Immer mehr auf die Pelle gerückt

Die Finanzämter Reutlingen und Tübingen hatten am Freitag zum Neujahrsempfang in die IHK-Akademie. Gastredner war Guido Körner, Vizepräsident des Finanzgerichtes Baden-Württemberg.

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Die Stimmung beim 30. Neujahrsempfang war gut. Konnten doch die Reutlinger Finanzamt-Leiterin Sigrid Brucker-Maschke und Tübingens Finanzamt-Chef Dieter Möhler durchaus Erfreuliches berichten: Das Steueraufkommen hat sich in beiden Amtsbezirken erhöht, vor allem Reutlingen punktete mit positiven Zahlen.

Zunächst ergriff die seit 2011 das Reutlinger Finanzamt leitende Sigrid Brucker-Maschke das Wort: Obwohl im Durchschnitt immer weniger Personal mehr Steuerfälle bearbeiten muss, kann das Steueraufkommen in Reutlingen für 2014 ein Plus von fast 35 Millionen Euro vorweisen. Somit haben sich die Einnahmen von rund 1035,3 Millionen Euro auf 1070 Millionen Euro erhöht. Während der größte Zuwachs bei der Lohn- (+6,85 Prozent) und Umsatzsteuer (+11,19 Prozent) verzeichnet werden konnte, gibt es vor allem bei der Einkommenssteuer einen überraschend hohen Rückgang von 12,35 Prozent.

Der Personalstand hat sich gegenüber 2013 ganz leicht (+1,5 Stellen) erhöht: Im vergangenen Jahr waren beim Reutlinger Finanzamt insgesamt 402 Mitarbeiter angestellt gewesen, davon insgesamt 27 Auszubildende. Für dieses Jahr ist geplant, im mittleren Dienst zwei Auszubildende (2014: zwei) und im gehobenen Dienst acht Nachwuchskräfte (2014: acht) einzustellen.

Obwohl es immer schwieriger wird, qualifizierte Nachwuchskräfte zu gewinnen, planen die Finanzämter beider Kreise, in Zukunft mehr Auszubildende zu beschäftigen. Auch bei den Sachgebiets-Mitarbeitern und in der mittleren Führungsebene gab es in Reutlingen einige Änderungen, dagegen wurden 2014 keine neuen Projekte auf den Weg gebracht: "Wir haben uns im letzten Jahr mit Veränderungen zurückgehalten", erläuterte Sigrid Brucker-Maschke und freute sich auf weitere gute Zusammenarbeit mit den Steuerberatern ihres Amtsbezirks.

Für Dieter Möhler vom Finanzamt Tübingen ist der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft das herausragende Ereignis im abgelaufenen Jahr, aber auch mit dem Ergebnis seines Hauses zeigte er sich zufrieden: "Wir haben unsere ergeizigen Ziele erreicht, auch wenn uns Reutlingen immer mehr auf die Pelle rückt", begann er seine Rückschau mit einer Anspielung in Richtung Nachbarbezirk.

Gemeint ist der höhere Zuwachs, den Reutlingen 2014 beim Gesamt-Steueraufkommen verzeichnen konnte. Von 1,0839 Milliarden Euro haben sich 2014 die Einnahmen beim Tübinger Finanzamt auf 1,095 Milliarden Euro erhöht, wobei der stärkste Zuwachs bei der Einkommens- (+15,31 Prozent) und Lohnsteuer (+6,75 Prozent) ausgewiesen wird.

Obwohl die elektronische Übermittlung der Jahresabschlüsse im Veranlagungszeitraum für 2013 (79,48 Prozent; Reutlingen: 79,65 Prozent) zugenommen habe, "liegen wir noch immer leicht unter dem Landesdurchschnitt", relativierte der Tübinger Finanzamt-Chef die Entwicklung der Elsterquote. Zudem kündigt er die Einrichtung des neuen Pilotprojekts namens "ALLVA" an, das unter anderen mehr Bearbeitungszeit für risikobehaftete Steuererklärungen und mehr Telearbeit für Mitarbeiter vorsieht. Der Steuerberater-Vertreter Heinz Raschdorf sieht die Einführung des ELSTER-Verfahrens zwar etwas kritischer, ist aber ebenso davon überzeugt, dass die Zukunft zunehmend "papierlos und EDV-orientiert" verläuft.

Zum Abschluss wies Gastredner Guido Körner in seinem Vortrag "Veranlagung - gestern, heute und morgen" auf die Risiken hin, die das automatisierte Verfahren mit sich bringt. Heute gehe es für viele Finanzamt-Mitarbeiter darum, "nicht mehr den Steuerpflichtigen, sondern das EDV-System zu überlisten". Das liege auch daran, "dass der Gesetzgeber nicht in der Lage ist, ein einfacheres Steuergesetz durchzusetzen", richtete der Vizepräsident des Landesfinanzgerichts seine Kritik vor allem an die Adresse der Politik.

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