Hochpräzise in Technik und Metrum

Beachtlicher Abschluss der Orgelsommer-Reihe: Der französiche Organist François Ménissier bot ein Programm aus Barock und Moderne.

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Beim letzten Orgelsommer-Abend in St. Peter und Paul sind die Reihen meist nur spärlich besetzt. Dabei eignet sich diese Kirche gut für Konzerte, sie verfügt über eine ausgezeichnete Orgel und eine Akustik, die die Musik nicht verschleiert, sondern offenlegt. Liegts am modernen Kirchenraum oder an den unbequemen Bänken?

Den Organisten kommen Instrument und Raumklang eher entgegen. Gerade François Ménissier, der schon vor Jahren in Reutlingen aufgetreten ist und jetzt als Professor für Orgel in Rouen unterrichtet, nutzte beides, um die Werke prägnant, ja analytisch nachzuzeichnen. Auch er hatte sein Programm symmetrisch angelegt: Bach als Rahmen um Moderne und Frühbarock, wobei er in Johann Sebastian Bachs Standard-Kombination aus Präludium (beziehungsweise Toccata) und Fuge einen Zwischensatz einschob - ein Verfahren, mit dem Bach experimentiert hatte, es aber dann verwarf, wie Eberhard Becker in seiner Einführung erläuterte.

Mit sicherer Hand und außergewöhnlicher Präzision in Technik und Metrum errichtete Ménissier den soliden Prachtbau von Bachs Präludium und Fuge BWV 545b. Das eingefügte Trio aus einer Gambensonate versah er durch zweimanualiges Spiel und Kontrast-Registrierung mit hoher Trennschärfe, so dass die Einzelstimmen deutlich hervortraten. Trotz hoher Verdichtung blieben Verläufe und Strukturen stets transparent nachvollziehbar.

Ebenso klar und direkt interpretierte er auch fünf der Préludes sowie später das "Madrigal VII" von Jean-Pierre Leguay, einem namhaften, bei Messiaen ausgebildeten französischen Orgelkomponisten. Dessen kompromissloser Klangsprache verlieh er eine markante Stimme, die atonalen Strukturen und Dissonanzen wurden mit "exotischen" Registrierungen in verstörender Schärfe zum Sprechen, jedes Prélude in seiner Individualität - quäkend, knurrend und glitzernd - radikal und glasklar auf den Punkt gebracht, die extreme Expressivität des "Madrigal VII" in Klänge wie aus den Fernen des Alls gekleidet.

Geradezu seelenverwandt avanciert erschienen dazwischen die frühbarocken Stücke von John Bull: Fantasia cromatica, Kanon, ein "In Nomine", eine Weihnachtslied-Bearbeitung und fünf Salve-Regina-Versetten. Auch hier nutzte der Organist prägnante Registrierungen, um die ungewöhnlichen Strukturen, das Subjektiv-Experimentelle an "Dr." John Bulls Klangsprache hervorzuheben - charakteristische Musik in einprägsamer Darstellung, plastisch und farbig ausgeführt, stets hochpräzis in Technik und Metrum. Der Kanon ist spielerisch-spannende Kopf-Musik, das "In Nomine" klingt wie Computer-Musik der Spätrenaissance, nur das Weihnachtslied und das Salve Regina kommen eher traditionell in ruhiger Bewegung und mit reicher Auszierung daher.

Zurück zum Gewohnten ging es am Ende des Konzerts. Bachs prächtige Toccata und Fuge F-Dur BWV 540 gehört zu den Orgelsommer-Hits, auch nach vielmaligem Hören begegnet man ihr gerne wieder. Hier rückte Ménissier ein wenig vom analytischen Anspruch ab und ließ mit unbeschwerter Spielfreude die Zügel schießen, gerade in der Toccata mit ihrem festlichen Tanz- und Ohrwurm-Charakter, um mit der eingeschobenen Choralbearbeitung (von Johann Ludwig Krebs?) Innigkeit und Harmonie zu verströmen und dem Ganzen mit der Bachschen Fuge einen krönenden Abschluss in Glanz und göttlicher Größe zu geben.

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