IMPULSE: Alternativen

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Politikverdrossen? Resigniert angesichts der wachsenden Schere zwischen Arm und Reich, des bedrohlichen Klimawandels, der täglichen Nachrichtenflut über Kriege und Flüchtlingselend? Die Schar der Aktiven aus der Region, die sich am 25. Januar, 11 Uhr, in der Zelle, Albstraße 78, zum achten Mal beim Alternativen Neujahrsempfang treffen, sind sich darin einig, dass es "Höchste Zeit für Alternativen" ist. Etwa 25 Gruppen aus Gewerkschaften, Umwelt- und Frauenbewegung sowie politisch und sozial engagierten Organisationen haben sich zusammengeschlossen, um sich wieder mit Infoständen, Rede- und Kulturbeiträgen der Öffentlichkeit zu präsentieren und miteinander zu vernetzen.

Die Themen sind vielfach: So zum Beispiel die Unterstützung der europäischen Bürgerinitiative gegen die derzeit geheim verhandelten Freihandelsabkommen wie TTIP, CETA und TISA, die freie Bahn für Banken und Konzerne auf Kosten von sozialen und Umweltstandards brechen wollen. Oder die Durchsetzung von umwelt- und klimafreundlichen Energie- und Verkehrskonzepten. Solidarität mit Flüchtlingen und Asylbewerbern, aber auch die Bekämpfung einer Handels-, Agrar- und Energiepolitik, die von Konzerninteressen geleitet wird und die Kriege und Flüchtlingsströme überhaupt erst verursacht. Im eigenen Land statt Hartz IV, Dumpinglöhnen und prekären Arbeitsverhältnissen sichere Arbeitsverträge und einen Mindestlohn von zehn Euro. In Reutlingen ein genossenschaftliches Programmkino als Alternative zu Cineplex. Wer sich über all dies informieren möchte, ist beim Alternativen Neujahrsempfang willkommen - erst recht, wer weiteres Engagement initiieren möchte.

Einige Gruppen wie zum Beispiel Attac und der Frauenverband Courage haben zurzeit mit der Aberkennung der Gemeinnützigkeit zu kämpfen. Der Zelle, die seit Jahrzehnten für alternative Jugendkultur in Reutlingen steht, wurden von der Stadt bürokratische Hürden gestellt. Hier setzen die Veranstalter auf Solidarität und gegenseitige Unterstützung. Auch deshalb findet der Alternative Neujahrsempfang 2015 in der Zelle statt - ein wahrer Kontrast zum letzten Empfang in der Stadthalle, die vor allem durch die verpflichtende Anbindung an eine teure Cateringfirma sich eher als Veranstaltungsort für kommerzielle Kulturanbieter und zahlungskräftige Kongresse erwiesen hat und nicht als die versprochene "Halle für alle". Auch dies gehört zur Agenda des Alternativen Neujahrsempfang: den öffentlichen Raum gemeinschaftlich aneignen. Auf das nicht erst vor zwei Jahren geforderte Bürgerhaus warten die beteiligten Gruppen immer noch.

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