Höllenspuk mit Sirtaki

Jubel für ein gelungenes Großprojekt: In der Stadthalle Reutlingen ging die Ballettsuite "Alexis Zorbas" von Mikis Theodorakis vorwiegend konzertant über die Bühne. Die Leitung hatte Martin Künstner.

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Martin Künstner dirigiert Mikis Theodorakis mit der Philharmonie und dem Philharmonia Chor. Foto: Marinko Belanov

Es sieht ganz nach einer Theodorakis-Reihe aus. In den Klassik-Open-Airs brachte Martin Künstner schon diverse Werk-Auszüge zu Gehör, im November führte er das Oratorium "Axion Esti" komplett auf. Und nun brachte er mit seinem Philharmonia Chor und zahlreichen Kooperationspartnern, Laien und Profis, im großen Saal der Stadthalle - endlich in guter Akustik! - die Suite "Alexis Zorbas" in Gänze zur Aufführung.

Mit von der Partie war erneut der Bouzouki-Solist Nikos Hatziliadis, ihm zur Seite Dimitrios Georgalidis. Den vokalen Solopart übernahm die junge Altistin Mirjam Künstner, und die stilechten Tänze steuerte der griechische Tanzverein Rea aus Tübingen bei.

Bis zu den Tänzen am Schluss war die Aufführung rein konzertant, auch wenn Theodorakis seine Suite 1987 nach dem berühmten Film, zu dem er die Filmmusik beitrug, für die Arena von Verona eigentlich als Ballettmusik komponiert hat, angereichert mit eigenen Liedmelodien, in griechischem, kretischem und europäischem Stil, das Ganze sinfonisch breit gefasst.

Offen gesagt: Im ersten Teil passierte nicht viel, man lauschte Theodorakis erdhaften, weit schwingenden Melodien, die mit den lyrischen Originaltexten von Chor und Orchester engagiert und farbig ausgesungen wurden - das Textheft mit den zwar abgedruckten, aber nicht realisierten Tanz-Episoden ("Tanz der Männer", "Auftritt Johns" und mehr) legte man besser beiseite.

"Ist jetzt Pause?" hörte man immer wieder ein Kind fragen. Die Orientierung im ersten Teil fiel schwer, die lange Reihung melancholischer Stimmungsbilder mit ausdrucksvollen Instrumental-Soli und starken Tanzrhythmen bot reichlich Wohlklang und kultivierte Intensität, doch wenig Struktur.

Erst im zweiten Teil wurden die Erwartungen des Publikums wirklich erfüllt. Hier trat die 20-jährige Mirjam Künstner solistisch aufs Podium, Tochter des Dirigenten, Musik- und Gesangsstudentin in München. Ihre natürliche, dunkle Altstimme entsprach ganz dem Theodorakis-Ideal. Sie verkörperte souverän, schlicht und anrührend die Trauer der Marina (die im Ballett zur weiblichen Hauptfigur aufrückt). Danach ging es auch musikalisch mächtig zur Sache, als sich Chor und Orchester mit reichlich Schlagwerk zu bacchantischer Ausschweifung vereinten, um danach Theodorakis Lied "Ein Bett für zwei" anzustimmen.

Den Höhepunkt bildete das Sirtaki-Finale mit der griechischen Tanzgruppe: Von links und rechts kamen gemessenen Schrittes die Tänzerinnen und Tänzer, symbolträchtig mit Kerzen, dazu je zwei junge Leute in Tracht und blau-weißem Gewand.

Im Wechsel mit Theodorakis sinfonischem Höllenspuk zelebrierten sie konzentriert und anmutig, begleitet von Bouzouki und Orchester, den Sirtaki aus der weltberühmten Schluss-Szene des Films "Alexis Zorbas", der durch die mediale Vermittlung für viele zum Inbegriff griechischer Kultur (Stichwort "Zorbaisierung") wurde.

Die Zuschauer zeigten sich hell begeistert, besonders als zur zweiten Zugabe ein griechischer Solo-Tänzer Mirjam Künstner an der Hand nahm und mit ihr Zorbas Tanz wiederholte - eine hübsche Idee, statt der zwei Männer im Film nun Mann und Frau miteinander tanzen zu lassen. Dritte Zugabe: "Ein Bett für zwei" zum Mitsingen. Anhaltender Jubel, teils stehend, belohnte die Aufführung.

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