In den Himmel gebaut

Vom gläsernen, hohen Raum inspiriert, hat die Künstlerin Susanne Kessler das Atrium im Dominohaus verwandelt - mit einer Skulptur aus fragilem Material. Überraschend wirkt auch die optische Verdopplung.

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Tiefendimensionen: Rauminstallation von Susanne Kessler.  Foto: 

Über alle Etagen erstreckt sich der hohe und gläsern überdachte Innenhof des Dominohauses. Die in Berlin und Rom lebende Künstlerin Susanne Kessler hat nun eigens für diesen Raum eine Skulptur erschaffen, in der sich Architektur und Kunst begegnen. Es ist mittlerweile das 14. Mal in Folge, dass das Atrium künstlerisch bespielt wird, verkündete Kurator Wolfgang Riehle zur Eröffnung dieser Tage.

"Das offene Atrium faszinierte mich sofort", erzählt Kessler. Hinein in den Himmel zu bauen, das reizte sie. Doch leicht, fragil sollte es sein, und so entstand in einer jahrelangen Entwicklungsphase und in akribischer Vorort-Arbeit eine räumliche Collage, die den Titel "Mäander" trägt.

"Die Materialwahl erfolgte in Anlehnung an die Zahlensymbolik", heißt es in der Ankündigung. 13 Eisenringe, acht Stoffgitter, zwei jeweils 13 Meter lange Plastikgitter, 52 Drahtmatten sowie 13 handgefertigte, großformatige Mixed-Media- Netze fassen das Gebilde. Das wiederum besteht aus 260 Asphaltzeichnungen, mehr als 510 Cut-Out Zeichnungen auf Papier, 13 Drucken auf Transparentfolie sowie 26 Zeichnungen.

Das Konstrukt lebt von seinen lebendigen, ja chaotischen Strukturen, die gebündelt im Raum hängen. Sie winden sich wie Nervenstränge durch den Raum. Der Aufbau gleiche einer "Fischereihafenatmosphäre", beschreibt es Riehle.

Doch damit nicht genug. Je näher der Betrachter dem Objekt kommt, umso größer der "Aha"-Effekt der räumlichen Illusion. Der verspiegelte Boden lässt zunächst hinab in die Tiefe blicken, hinein in eine mehrdimensionale Zeichnung, in eine neue Welt, die durch den blauen Himmel am Fuße wie in einem großen Meer zu enden scheint, in denen sich die Linien nach und nach verlieren.

Und so kostet es zunächst Überwindung, sich dem Werk zu nähern, der Abgrund scheint ins Unendliche zu ziehen. Die Arbeit selbst erhält dadurch einen noch stärkeren schwebenden Charakter.

Professor Raimund Stecker lobte die faszinierende Komplexität der Arbeit. "Sie ist auf Faszination angelegt, sie will begeistern, irritieren, angeschaut werden." Und gab den Besuchern mit: "Sie will, dass Sie sie erfahren." So sei man aufgerufen, zu ergründen und zu erleben und dabei auch sich selbst zu erfahren - und nicht Erfahrungen, die andere gemacht haben, als gegeben ansehen. In Kesslers Arbeit gehe es um Abstand und Berührung, um Nähe und Ferne sowie um Realität und Illusion.

"Mäander" beschreibt das Phänomen Bewegung. Altes trifft auf Neues - reich an Energie und Dynamik. Die Linien gehen ihrer Wege und sind dennoch in ihrem Sein gebändigt. Stecker fasst es so zusammen: "Die Arbeit ist temporär, aber für uns heute existent."

Susanne Kessler, 1955 in Wuppertal geboren, studierte in Berlin und London. Es folgten zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien in Frankreich, Indien, im Iran und in den USA. Susanne Kessler übte zudem Lehrtätigkeiten in den USA und in Lettland aus.

Dauer, Öffnungszeiten

Ausstellung Die Rauminstallation "Mäander 2014" von Susanne Kessler im Atrium des Dominohauses, Am Echazufer 24, Reutlingen, ist bis 19. September zu sehen.

Öffnungszeiten im Dominohaus: montags bis freitags 8 bis 18 Uhr.

SWP

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