Hier wird jeder zum Gast Vesperkirche endet mit feierlichem Gottesdienst

Es ist geschafft: Ein kleines bisschen erleichtert , weil vier Wochen doch auch anstrengend sind, aber auch mit Wehmut endete für über 260 Ehrenamtliche gestern die Reutlinger Vesperkirche.

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  • Der Reutlinger Gospelchor gestaltete den Abschlussgottesdienst der Vesperkirche musikalisch. Fotos: Norbert Leister 1/2
    Der Reutlinger Gospelchor gestaltete den Abschlussgottesdienst der Vesperkirche musikalisch. Fotos: Norbert Leister
  • Prof. Hermann Lichtenberger bei seiner Predigt. 2/2
    Prof. Hermann Lichtenberger bei seiner Predigt.
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"Vier Wochen lang haben wir hier starke Begegnungen erlebt, manchmal aber auch am Rande der Erschöpfung", betonte Jörg Mutschler am gestrigen Sonntagnachmittag in der Reutlinger Vesperkirche. Nach 29 Tagen ist sie zu Ende gegangen, viele Menschen werden sie in den kommenden Wochen vermissen, viele sich schon auf das nächste Jahr freuen, wenn die Nikolaikirche an der Unteren Wilhelmstraße vom 17. Januar bis zum 14. Februar erneut ihre Pforten öffnen wird.

Bis dahin ist noch weit hin, zunächst blickten die "Macher" gestern erst einmal auf das diesjährige ökumenische Ereignis zurück, das nicht nur die rund 240 Helferinnen und Helfer zusammen mit den 25 Personen aus dem Leitungskreis erneut vor große Aufgaben gestellt hat. Denn: Durchschnittlich 330 Essen pro Tag wurden in einem Raum verteilt, der nicht viel mehr als 80 Plätze aufweist. "Insgesamt waren es 9340 Mahlzeiten", eine unglaubliche Menge, wie Ursula Göggelmann verkündete. Dazu kamen jede Menge Vesperpakete, insgesamt etwa 7600, die mit 160 Kilogramm Butter sowie fast 450 Kilogramm Wurst und Käse belegt waren. Obendrein wurden 200 Liter Milch ausgeschenkt, die zum größten Teil in die unzähligen Tassen aus 60 Kilogramm Kaffee geleert wurden.

Große Zahlen - wichtiger noch als die Funktion der Vesperkirche als Restaurant sei laut Prof. Hermann Lichtenberger von der Universität Tübingen: "Hier wird jeder zum Gast in einem festlichen Rahmen." Für vier Wochen verwandle sich die Nikolaikirche jedes Jahr wieder in eine Utopie - "dabei bleibt die Hoffnung, dass es eine Zeit ohne Hunger geben könnte", so der evangelisch-methodistische Theologe. Lob und Dank richtete Lichtenberger an die zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Reutlinger Vesperkirche, "die sich in den Dienst der Nächsten stellten".

Gesunken ist aber in diesem Jahr die Zahl der Solidaresser, wie Siegfried Wienerroither kurz vor Beginn des Abschlussgottesdienstes erläuterte: Waren es im vergangenen Jahr noch 16 Prozent der Besucher der Vesperkirche, die nicht mit dem ganz kleinen Geldbeutel gekommen waren, so sank die Zahl der etwas Betuchteren diesmal auf rund 13 Prozent.

Allerdings fanden sich laut Wienerroither in diesem Jahr 45 "Neue" unter den freiwilligen Helfern, also einige, die zum ersten Mal dabei waren.

Mehr als 1100 Spender sorgten erneut für eine Summe von annähernd 90 000 Euro - die aber im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent zurückgegangen ist. "Es hat aber gereicht", gab Siegfried Wienerroither Entwarnung. Die höchste Spende kam von privater Seite mit 4000 Euro, die kleinste lag bei drei Euro. "Wir sind froh über jede einzelne Spende", betonte der Vesperkirchen-"Finanzminister".

Fast 1000 Euro wurden allein bei dem Auftritt von "Tante Frieda" in der Nikolaikirche gesammelt, die anderen Kulturveranstaltungen waren nicht ganz so gut besucht Als großen Erfolg bezeichnete Günter Klinger als Geschäftsführer des Reutlinger Diakonieverbands den Abend, der von Flüchtlingen musikalisch gestaltet wurde: "Das war der Bringer, das machen wir kommendes Jahr auf jeden Fall wieder - sofern sich Flüchtlinge finden, die dort musizieren möchten."

Auch Ursula Göggelmann (im Team mit Jörg Mutschler) bedankte sich als theologische Leiterin bei den "wunderbaren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die vier Wochen Vesperkirche".

Dank sagte sie ebenfalls an den Reutlinger Gospelchor, der den Abschlussgottesdienst begleitete. Und natürlich auch das gemeinsam gesungene Lied zur Vesperkirche schlechthin unterstützte: "Brich mit den Hungrigen dein Brot."

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