Hier meckern nur die Vierbeiner

Gemeckert wurde nur von den munteren Vierbeinern, die mit ihren Züchtern teils weite Reisen zum Pfullinger Bockmarkt des Landes-Ziegenzuchtverbands mit Prämierung, Körung und Auktion in Kauf nahmen.

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Die Experten begutachteten die Tiere auch im Ring. Tagessieger "Royal" mit Züchter Josef Baumann aus Ellwangen (hinten in der Mitte) überzeugte die mehrköpfige Körkommission.  Foto: 

Der Bockmarkt hat mit der Landesziegenweide im Echaztal in Pfullingen Tradition, wie der Zuchtleiter für Schafe und Ziegen aus Stuttgart, Dr. Hans-Jörg Wenzler, erklärt. Er ist ein Mitglied der mehrköpfigen Körkommission, die von Großerlach bis Lenningen anreiste, um die oft noch jungen Böcke der Rasse "Bunte Deutsche Edelziege" in den Wertklassen eins bis drei genauer zu begutachten.

"Unsere Altersstruktur ist nicht ganz so günstig", gibt Wenzler mit Blick in Richtung Kommission zu. Doch obschon das Produkt rund um die Ziege voll im Trend liege, werden es nicht gerade mehr Züchter und Selbstvermarkter in Baden-Württemberg. "Es gibt zwischenzeitlich leider viele Auflagen, wie beispielsweise die, die Ziege jeden Tag zu melken, wenn man einen Betrieb führt und Produkte vermarktet. Das schreckt mancherorts schon ab."

Am Rande des Sichtungs-Rings erlebte man immer wieder kleine Machtkämpfe und Rangeleien der vierbeinigen Kontrahenten, während andere sich ihrem Beschicker schon mal recht bockig entgegenstellten.

Vielversprechende Böcke mit ebenso starken Namen wie Tarzan, Ronaldo, Tornado oder Torpedo stiegen mit Horn und ohne in den Ring. Bewertet wurden unter anderem der Rahmen, die Form, das Euter und der Milchwert.

"Der Milchwert ist ein relativ neues Kriterium, das seit zwei Jahren bei der Körung eine gewichtige Rolle spielt. Man nimmt dabei statistisch auf, welcher Anteil der Milchleistung tatsächlich genetisch bedingt ist und damit zu Teilen über den Bock weitervererbt werden kann", erklärt Wenzler. "Eine ganz komplizierte Rechnung ist das."

Beachtet werden musste von der Körungskommission freilich auch das Alter der jeweiligen Böcke. "Sind manche ja erst im März geboren", wie Jurymitglied Dr. Ulrich Jaudas aus Lenningen bemerkt. "Die Entwicklung macht schon was aus."

"Ein sehr gefälliger Bock mit Schwarz-Bauch, den sieht man gern", schmeichelt die Körkommission Ziegenbock "Saturn" aus dem Markgräflerland von Züchter Thomas Birmelin aus Müllheim. Einziges Manko: "Der Milchwert liegt nur bei 95 Prozent, 100 Prozent sind ideal, sonst wäre er an der Spitze."

Mit dem höchsten Milchwert aller Tiere, nämlich "hervorragenden 121 Prozent", konnte Ziegenbock "Rio" die Jury überzeugen, den Züchter Stefan Funk aus Oedheim mit in den Bewertungsring brachte. In der Wertklasse I belegte er deshalb den dritten Platz.

Mit Lorbeeren wurde beim diesjährigen Bockmarkt Ziegenbock "Royal" geradezu überhäuft. Züchter Josef Baumann, der mit mehreren Tieren drei Stunden Autofahrt nach Pfullingen auf sich genommen hatte, ist unterm Strich zufrieden, auch wenn der "Aufwand insgesamt doch sehr hoch" ist. Der gut acht Monate alte Ziegenbock schaffte es als Tagessieger in der Exterieur-Bewertung an die Spitze. "Sein Milchwert liegt bei 116 und ist damit deutlich positiv", wertet Jaudas. Für den vierbeinigen Gesamtsieger des Bockmarkts gab's deshalb auch einen Ehrenpreis des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz.

Dass Ziegenrohmilch viele gesunde Inhaltsstoffe enthält, wissen nicht nur Gunhild Borghoff und Achim Schäfer vom Loretto-Ziegenhof in Zwiefalten zu schätzen. "Die Fettmoleküle sind kurzkettiger wie bei der Kuhmilch und deshalb leichter und angenehmer verdaulich für den Menschen", erklärt Schäfer.

Mit Auktionator Roland Sauter ging es am Nachmittag bei der Versteigerung der Tiere lebendig zur Sache. Das höchste Gebot lag dabei diesmal bei 900 Euro für einen Ziegenbock, der Durchschnittspreis bei knapp 700 Euro pro Tier.

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