sollen hier die Stickstoffdioxidbelastung weiter genau geprüft werden.

Schon jetzt aber „sehen wir in vielfacher Sicht Licht am Ende des Tunnels“, sagte der Regierungspräsident zum nach acht Jahren Bauzeit vor seiner Vollendung stehenden Großprojekt. Für ihn war der bei dem Rundgang im Detail erläuterte hohe Sicherheitsaufwand erstaunlich. Jeder Teil des Tunnels sei mit Kameras von der integrierten Leitstelle der Reutlinger Feuerwehr einsehbar. Das diene nicht nur „der Abschreckung von Spitzbuben, primär sollen sich die Menschen in dem Tunnel sicher fühlen“, unterstrich Tappeser.

So werde „praktisch jeder Tunnelbereich detektiert“, hatte Projektleiter Heinzelmann erläutert. 17 Notrufkabinen sorgen für Kommunikation, selbst wenn der technisch gesicherte Handybetrieb einmal versagt. Induktionsleitungen in der Fahrbahn kontrollieren die Fahrzeugbewegungen, Brandmeldekabel mit Chips an der Decke kontrollieren die Temperatur, wird ein Feuerlöscher aus der Halterung genommen, wird der Tunnel gesperrt. Und die Sichttrübemessung kann sogar Rauch von Nebel unterscheiden. Elf Millionen Euro werden aktuell in den Ausbau der Tunneltechnik insgesamt investiert.

Den Abschluss der Bau- und Ausbauarbeiten im und um den Scheibengipfeltunnel wollen die Verantwortlichen von Land, Stadt und Kreis mit Bürgerinnen und Bürgern am Sonntag, 30. Juli, mit einem Tag des offenen Tunnels feiern. Interessierte können sich dann ausgiebig ein Bild der Tunnelröhre, des Rettungsstollens und der technischen Einrichtungen machen. Dass bei einem solchen Fest Speis’ und Trank nicht zu kurz kommen, versteht sich von selbst. Der Termin für die offizielle Einweihung und Freigabe Ende Oktober, Anfang November steht noch nicht fest. pet

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