Hoher Ertrag, leichte Ernte

Die Apfelsorten Rawena, Topaz, Hilde und Delia sind ab sofort auf der Gemeindeobstwiese im Kühteich heimisch. Mitglieder des Gemeinderats, des OGV sowie Bürger haben bei der Einpflanzung geholfen.

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"Ideales Pflanzwetter" bescheinigte Ulrich Schroefel, Fachberater für Obst- und Gartenbau beim Landratsamt, angesichts des strömenden Regens um neun Uhr im Gewann Kühteich. So wurden die 89 neu eingesetzten Bäumchen - übrigens die bisher größte Pflanzaktion des Obst- und Gartenbauvereins - direkt auch von oben mitgegossen. Dennoch drängte er auf ein rasches Vorgehen, damit die Pflanzen schnell versorgt würden. Angesichts der großen Anzahl der erschienenen Helfer ging die Arbeit dann auch flott von der Hand. Dass Mitarbeiter des Bauhofs die Löcher bereits im Voraus ausgehoben und die Pfähle hineingerammt hatten, tat sein übriges dazu.

"Wenn wir jetzt nicht neu pflanzen, haben wir in zehn Jahren hier keine großen Bäume mehr", erklärte Rolf Schäfer, Vorsitzender des Eninger Obst- und Gartenbauvereins, das Vorgehen. Aber wenn schon ein Pflanzung, dann schwebten der Gemeinde und dem Obst- und Gartenbauverein direkt ein besonderer Obstanbau vor. "Man muss überlegen, wie man die Streuobstwiese zukunftsfähig machen und damit erhalten kann", fand Bürgermeister Alexander Schweizer. Die traditionelle Art sei zu pflegeintensiv, fügte er hinzu. Eine Lösung dafür hatte Christian Knecht, Praktikant bei der Grünflächenberatung des Landratsamtes.

Ein absolutes Novum sei dies, versicherte Schroefel. Eningens Gemeindewiese dient nun als Modellversuch, andere Kommunen könnten bei einem Erfolg nachziehen.

In seinem Konzept hat Knecht sich für die Apfelbaumsorten Rewena, Topaz, Hilde und Delia entschieden, die jeweils sortenrein in einer Reihe angeordnet werden. Allesamt sind diese sehr robust, innerhalb kurzer Zeit ertragreich und sowohl für die Sofortverarbeitung als auch den Mostanbau geeignet. Der Wurzelunterbau M 25 garantiert zudem die nötige Stabilität, ermöglicht aber dennoch auch mechanisches Schütteln. Zukunftsfähig, so Schroefel, bedeute pflegeleicht. Die Exemplare sollen ohne Pflanzenschutzmittel auskommen. Zwischen den Reihen wurde mit 14 Metern so viel Platz gelassen, dass eine maschinelle Ernte oder Mähung möglich ist. Innerhalb der Reihen stehen die Bäume dagegen mit vier Meter Abstand dicht an dicht. Der Sinn dieser Bleiber-Weichepflanzung besteht darin, nach ein paar Jahren ungefähr jeden zweiten Baum wieder herauszunehmen, so dass nur die vitalsten Exemplare übrig bleiben. Das garantiert bis zur vollen Ertragsreife eine hohe Ernte und geringen Ausfall.

Neben den Apfelbäumen wurden am Samstag in Waldrandnähe zudem Elsbeere, die einen hervorragenden Obstbrand hervorbringen soll, Felsenbirne zur Marmeladenproduktion und der allseits beliebte Holunder eingesetzt. So entsteht ein sanfter Übergang zwischen Wald und Obstwiese, der auch Platz zur Vogelbrut bietet.

Den Ernteertrag, so ist es vorgesehen, können Privatleute oder Firmen pachten. Für Familien ist etwa eine Querschnitt durch die Reihen und damit durch die verschiedenen Sorten denkbar. "Das ergibt einen tollen Saft", weiß Schroefel. Besteht bei Privatleuten kein Interesse, kann an eine Mosterei vermietet werden, wurde doch auch an die maschinelle Nutzung gedacht. Die Pflege hat der Obst-und Gartenbauverein für die nächsten zehn Jahre übernommen. Wie die Bäume richtig eingesetzt werden, erklärte Schroefel dem Publikum ausführlich. "Nicht beerdigen", sondern flach pflanzen, riet er. Die Veredlungsstelle müsse noch zu sehen sein. Zudem empfahl er den Anschnitt der Wurzeln, bis gesunde Stellen sichtbar werden. Beim eigentlichen Einsetzten sei darauf zu achten, dass die Pfähle zur Windseite hin ausgerichtet seien. Eine Mischung aus Kompost und Pflanzerde mit Steinen gemischt garantieren einen guten Start. Noch ein bisschen mit der Ferse antreten, dabei das Pflanzloch frei lassen, so das ein Gießrand besteht und dann kann der Baum bewässert werden.

Zum Schluss verpasste Schroefel den Bäumen dann noch einen Schnitt, der ihnen zum schmalen in die Höhe wachsen verhilft, während die Helfer zu dritt oder zu viert einsetzten. Beim Wildobst erübrigte sich übrigens das Wurzelanschneiden durch die Ballen, bei denen lediglich das Pflanztuch aufgeschnitten werden musste.

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