IG Metall Reutlingen-Tübingen initiiert Diskussionsprozess zur Arbeitszeit

Mit rund 80 Betriebsräten diskutierte die IG Metall jetzt über die Herausforderungen der Zukunft an die Regelungen rund um das Thema Arbeitszeit.

|

Der Titel der Betriebsrätekonferenz „Die Zukunft der Arbeit gestalten wir!“ sei dabei als Fingerzeig für Betriebsräte und Gewerkschaften gedacht, um die Gestaltung von Arbeitszeit aufgrund der sich rasant ändernden Rahmenbedingungen im Zeitalter der Digitalisierung der Arbeitswelt nicht dem Zufall zu überlassen, heißt es in einer Mitteilung der IG Metall Reutlingen-Tübingen.

Die Flexibilisierung der Arbeitszeit wird vor allem von Seiten der Arbeitgeber forciert und bei ihren Beschäftigten eingefordert. Hier stellen sich die Betriebsräte auch Fragen, wie „Wem gehört unsere Zeit?“ „Wer bestimmt über unsere Zeit?“. Tanja Silvana Grzesch, die örtliche IG Metall-Chefin, hat die Antwort auf diese Fragen: „In Betrieben mit Betriebsräten haben diese viele Möglichkeiten der Mitbestimmung im Rahmen des Betriebsverfassungsgesetzes und auch der Tarifverträge, die zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeberverband vereinbart werden. Der Tarifvertrag beschreibt die Rahmenbedingungen, und die Betriebsräte gestalten die Arbeitszeit mit dem Arbeitgeber entsprechend der betrieblichen Anforderungen und den Interessen der Beschäftigten.“

Hier sieht die IG Metall klare und oft gegensätzliche Interessen der Unternehmen auf der einen und der Beschäftigten in den Betrieben auf der anderen Seite. „Flexibilisierung kann kein Paradies für Arbeitgeber und gleichzeitig das Hamsterrad für Arbeitnehmer bedeuten“, bringt Grzesch den bestehenden Interessengegensatz auf den Punkt.

Während Arbeitgeber die Arbeitszeit gerne ausschließlich an Auftragsvolumen, Globalisierungsbedingungen bei weltumspannender Kommunikation und der Anforderungen durch Kunden gesteuert haben wollen, sind die Beschäftigten berechtigterweise daran interessiert, dass ihre Anforderungen an die Arbeitszeitmodelle aus Familienleben, gesellschaftlicher Teilhabe und Lebensphasenunterschieden gleichberechtigt Berücksichtigung finden. Zu diesem Zweck initiiert die IG Metall den engen Dialog mit Betriebsräten, um möglichst passende Regelungen auf tariflicher und betrieblicher Ebene finden zu können. Damit muss die sich rasant verändernde Arbeitswelt und die gleichfalls verändernden Anforderungen der Arbeitnehmer unter einen Hut gebracht werden. Eine der wichtigsten Aufgaben ist hier aus Sicht der Teilnehmer an der Konferenz die Sicherstellung der Bezahlung jeglicher Arbeit sein. Smartphone, Notebook oder Tablets kennen in der Regel keine Arbeitszeitgrenzen. E-Mails werden so auch mal aus dem Urlaub beantwortet oder Termine am Frühstückstisch abgestimmt. Homeoffice wird oft als Wunsch von Beschäftigten formuliert, die ihre Arbeitszeit aus Betreuungsgründen für Kinder oder pflegebedürftige Familienmitglieder zu Hause flexibel zu gestalten. Nicht selten werden Teile dieser Arbeitszeiten nicht bezahlt aber indirekt vom Arbeitgeber als Einsatz für den Betrieb erwartet.

Sebastian Fay, IG Metall-Bezirksleitung Baden-Württemberg, betont die dadurch entstehenden Aufgaben: „Wir müssen uns einmischen, wenn es um die Gestaltung guter mobiler Arbeit geht, um mehr Freiheiten für unsere Kolleginnen und Kollegen zu ermöglichen und gleichzeitig die passenden Schutzrechte sicherstellen zu können.“

Am Nachmittag diskutierten die Teilnehmer nach einer Bestandsaufnahme der aktuellen betrieblichen Situation, an welchen Stellen eine Anpassung der bestehenden Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge unter Berücksichtigung der veränderten Rahmenbedingungen, aber auch der berechtigten Forderung nach Arbeitszeitsouveränität der Beschäftigten erfolgen muss.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Unterwegs in ein neues ÖPNV-Zeitalter

Der Gemeinderat hat gestern Abend mit großer Mehrheit den Grundsatzbeschluss für ein neues Stadtbuskonzept gefasst. Die Umsetzung soll im zweiten Halbjahr 2019 starten. weiter lesen