IG Bau fordert Meisterbrief für Fliesenleger

Immer mehr Fliesenleger, immer weniger Meister im Kreis: Seit 2004 ist die Zahl der heimischen Fliesenleger-Betriebe drastisch gestiegen.

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Gab es im Bereich der Handwerkskammer Reutlingen vor elf Jahren noch 237 Fliesenleger-Firmen, waren es im vergangenen Jahr bereits 682, ein Anstieg von 188 Prozent. Darauf weist die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) hin. Die Gewerkschaft führt das auf den Wegfall der Meisterpflicht im Fliesenleger-Handwerk vor fast zwölf Jahren zurück. Damit seien jedoch die Qualität und die Ausbildung in dem Handwerk in Gefahr.

"Auch im Kreis Reutlingen hat die Zahl der Ein-Mann-Betriebe deutlich zugenommen. Denn seit der Reform der Handwerksordnung 2004 müssen Fliesen-, Platten- und Mosaikleger nicht einmal eine Gesellenprüfung machen, um ein Gewerbe anzumelden", sagt Andreas Harnack. Für den Regionalleiter der IG BAU in Baden-Württemberg ist der Meisterbrief ein "Garant für saubere Arbeit und faire Löhne": "Im Interesse der heimischen Beschäftigten und auch der Kunden sollte die Meisterpflicht im Fliesenleger-Handwerk wieder eingeführt werden", sagt Harnack.

Laut IG BAU sind die Klagen über Handwerker-Pfusch in den letzten Jahren "immer lauter" geworden. "Wer ohne geprüften Berufsabschluss arbeitet, der beherrscht sein Handwerk oft nicht richtig. Außerdem fehlen vielen ungelernten Fliesenlegern die nötigen Kenntnisse, um einen Betrieb zu führen", erklärt Andreas Harnack.

Auch für die Berufsausbildung sei der Wegfall der Meisterpflicht ein Problem: "Nur Meisterbetriebe dürfen ausbilden. Mit ihren hohen Standards sorgen sie für gut ausgebildete Nachwuchskräfte", betont Harnack. Deshalb sei die Wiedereinführung der Meisterpflicht ein Mittel gegen den Fachkräftemangel.

Zudem könne man so gegen Scheinselbstständigkeit vorgehen: "Viele Selbstständige sind in Wirklichkeit bei Bauunternehmen beschäftigt, die ihnen nur Billiglöhne zahlen. Selbstständige Fliesenleger sind weder an den gesetzlichen noch an den Branchenmindestlohn gebunden", so Harnack. Viele Fliesenleger versuchten daher, immer schneller zu arbeiten - auf Kosten der Qualität. So entstehe eine Dumping-Konkurrenz zu den etablierten Betrieben.

"Mit der Abschaffung der Meisterpflicht für 52 Berufe wollte man die Qualität verbessern und Preise senken. Das hat aber nicht funktioniert", kritisiert Harnack.

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