Historisches Gebäude in neuem Gewand

Ein historisches Gebäude erscheint nun in neuem Gewand. Und am Sonntag, 15. März, wird die Mußmehlstraße 6 feierlich eröffnet. Der Scheune des Betzinger Trippelhauses steht die Sanierung noch bevor.

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Am Sonntag ab 14.30 Uhr kann die Mußmehlstraße 6 besichtigt werden.  Foto: 

Durch die Sanierung seit Januar 2013 ist das einstige Doppelhaus wieder zu einem einzigen, zusammenhängenden Gebäude geworden - weil die Aufteilung im Innern aufgehoben wurde. Geschehen ist das, um nach den Worten von Architekt Andreas Hartmaier eine sinnvolle Nutzung zu ermöglichen. Denn: Das Vorhaben, praktikable Büroräume in der Mußmehlstraße 6 einrichten zu können, wäre in den kleinen Zimmern des Bestands nicht möglich gewesen. "Sämtliche Sanierungsarbeiten wurden eng mit dem Landesdenkmalamt Tübingen und Dr. Günter Kolb abgestimmt", betont Hartmaier. So wurde natürlich der historische Trippel - ein für Betzingen typischer Treppenaufgang außerhalb des Gebäudes hin zu den beiden Eingangstüren - erhalten. Die Zwischenwand hinter den Türen ist allerdings entfernt worden und somit für die künftigen Mieter, einen Steuerberater sowie eine Rechtsanwältin, die problemlose Nutzung aller Räume auf einer Ebene ermöglicht.

Viel von dem ehemaligen Gebälk aus dem Jahr 1727 ist im zweiten Obergeschoss noch zu sehen, auch jene Löcher in den Balken, die eindeutig beweisen: Dies war Flößerholz. "Dabei handelte es sich um Tannen, die aus dem Schwarzwald kamen", erläutert der Architekt. In der Reutlinger Gegend habe es zu dieser Zeit lediglich Eichen gegeben, die aber - wenig nachhaltig - schon abgeholzt waren.

Erhalten bleiben in dem weiteren Betzinger Schmuckstück zahlreiche Details wie etwa der Abtritt mit einer Original-Holztür und dahinterliegendem Loch-Sitzbrett - all das wird auch künftig noch zu bewundern sein. Ebenso wie Steinböden, die bei den Sanierungsarbeiten ab Anfang 2013 zum Teil mit neuen Platten ergänzt wurden. Auch im Stall - der künftig als Archiv für den "Förderverein Ortskern Betzingen" fungiert - bleiben die Tröge erhalten. Apropos Förderverein: Der war ja der Initiator der Sanierung und hatte nach den Worten von Vorstandsmitglied Hagen Kluck das Haus mitsamt der Scheune (die noch zu sanieren ist) für 25 000 Euro von der Stadt gekauft. Wie bei der benachbarten Zehntscheuer hatte sich der Verein auch in dieses Projekt erneut durch vielfältige Eigenarbeiten eingebracht - und auch durch eine enorme Verschuldung (siehe Kasten).

Das ursprüngliche Gebäude aus dem Jahr 1727 wurde im Übrigen 1802 nach Osten hin erweitert, die jetzige Aufteilung in ein Doppelhaus, die laut Hartmaier für die damalige Zeit ziemlich ungewöhnlich war, entstand um 1870 herum. Der letzte, heute noch sichtbare Umbau erfolgte 1910. "Aus dieser Zeit stammt auch der Ladenausbau im Erdgeschoss", so der Architekt. "Als Kinder sagten wir immer, wir gehen zu Digels Els Lädle", erinnert sich Architektenkollege Jochen Schmid. Schlecksach gab es da, "Himbeer-Bonbonle", ergänzt Martin Rupp, der die Tätigkeiten der ehrenamtlichen Helfer koordinierte - ebenso wie bei der Zehntscheuer.

Rund 20 Jahre lang stand das Gebäude leer, nachdem eine türkische Familie und die Betzinger SPD dort zwischenzeitlich eine Bleibe gefunden hatte. Am Sonntag, 15. März, sind die Türen in der Mußmehlstraße 6 ab 14.30 Uhr für die Öffentlichkeit zur Besichtigung geöffnet.

Kosten der Sanierung der Mußmehlstraße 6

Um die Sanierung des Gebäudes zu finanzieren, hat sich der "Förderverein Ortskern Betzingen" enorm verschuldet: Bei Gesamtkosten von rund 1,3 Millionen Euro kamen zwar knapp eine halbe Million aus dem Sanierungsprogramm von Land (etwa 300 000 Euro) und Stadt (rund 200 000). 120 000 Euro wurden von der Denkmalpflege übernommen und 80 000 von der Stiftung Denkmalschutz Baden-Württemberg. "An Eigenleistungen haben wir etwa 50 000 Euro eingebracht", so Hagen Kluck. "Das waren etwas mehr als 2000 Arbeitsstunden", ergänzt Martin Rupp als Koordinator dieser Eigenarbeiten. Die Restsumme in Höhe von mehr als einer halben Million Euro finanziert der Förderverein über Kredite. Die künftigen Mieteinnahmen sollen für die Tilgung sorgen.

NOL

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