Immer mehr Kinder stehen im Abseits

Familien, denen das Geld für Kinderturnschuhe fehlt oder für Schulfreizeiten, sind nicht nur benachteiligt - sie werden vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen, sagen die "Sterntaler"-Initiatoren.

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Die Initiatoren der Aktion "Sterntaler" wollen Kinderträume wahr werden lassen. Foto: Norbert Leister

Wer als Kind nicht zu Schulausflügen mitgehen kann, wem das Geld für eine Vereinszugehörigkeit fehlt, wer sich keine Kickstiefel leisten kann, keinen Musikunterricht, keine Nachhilfe oder ein Ferienzeltlager auf der Alb, steht völlig im Abseits. Immer mehr Kinder von Hartz-IV- und Alg-II-Empfängern wie auch immer mehr Familien aus dem Niedriglohnbereich können ihrem Nachwuchs solche Freizeit- und Bildungsangebote nicht mehr bieten, betonen die Initiatoren. "Die Chance auf gesellschaftliche Teilhabe sinkt dadurch enorm", betonen Sabine Drecoll und Ulrike Neher-Dietz von der Reutlinger Citykirche.

Wie unsere Zeitung bereits berichtete, wollen Caritas, Diakonieverband und die Citykirche nicht länger tatenlos dabei zusehen. Denn: Obwohl die Bundesregierung das "Bildungs- und Teilhabepaket" auf den Weg brachte, "reicht dieses Geld vorne und hinten nicht aus", betont Reutlingens Caritas-Chef Hermann Rist. Animiert von Spendern der "Aktion Sternenfunkeln" in der Vorweihnachtszeit hatten sich Neher-Dietz, Drecoll, Rist und Günter Klinger vom Diakonieverband zusammengesetzt und nach Unterstützungsmöglichkeiten bedürftiger Kinder gesucht. Fündig wurden sie bei ähnlichen Projekten in Tübingen namens "Sahnehäubchen" und bei "Rückenwind" in Göppingen. "Die Erfahrungen dieser beiden Aktionen waren ausgesprochen positiv", so Pastoralreferentin Neher-Dietz. Viele Monate wurde in Reutlingen an dem Transfer auf die hiesigen Verhältnisse gebastelt, mit dem Ergebnis, dass Förderanträge ab sofort beim Diakonieverband und der Caritas gestellt werden können. Zudem wurden zahlreiche Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben in Reutlingen gefunden, die in einem Kuratorium hinter der Aktion stehen.

Der katholische Dekan Robert Widmann wurde ebenso gewonnen wie Ulrich Bausch: "Immer mehr Menschen melden ihre Kinder von der Jugendkunstschule oder der Musikschule ab, weil das Geld dafür nicht mehr reicht", berichtet der VHS-Leiter. Thomas Poreski ist ebenfalls mit im Kuratorium, er wurde gefragt, warum denn der Staat nicht diese Aufgabe übernimmt. Das sei zwar eine berechtigte Frage, sagt der Landtagsabgeordnete der Grünen, helfe aber dem Nachwuchs im Moment nicht. "Kinder und Jugendliche leben jetzt, und sie brauchen jetzt unsere Hilfe und Unterstützung."

Wichtig war es den Initiatoren zudem, Multiplikatoren in den Schulen und Kindergärten zu finden: Mit dem evangelischen Schuldekan Ulrich Ruck und Gabriele Beier als Rektorin der evangelischen Fachschule, an der Erzieherinnen ausgebildet werden, ist das gelungen. "Gerade Lehrer und Erzieherinnen sind besonders gefragt hinzusehen, Defizite zu erkennen und an uns weiterzuleiten", sagt Pfarrerin Drecoll. "Wir wollen mit der Aktion Kinderträume wahr machen", betont Rist.

Info Am Samstag, 15. September, fällt um 11 Uhr der Startschuss für die Aktion in der Citykirche. Gespendet werden kann im Übrigen jetzt schon auf das Konto mit der Nummer 13 22, bei der Kreissparkasse Reutlingen, Bankleitzahl 640 500 00, unter dem Stichwort "Sterntaler".

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