Himmlische Bodyguards

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Schutzengel waren im 19. Jahrhundert ein beliebtes Motiv des bürgerlichen Wandschmucks: Das Heimatmuseum widmet den geflügelten Seelenbegleitern ab Sonntag mit „Beschützer und Begleiter – Schutzengel-Bilder aus 200 Jahren“ erstmals eine eigene Ausstellung.

Lange Zeit wurden sie als Kitsch belächelt, doch seit einigen Jahren erleben Schutzengel-Darstellungen eine wahre Renaissance. Sie entfalten nicht nur in Märchen eine ganz besondere Wirkung, sondern geistern auch zunehmend durch Werbung und Medien, tummeln sich in den Regalen der Buchhändler und machen selbst vor Fernsehserien nicht halt. Seit dem 9. Jahrhundert ist die christliche Verehrung eines persönlichen Schutzengels nachweisbar, in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erteilte Papst Clemens X. den Schutzengeln sogar den offiziellen Segen. Die Vorstellung von einem himmlischen Schutzengel, der Menschen beschützt, warnt und ihnen beisteht, kommt in verschiedenen Stellen der Bibel vor und auch in Judentum und Islam ist der geflügelte Helfer kein Unbekannter.

Während bereits im späten Mittelalter Schutzengel zum beliebten Bildgut wurden, entstand Mitte des 19. Jahrhunderts „ein regelrechter Engelkult“, da die Bilder durch eine spezielle Farbdrucktechnik in Massenproduktion gingen und dadurch für Viele erschwinglich wurden: „Großformatige Öldruckbilder waren zwischen 1870 und 1920 preiswert und populär“, erläutert Dr. Martina Schröder, die stellvertretende Museumsleiterin und Kuratorin der Ausstellung, „sie hingen als Wandschmuck in zahlreichen Haushalten und Wohnstuben“. Abgebildet sind darauf häufig Kinder, die von einer Gefahr bedroht werden während sie nichtsahnend mit Blumenpflücken oder Spielen beschäftigt sind. Aber auch Postkartenserien oder Andachts- und Fleißbildchen wurden Ende des 19. Jahrhunderts zu Verkaufsschlagern.

Die Ausstellung zeigt insgesamt rund 300 Exponate, darunter Wandbilder, Andachtsbildchen, Postkarten, Ofenrohrbilder, Bücher, Auszüge aus der Zeitschrift „Der Schutzengel“, Denksprüche, sogenannte Himmels-, Paten- und Taufbriefe sowie Glückwunschkarten mit Schutzengel-Motiven, Postkarten und Gedenkbilder an die Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg und sonstige Gegenstände. Fast alle Objekte stammen aus der Privatsammlung Balon aus Böblingen. Ergänzend dazu zeigt das Heimatmuseum weitere Engeldarstellungen aus der eigenen Sammlung, darunter eine Schmuckschachtel aus dem Jahr 1905 und ein Bild, das den vergoldeten Engel auf der Marienkirche als Wächterfigur zeigt.

Auch der Engel als Retter vor sündhaftem Verhalten war ein beliebtes Motiv des Schutzengelbildes. Die Verführung durch weltliche oder leibliche Genüsse ist ein weiterer Darstellungsbereich. Oder aber der Engel warnt Kinder vor dem unerlaubten Griff in die Obstschale. Der Schutzengel sollte eben nicht nur den Wunsch von Eltern und Kind nach Schutz und Sicherheit stillen, sondern auch als „Seelenlehrer“ über das Wohlverhalten der Kinder „wachen“. Jürgen Spieß

Goldene Locken, ein weißes Kleid und Flügel - zur Zeit dreht sich im Heimatmuseum alles um Schutzengel. Alle Kinder von 5 bis 7 Jahren sind eingeladen, beim Spiel- und Spaßnachmittag am Samstag, 3. Dezember, von 15 bis 16.30 Uhr mit Museumspädagogin Elly Marstaller einen märchenhaften Engel-Nachmittag zu erleben. Gemeinsam werden Märchen gelesen, viele Engelsfiguren im Museum angeschaut und ein eigener Schutzengel aus Salzteig erschaffen. Eine Anmeldung ist bis Freitag, 2. Dezember, 12 Uhr, erforderlich unter 07121/303 2050 oder per E-Mail: pforte.heimatmuseum@reutlingen.de.

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