Im Kern treu geblieben

75 Jahre Eingemeindung, die dreifache Bevölkerungszahl, eine Vernunftehe mit vielen positiven Aspekten. Dennoch sind sich die Sondelfinger im Kern treu geblieben. Am Sonntag wurde das Jubiläum gefeiert.

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Beim Festakt zu "75 Jahre Eingemeindung Sondelfingens" (von links): Barbara Ziegler (stellvertretende Bezirksbürgermeisterin), Markus Wacker (Arbeitsgemeinschaft der Vereine), Bezirksbürgermeister Werner Schenk, OB Barbara Bosch und Eva Meinhardt-Müller (stellvertretende Bezirksbürgermeisterin). Foto: Angela Steidle

Die Predigt zum ökumenischen Gottesdienst beim Festakt "75 Jahre Eingemeindung Sondelfingen" war nach Jeremia politisch gefärbt: "Reutlingen und Sondelfingen sind einvernehmlich zusammen gegangen. Es gab gute Gründe", beschrieb Pfarrer Thomas Soffner die Entwicklung, "seit 75 Jahren teilt Sondelfingen die Schwierigkeiten und Erfolge Reutlingens. Es ist nichts mehr einfach so. Wenn es Reutlingen gut geht, geht es auch uns gut. Der Stadt Bestes ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Sie erfordert viel des Zulassens, was man selbst nicht braucht und nicht mag", so Soffner.

Wer heute durch den Bezirk gehe, so der evangelische Gemeindepfarrer, müsse schon zweimal hinschauen, wenn er das Vertraute finden wolle. Soffner: "Die Zeiten, wo jeder jeden kannte, sind längst vorbei. Sondelfingen hat inzwischen dreimal so viele Einwohner - und die Landwirtschaft ist völlig aus dem Dorf verschwunden."

"Des isch sErnale. Woischt no?" Vor der Sonderausstellung zum 75. Jahrestag der Eingemeindung nach Reutlingen blieben viele alte Sondelfinger stehen und schwelgten in Erinnerungen. Die Tafeln zeigten Vergrößerungen des Eingemeindungsvertrages, ein Gedenkblatt zur Vereinigungsfeier vom 1. April 1939 und alte Fotos von Straßenzügen und Gebäuden. Die Vereine präsentierten sich als lebendige Bürgergemeinschaft in Fotocollagen in der Aula der Sondelfinger Festhalle, wo am Sonntag die "Kronjuwel-Hochzeit" zu einer Vernunftehe gefeiert wurde, so Bezirksbürgermeister Werner Schenk: "Als Single wäre solch eine Entwicklung nicht möglich gewesen. Sondelfingen hat einen eigenen Charakter und seinen Charme erhalten. Das ist dem gemeinsamen Engagement der Bürger geschuldet. Deshalb sind wir trotzdem gute Reutlinger."

Schenk skizzierte das Zusammengehen aus Sicht des Bauerndorfes kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Die selbständige Gemeinde hatte zu dieser Zeit knapp 1900 Einwohner und grade mal drei industriell arbeitende Betriebe. Die Landwirtschaft beschäftigte rund 350 Menschen, und mehr als 500 Einwohner pendelten bereits zur Arbeit nach Reutlingen.

Mit der Eingemeindung wuchs die Stadt Reutlingen auf 45 000 Einwohner. Die Mitgift der damals wie heute zweitgrößten Bezirksgemeinde Sondelfingen waren 6,2 Quadratkilometer Fläche. Ein Bonus, den die schnell wachsende Industriestadt Reutlingen dringend brauchte.

"Wir sind zufrieden mit der Zusammenarbeit", sagte Werner Schenk mit Blick auf einen außergewöhnlichen Kalender nach einer Idee von Klaus Käser: Auf einer riesigen Baumscheibe aus dem Auchtertwald von einer Eiche, die 1850 gepflanzt und 2013 gefällt worden war, waren die markantesten Infrastrukturprojekte Sondelfingens anhand der Jahresringe dargestellt. Angefangen beim Bahnanschluss 1869. Wer genau hinschaute, entdeckte auf dem Anschnitt zwei in sich geschlungene Herzen. Wofür die Jahresringe der alten Eiche nicht mehr reichten: Die baldige Verkehrsberuhigung der Bezirksgemeinde, einen schnellen Internetzugang, bessere Busverbindungen und einen Haltestop für die Ermstalbahn. Das sind die eiligsten Herzenswünsche der Sondelfinger Bezirksgemeinde für die Zukunft.

"Die Sympathie und Wertschätzung wächst unter ungleichen Partnern", gratulierte Reutlingens Oberbürgermeisterin Barbara Bosch dem Jubilar, "der Wandel vom Dorf mit beschränkten Möglichkeiten zum integrierten Bezirk der Großstadt Reutlingen ist nicht statisch. Das Engagement in den Bezirken ist Wegbereiter der Stadt. Das tägliche Miteinander prägt den Charakter unseres Gemeinwesens. Sondelfingen kann stolz sein auf die Menschen und die Infrastruktur. Wie in einer guten Ehe begegnen wir uns mit dem Willen zum gemeinsamen Erfolg. Zu beweisen hat man sich nach 75 Jahren schon lange nichts mehr. Man kann es sich ohne einander nicht mehr vorstellen."

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