Im Hamburger Bahnhof ist Endstation

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Die drei Männer aus Reutlingen, die sich gestern vor dem Amtsgericht wegen des „Einschleusens von Ausländern“ verantworten mussten, waren weit entfernt von den „Großen“ des Geschäfts. Und doch zeigt sich an dem Fall schlaglichtartig, wie viele Zahnrädchen ineinander greifen, damit Flüchtlinge nach Deutschland oder von dort weiter in andere Länder reisen können. Die drei Arbeitskollegen – unter ihnen ein gebürtiger Eritreer – waren im Alter zwischen 43 und und 57 Jahren. Es war der 52-Jährige – zwar aus Eritrea stammend jedoch längst schon Deutscher –, der, wie er vor Gericht sagte, Anrufe aus Italien erhalten hatte, in denen um Hilfe beim Transport von Flüchtlingen durch Deutschland gebeten wurde. Er selbst wollte die Fahrt nicht übernehmen, wusste jedoch um die Geldnöte seiner beiden Arbeitskollegen. Angeklagt war eine Fahrt im Juli 2014, obwohl die Ermittlungen der Polizei (auch durch eine Telefonabhöraktion) ergeben hatten, dass ein Transporter zuvor schon vier Mal gemietet worden war. Allerdings war eine eindeutige Zuordnung unmöglich. Für den 43-Jährigen kam die mutmaßlich fünfte Fahrt im Juli ungelegen, daher sprach er seinen Arbeitskollegen darauf an. Der willigte ein, ohne zu wissen, welcher Art der Transport war, wie er aussagte. Das freilich werteten Gericht und Staatsanwaltschaft als „Schutzbehauptung“. Die Fahrt mit insgesamt 12 Eritreern, die in Stuttgart einstiegen, führte nach Hamburg zum Hauptbahnhof. Anweisungen und Kommunikation liefen per Handy über den 52-Jährigen. Der wiederum beteuerte vor Gericht, es sei ihm um Hilfe für seine Landsleute gegangen. Hinweise darauf, dass er Geld für seine Dienste bekommen hatte, fand die Polizei nicht. Der 43-Jährige wiederum gab an, mit dem Geld (150 bis 200 Euro pro Flüchtling) einen Krankenhausaufenthalt seines Schwiegervaters in Rumänien bezahlt zu haben. In Hamburg wurde die Bundespolizei auf die Gruppe aufmerksam, als der Reutlinger Fahrer Bahntickets für die Flüchtlinge nach Kopenhagen und Malmö kaufte.

Staatsanwaltschaft und das Gericht unter Vorsitz von Richterin Amrei Schmidtpott sahen die Vorwürfe als erwiesen an. Auch die „Durchschleusung“ ist strafbar. Die beiden Älteren erhielten Haftstrafen von sieben Monaten zur Bewährung, der 43-Jährige acht Monate. Zudem verhängte das Gericht gegen alle Beschuldigten Geldauflagen zwischen 2000 und 3000 Euro. Ralf Ott

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