Herzerfrischendes Konzertieren zu viert

„Tierisches auf der Blockflöte“ versprach die zweite Sommermusik. Dargeboten haben es vier junge Blockflötisten – das Blockbuster Quartett.

|

Es ist noch gar nicht so lange her, dass Jan und Sebastian Fuß quasi als Schüler in Musikschulkonzerten oder dem Preisträgerkonzert der Gesellschaft der Musikfreunde in Reutlingen auftraten. Im Jahr 2013 haben sie, angeregt von ihrer Freiburger Professorin Agnes Dorwarth, mit den Mit-Studenten Yile Huang und Michel Miersch das Blockflöten-Quartett „Blockbuster“ gegründet, und zu viert erobern sie nun die Konzertpodien. In der Stephanuskirche mussten zusätzliche Stühle geholt werden, so groß war das Interesse.

Das Programm konnte auch als „Ton-Lese-Kunst“ durchgehen: Der erste Teil bestand aus einem Wechsel zwischen meist „alten“ mehrstimmigen Stücken und launigen Tiergedichten von Wilhelm Busch, James Krüss, LyroLch (Internet-Pseudonym), Max Kruse und Christian Morgenstern. Als Sprecher betätigte sich vor allem Michel Miersch, der das tierisch-tiefsinnig Gereimte über Fink, Frosch, Igel und Grille natürlich und pointiert rezitierte.

Für Blockflöten-Ensembles gibt es wenig Originalrepertoire. So musizierten die vier Blockbuster im ersten Teil vorwiegend Sätze aus dem Bereich der „alten Musik“, deren Stimmen sie stilvoll eigenständig führten, und deren Strukturen und Charakteristika sie sinnfällig herausarbeiteten. Zwischendurch brillierte Yile Huang als Solist mit einer Fantasie von Jakob van Eyck (um 1644) und dem quasi neuen „Schlaflied für einen Kolibri“ von Markus Zahnhausen, hörbar dem „Hummelflug“ verwandt. In puncto Technik und Zusammenspiel zeigten sich die vier erstaunlich sicher, ja virtuos; nur auf die Intonation sollten sie verstärkt achten. Insgesamt begeisterten sie durch eine spontane Musizierfreude, die gerade die „alten“ Stücke sehr lebendig werden ließ.

Ganz unauffällig wechselten sie die Instrumente (15 verschiedene von Sopranino bis Bass) und ihre Besetzung. Jeder spielt mal erste Flöte, genauso gut und konzentriert aber auch die Begleitstimmen, die gerade in den Konzert-Bearbeitungen aus präzis auszuführendem (mit Verlaub) Genudel bestehen. Auch wenn Solo und Begleitung des Flötenkonzert-Arrangements teilweise verschmolz, genoss man doch ein herzerfrischendes Konzertieren und brillante Virtuosität zu viert.

Den zweiten Teil des Konzerts strukturierte die von Munro Leaf 1936 erdachte Geschichte von Ferdinand dem Stier, der lieber an den schönen Blumen riecht, statt andere vor den Kopf zu stoßen, verlesen in fünf Abschnitten. Dazwischen wurde konzertiert zu viert (Bach und Vivaldi), mit „El Choclo“ kamen Tango-Rhythmen mitsamt Flöten-Per- kussion ins Spiel, und bei der „Estampie“ aus einem Codex von 1360 fragte man sich glatt, ob die frühen Musiker Jazzer waren, so furios trieben die vier Blockbuster das Stück mit swingenden Rhythmen und exotischen Harmonien ins Hier und Jetzt.

Den Schluss- und Höhepunkt bildete Agnes Dorwarts „Hecht“, ein Kabinettstück für Stimmen und Flöten aus Sprechen, Flöten, Blubbern, Pupsen. Schade, dass man Morgensterns Vegetarier-Satire-Text nicht ganz verstand! Dem Beifall tat es keinen Abbruch. Als Zugabe wurde eine Hommage an die Amsterdamer Grachten und Drehorgeln gewährt – Spielfreude in Perfektion.

Ein Konzert besteht nicht nur aus Musik; auch die kleinen Dinge am Rande sind wichtig. Wer ist wer? Versteht man hinten die Pointen? Ist die Programmabfolge nachvollziehbar? Wenn die vier Blockbuster auch darauf noch achten, steht ihrem Erfolg nichts im Wege.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Kulturgüter auf vier Rädern erkunden die Region

Wer sich am Sonntagmittag der Achalmstadt näherte, dem fiel die erhöhte Oldtimerdichte auf den Straßen auf. weiter lesen