Hühnerfüße zum Frühstück

Reutlinger Wirtschafts-Gymnasiasten entdeckten im chinesischen Perlflussdelta das kulturelle und wirtschaftliche Leben des aufstrebenden Riesenreiches. Nicht nur auf den Tellern warteten Fernost-Kuriositäten.

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Die Reutlinger Wirtschafts-Gymnasiasten vor dem Gebäude der Bank von China. Foto: Privat

Eine abenteuerliche Studienfahrt unternahmen jüngst zehn Schülerinnen und Schüler des Wirtschaftsgymnasiums der Theodor-Heuss-Schule Reutlingen mit Schülergruppen aus Tübingen und Wangen in einer Schulkooperation. China war das Ziel der Reise, genauer gesagt die Zwölf-Millionen-Metropole Guangzhou (Kanton) im tropischen Süden des Landes, einer Region, die in den letzten zwei Jahrzehnten zur "Werkbank der Welt" aufgestiegen ist.

Auf die Beine gestellt wurde die Reise im Organisationsteam von Lehrern der drei Schulen unter der fachmännischen Anleitung zweier wahrer China-Experten. Das Unternehmerehepaar Berres aus dem badischen Offenburg, das lange Jahre Betriebe in der Region führte, verfügt nicht nur über vorzügliche lokale Kenntnis, sondern auch über ein Netzwerk persönlicher Kontakte in Guangzhou. Dies ermöglichte der wissbegierigen Reisegruppe unverfälschte Einblicke in das Leben und Arbeiten der Menschen vor Ort und die unkomplizierte Aufnahme eigener persönlicher Kontakte in Form einer Schülerbegegnung.

Der kulturelle und persönliche Austausch mit Deutschstudenten der Kantoner Fremdsprachenuniversität stand im Mittelpunkt der Reise. Bereits beim ersten Zusammentreffen auf dem Uni-Campus übten sich chinesische und deutsche Schüler fleißig in interkultureller Kommunikation und freundeten sich rasch an. Sprachliche Barrieren gab es dabei kaum, schließlich lernen die chinesischen Studenten bereits seit zwei Jahren Deutsch und beherrschen die Sprache, ganz chinesisch eben, nahezu perfekt. Während des gesamten Aufenthaltes pflegten beide Gruppen regen Kontakt. So stand ein gemeinsamer Wanderausflug auf dem Programm, gefolgt von einem Mittagessen, das durch eine Spende des WG-Partnerbetriebes, der Kreissparkasse Reutlingen, einer der Sponsoren der Studienreise, ermöglicht wurde.

Um der wirtschaftlichen Ausrichtung der drei Schulen Rechnung zu tragen, wurde auch ökonomischen Aspekten der Region nachgespürt. Besichtigungen eines chinesischen mittelständischen Maschinenbauunternehmens in Guangzhou sowie eine Werksführung bei der Firma Herrenknecht, dem weltgrößten Hersteller von Tunnelbohrmaschinen, standen auf dem Programm.

Eine Präsentation der deutschen Außenhandelskammer verschaffte den Schülern einen guten Überblick über das Engagement deutscher Unternehmen im Perlflussdelta. Die wirtschaftliche Dynamik der Region konnten Schüler und Lehrer nicht zuletzt beim Tagesausflug ins nahe gelegene hektische Handels- und Finanzzentrum Hongkong hautnah erleben. Hier erklomm die Reisegruppe den Victorias Peak, bewunderte architektonische Highlights des Bankenviertels und hatte Mühe, in den geschäftigen Straßen inmitten wuselnder Massen zusammenzubleiben.

Das vielfältige, bei tropischen Temperaturen und Luftfeuchtigkeit bisweilen auch anstrengende Programm schloss eine abendliche Bootsfahrt auf dem Perlfluss durch die hell erleuchtete Skyline Guangzhous, einen Wanderausflug in den südchinesischen Regenwald und einige kulturelle Highlights der Region mit ein. Hierzu gehörten ein Aufenthalt im berühmten Tintengarten, die Besichtigung des Grabes des Nanyue-Königs sowie der Besuch verschiedener Märkte, auf denen sich die Wgler fleißig im Feilschen üben konnten.

In Erinnerung bleibt den Schülern nicht nur die Vielzahl der äußeren Impressionen. Tagtäglich nahmen sie die chinesische Kultur auch in Form aller erdenklicher kulinarischer Köstlichkeiten sprichwörtlich in sich auf. Neben bekannten Leckereien gab es allerhand Neues zu entdecken. Ob Hühnerfüße zum Frühstück, Seetang-Suppe zum Mittagessen oder Frösche als Betthupferl - in Kanton isst man alles, was gegessen werden kann. Dieser Eindruck wird sicher jedem Teilnehmer dauerhaft erhalten bleiben.

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