Hufe federleicht im Takt

Eine Attraktion für Auge und Ohr: So präsentierten sich die „Marbach Classics“ wieder – im Haupt- und Landgestüt mit der Philharmonie unter Ola Rudner.

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Pferde- wie Musikliebhaber kommen hier auf ihre Kosten. Beide genießen Dressurnummern mit prachtvollen Pferden und hochkarätige Orchestermusik; Musikfreunde konnten in der Reithalle zum letzten Mal Ola Rudner als Chefdirigent der Württembergischen Philharmonie Reutlingen erleben. Auch die Prominenz und die Sponsoren halten den Marbach Classics die Treue.

Im Vergleich zu den Anfängen hat sich manches verändert: Das Programm wurde gestrafft und auf anspruchsvolle Nummern konzentriert (so sind beispielsweise die Pony-Kinder nicht mehr dabei). Als Fixpunkte geblieben sind der Einzug mit der Pferdekutsche und der freie Lauf der „silbernen Herde“. Deutlich verbessert zeigte sich die Tontechnik, so dass die Reithalle nun – beinahe – als rustikaler Konzertsaal mit Stallduft durchgehen kann.

Damit erhielt das Orchester mehr Raum für eigenständige Darbietungen, wobei Ola Rudner und die Seinen Klassiker mit Unterhaltungswert wählten, die Kontrast und Spannung fürs Ohr und eine veritable Tierschau der Orchestermusik boten: Johann Strauß’ Fledermaus-Ouvertüre und Nachtigallenpolka, Sätze aus den Haydn-Sinfonien mit den (später hinzugefügten) Titeln „Das Huhn“ und „Der Bär“, Rossinis Ouvertüre zu „Die diebische Elster“, Vaughan Williams Ouvertüre „The Wasps“ (Die Wespen), Leroy Andersons „Waltzing Cat“ und Resphigis „Colomba“ (die Taube).

Gekonnt moderiert hat erneut Jan Tönjes, der das Publikum auch über den Stand der Fußball-EM auf dem laufenden hielt.

Das Zusammenspiel der Musik mit Pferd und Reiter wurde weiter verfeinert. Ablauf und Werkcharakter erschienen sorgsam angepasst, und den sensiblen Pferdeohren gönnte man Musik mit flließendem Duktus und zarten Nuancen. Manche Pferde scheinen sie zu mögen – wenn sie etwa die Hufe federleicht im Takt der Musik setzen, wie in der Quadrille „Harmonie“ oder in der gerittenen Fahrschule mit dem Motto „Verbindungen“, wo je zwei Pferde hintereinander laufen, eins beritten, eins an der Leine.

Die Beziehung von Mensch und Tier kam nicht nur in den Nummern-Titeln wie „Harmonie“ oder „Freundschaft“, sondern auch in den Darbietungen selbst zum Ausdruck. Bei Elodie Jacquet vom Musée du Cheval von Chantilly (Frankreich) sah das fast wie eine Romanze aus: Wie der aus Marbach stammende „Federkiel“ in der beeindruckenden Freiheitsdressur jedem Wink folgte, ließ auf einfühlsame Arbeit schließen. Eher eine zirzensische Kuriosität: ihre Show mit dem kleinen Hund und dem Pony Bilbao, das wie ein lebendes Spielzeug tanzte – und heftig ausschlagend davonrannte. War das so geplant?

Wäre die Arena rund, könnte man die Marbach Classics auch als Zirkus der noblen Art sehen; nur der Clown fehlt. Immer wieder erfinden die Verantwortlichen neue Attraktionen: dieses Mal eine leuchtende Tragluft-Kuppel, in der Anja Beron und Vera Munderloh mit ihren spanischen Hengsten ein poetisch bewegtes Schattenspiel zu Bizets Toreador-Marsch schufen.

Was nie fehlt, ist eine Ballettnummer. Dieses Mal (als Zugabe?) ein Auszug aus „Schwanensee“ mit der Tänzerin, Schauspielerin und früheren Voltigier-Meisterin Nicole Ciroth als Balletteuse (zu Fuß) gemeinsam mit Anja Beran (zu Pferd). So schön die Idee des Pas de trois ist, so schwierig ist die Ausführung; der tiefe Sand bremst weibliche Anmut gnadenlos aus. Umso flotter die Orchesterzugabe: ein wilder Ritt, ganz ohne Pferde – abgesehen vom Rosshaar der Streicherbögen.

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