HINTERGRUND · SOZIALGESETZBUCH II: Wer stockt hier auf was auf?

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Die unterschiedliche Definition von Begriffen im Bereich der Arbeitsagenturen und Jobcenter sorgt gelegentlich für Verwirrung. "Hartz-IV-Bezieher" beispielsweise ist ein Terminus, der in der amtlichen Sprache nicht auftaucht. "Personen in Bedarfsgemeinschaften" heißt es hier korrekt über die Kunden der Jobcenter, die Leistungen aus dem Sozialgesetzbuch II (SGB II) beziehen.

Gänzlich widersprüchlich wird es bei dem Begriff "Aufstocker", der in der Behörde komplett anders definiert wird als in der Allgemeinheit. In der öffentlichen Diskusion hat sich für erwerbstätige Bezieher von Arbeitslosengeld II nach dem SGB II die Bezeichnung "Aufstocker", teilweise auch "Ergänzer" durchgesetzt.

Dabei werden Aufstocker häufig gleichgesetzt mit Vollzeitbeschäftigten, deren Lohn nicht ausreicht, um auf dem soziokulturellen Existenzminimum zu leben. Das legt die Bezeichnung "Aufstocker" auch nahe, da üblicherweise etwas Größeres - das Einkommen aus Erwerbstätigkeit - durch etwas Kleineres - Arbeitslosengeld II - "aufgestockt" wird.

Das ist aber nur eine mögliche Variante, erläutert Reutlingens Arbeitsagentur-Leiter Ulrich Häfele. In der Mehrzahl der Fälle wird eher das Arbeitslosengeld II (groß) durch Erwerbseinkommen (klein) ergänzt und der Leistungsanspruch verringert.

Die Bundesagentur für Arbeit spricht deshalb neutral von "erwerbstätigen Leistungsbeziehern in der Grundsicherung für Arbeitssuchende" beziehungsweise kürzer von "erwerbstätigen Arbeitslosengeld-II-Beziehern".

Aufstocker im amtlichen Sinn sind hingegen diejenigen Personen, die neben Arbeitslosengeld I von der Arbeitsagentur auch Leistungen aus dem SGB II beziehen. Es handelt sich dabei um Personen, deren Arbeitslosengeld nicht ausreicht, um den Bedarf der Bedarfsgemeinschaft zu decken. Neben Arbeitslosengeld I erhalten diese Personen dann auch Arbeitslosengeld II, das ALG I wird also um die entsprechenden SGB-II-Leistungen "aufgestockt".

Die Statistik weist für diese beiden Gruppen von Leistungsbeziehern regionale Besonderheiten auf. Bei den Aufstockern (ALG I plus samt SGB II), liegt das Jobcenter Reutlingen um 0,5 Punkte über dem Landesschnitt von 1,6 Prozent aller Leistungsberechtigten.

Bei den Erwerbstätigen, die zusätzlich ALG II beziehen, weist hingegen das Jobcenter Tübingen mit 32,9 Prozent den landesweit höchsten Wert auf. Das ist, so Häfele, typisch für eine Akademikerstadt, wo es viele Möglichkeiten gibt, sich auf Honorarbasis ein wenig nebenher zu verdienen.

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