In den Osten, ins eigene Ich

Die Tonne kommt in der Spielzeit 2015/2016 wieder viel rum: Sie reist durch die "Heimat", durch den Osten, nach Argentinien, ins eigene Ich und in Grabbes Welt von "Scherz, Satire, Ironie und tieferer Bedeutung".

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Bei der Spielplan-Präsentation: von links Ute Geiser (Kreissparkasse), Sandra Omlor, Karen Schultze (Dramaturgie) und Enrico Urbanek (Intendant).  Foto: 

Gestartet wird am 17. Oktober in der "Heimat": Yvonne Lachmann und Michael Schneider begeben sich in diesem Stück auf die Suche nach den Geschichten ehemaliger Reutlinger Gastarbeiter aus Italien, Türkei oder Griechenland. Von Mitbürgern also, die schon längst ihre Heimat in Reutlingen gefunden haben und doch eine gewisse Sehnsucht nach ihrer früheren Heimat empfinden.

Ähnlich wie im Doku-Stück "Weiterleben" werden hier Interviews geführt - angestrebt ist eine Mischung aus Videosequenzen, szenischen Geschichten und Musik.

Ab 29. Oktober steht die "Mittsommernachts-Sex-Komödie" von Woody Allen auf dem Programm. Der gleichnamige Film ist an Shakespeares "Sommernachtstraum" angelehnt und handelt von drei Paaren in unterschiedlichen Stadien ihrer Beziehung. Sie begegnen sich in einem ländlichen Natur-Idyll, wo die teils schon recht eingefahrenen Beziehungen plötzlich durcheinandergeschüttelt werden. Karin Eppler führt Regie, Christian Dähn sorgt für die Mittsommernachtsklänge, sechs Schauspieler sorgen für Liebes-Chaos.

Jan Mixsa, der laut Enrico Urbanek "durchgeknallte Tausendsassa, Lebenskünstler und tolle Theatermann" aus dem Osten, der schon beim letzten Monolog-Spektakel mit seiner theatralischen Tand-Versteigerung ("Es hackt") für Aufregung gesorgt hat, zeigt ein selbstgeschriebenes Stück. Darin verarbeiten sieben Typen 25 Jahre nach der Wiedervereinigung ihre "Wendeerfahrungen". Ein Moped "dient dabei als Vehikel zwischen Ost und West, zwischen früher und heute, zwischen Traum und Wirklichkeit". Ex-Ostler Enrico Urbanek führt die Regie bei "East Riders", das am 26. November Premiere feiert.

In Kooperation mit Tango-Vision Reutlingen entwickelt Tonne-Dramaturgin außerdem einen "Tango-Abend" über Argentiniens verschwundene Kinder: "Wie kann ich lernen, dich zu lieben" (ab 20. Februar 2016). Zur Zeit des argentinischen Militärregimes (1976 bis 1983) wuchsen die Kinder ermordeter oder inhaftierter Eltern völlig unwissend bei regimetreuen Ersatzeltern auf und erfuhren erst viel später von ihrer wahren Identität.

Erzählt wird die Geschichte einer fiktiven jungen Frau: "Ihre eher zufällige Begegnung mit dem Tango, dem Tanz ihrer wahren Heimat, konfrontiert sie unerwartet mit ihren Wurzeln und zwingt sie zu einer spannenden wie schmerzlichen Suche, die ihr bisheriges Leben komplett infrage stellen muss." Auf der Bühne ist eine Mischung von Live-Musik, tanzenden Tango-Spezialisten und einer spannenden Geschichte zu sehen.

Auch Marc von Henning ("Es gibt nichts Größeres als die kleinen Dinge") beehrt die Tonne wieder zwar mit einer Uraufführung unter dem vielsagenden Titel: "Einmal jemand ganz anderes sein, der ganz woanders etwas ganz anderes macht" (ab 18. März 2016). Mit den drei Darstellern Robert Atzlinger, Thomas Klees und Chrysi Taoussanis geht's dabei auf "fantasievolle Reise durch die Dinge durch die Dinge, die uns umgeben" und "durch die Geschichten, aus denen wir gemacht sind".

Die inklusive Theatergruppe der Tonne mit ihren acht festangestellten Teilzeitfachkräften zeigt dieses Jahr "Die Blinden" von Maurice Maeterlinck (ab 21. April). Es geht um eine Gruppe von blinden Menschen auf einer Insel, die von einem Priester totalversorgt werden, bis der eines Tages stirbt. Die Blinden - plötzlich auf sich gestellt - müssen sich überlegen, wie sie aus ihrer gewohnten Unselbständigkeit herauskommen.

Mit "Glücksträumerei" kommt ab 10. Mai 2016 das Jugend-Stück heraus, das durch eine Ausschreibung des Tonne-Freunde-Vereins zustande gekommen ist. Lena Hilf ist die junge Autorin der "krassen Geschichte" rund ums Jugendglück, Karen Schultze inszeniert - und zwar der Authentizität halber mit echten, gecasteten Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren. Nachwuchstalente können sich bis Ende September bewerben.

Auch fürs tonnejugendforum sucht Sandra Omlor noch Nachwuchskräfte, die Lust haben, bei "Das Floß der Medea" von Georg Kaiser mitzuspielen. Die Proben sind immer montags 17 Uhr, die Intensivphase liegt in den Pfingstferien, Premiere ist am 2. Juni.

Den krönenden Abschluss bildet dann wie immer das Sommertheater, dieses Mal mit dem frechen Stück "Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung" von Christian Dietrich Grabbe (ab 7. Juli 2016).

Nicht zu vergessen: Und auch 2015/2016 gibt's das Internationale Tanztheater, das Mono-Spektakel sowie einige Wiederaufnahmen.

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