Herzinnigliches Duettieren

Viele Spielarten der gesungenen Liebe bot unter dem Motto "Chanson d'amour" der Kammermusikzyklus. Auf der Bühne: Natalie Karl (Sopran), Matthias Klink (Tenor) und Doriana Tchakarova (Klavier).

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Chansons d'amour beim Kammermusikzyklus: Die Sopranistin Natalie Karl und Tenor Matthias Klink besangen im großen Saal der Stadthalle die unterschiedlichen Spielarten der Liebe.  Foto: 

Der Kammermusikzyklus tanzte aus der Reihe. Opernduette gehören nicht in sein Metier, und diese passten auch nur bedingt in den halbvollen Großen Saal der Stadthalle, so ganz ohne Orchester. Auch nicht die von Doriana Tchakarova am Klavier klangschön begleiteten Kunstlieder, die den Großteil des Programms ausmachten - sie hätten in den Kleinen Saal gehört.

Als so facettenreich wie das Thema "Liebe" selbst erwies sich auch das Programm, mit der die Sopranistin Natalie Karl und der Tenor Matthias Klink Vielseitigkeit demonstrierten. Im ersten Teil lag der Schwerpunkt auf dem romantischen deutschen und französischen Kunstlied mit großteils selten zu hörenden Stücken von Fauré, Schumann, Strauss, Brahms, Grieg, Duparc und Liszt, im zweiten wurde eine Folge spanischer Canciones von Fernando Obradors zwei italienischen Canzonen von Paolo Tosti gegenüber gestellt, das Ganze gerahmt von Duetten aus den Bereichen Lied (eines), Oper (zwei), Musical (eines) sowie - in der Zugabe - Operette.

Fast zu viel des Guten. Bewundernswert, wie die Sänger die fremdsprachigen Lieder meisterten, schön die sicher geführte, strahlend vibrierende Sopranstimme von Natalie Karl, die bei manchen Spitzentönen allerdings die tiefere Variante wählte, technisch ein wenig schwächer der routinierte Tenor von Matthias Klink. Relativ gut gelang der ständige Wechsel zwischen der Detailgenauigkeit der Lieder und der plakativen Wucht der Opernstücke, der den Abend etwas belastete, abgesehen von dem stimmungstötenden Nummern-Applaus, den man von vornherein hätte einschränken sollen.

Das Traumpaar der Oper: die Sopranistin und der Tenor. Was die beiden hier musikalisch zum Thema "Liebe" zu singen und zu sagen hatten, wirkte konventionell - kultivierte Emphase, gesteigert zu glühender Aufwallung; zwar gut gesungen, doch die Körpersprache mit den Standard-Gesten wirkte aufgesetzt.

Den Opernszenen fehlte zum Verständnis der Kontext. Was ging da vor? Etwa in dem Duett aus Massenets "Manon": Sie fleht ihn an ("liebe mich!"), er weist sie schnöde zurück ("nicht mit diesem Kleid"?). Auch die gesungenen Texte der Sopranistin erschienen wie Fremdsprache; dabei tritt sie angeblich schon seit langem gemeinsam mit ihrem Ehemann Matthias Klink auf, offenbar abonniert auf die Liebespaar-Rolle. Es ist relativ einfach, im Lied einem imaginären Gegenüber seine Liebe zu singen. Schwieriger wird es, wenn der/die Angesungene real mit auf der Bühne steht, zumal als langjähriges Ehegespons. So könnte sich die Distanz der beiden erklären, die nicht nur räumlich, sondern auch im Singen auffiel - das herzinnigliche Duettieren erschien allzu künstlich.

Als Solosängerin machte Natalie Karl im zweiten Teil mit den spanischen Canciones eine sehr gute Figur. Das "Chiquitita la novia" versah sie mit ungezähmtem Flamenco-Flair, es trieb sie in archaische Intensität und das Publikum zu spontanem Applaudieren. Auch wie sie die italienischen Canzonen - eigentlich die Domäne glutvoller Tenöre - nuancenreich und kultiviert gestaltete, verdient Anerkennung.

Doch die Duette schenkten kein reines Glück, es fehlte die Einbettung in Handlung und Orchester. Mit Bernsteins "Tonight" aus der West Dide Story strahlten Sopran und Tenor am Ende stimmlich um die Wette, da endlich reichten sie sich die Hand und bescherten dem Publikum zwei Operetten-Zugaben: "Hab mich lieb - du hast mich lieb!"

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