Henriette hilft beim Lesestart

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Henriette Bimmelbahn soll’s richten. Freilich nicht allein. Aber immerhin ist Henriette – oder besser das Buch über sie – Teil der Aktion Lesestart, die nun auch in der Pfullinger Stadtbücherei begonnen hat.

EVELYN RUPPRECHT

Fleur Hummel schwenkt die knallgelbe Stofftasche lächelnd hin und her und hofft, dass noch mehr Mütter und Väter kommen, um sich die Beutel samt Inhalt abzuholen. Drin ist ein komplettes Lesestart-Set mit einem altersgerechten Buch – Henriette Bimmelbahn eben –, einem Info-Flyer, einem Poster und einem mehrsprachigen Ratgeber, in dem Tipps gegeben werden, wie man Kindern am besten vorliest und überhaupt ihr Interesse an Büchern weckt.

Die gelben Taschen halten Bücherei-Leiterin Hummel und ihr Team seit Februar für alle Eltern von drei, maximal vier Jahre alten Kindern bereit. Wobei es sich dabei um eine konzertierte Aktion handelt. Denn die Stadtbücherei gehört zu Phase zwei des „Lesestarts“, der aus drei Meilensteinen besteht.

Ins Leben gerufen hat das Projekt die Stiftung Lesen, finanziert wird es vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und umgesetzt wird es in Phase eins von Kinderarztpraxen, die Lesestart-Sets auch in Pfullingen an die Eltern aller Einjährigen verteilen. In dem Set befindet sich unter anderem ein Gutschein, der dazu anspornen soll, in Phase zwei einzutreten, also die Büchereien zu besuchen. Den dritten Meilenstein gibt’s dann für all Sechsjährigen in der Grundschule.

Der Sinn des Ganzen? „Die Lesekompetenz der Kinder soll gesteigert werden“, sagt Fleur Hummel. Denn laut Pisa-Studie gibt es sogar Erwachsene, deren Lese-Kenntnisse auf Grundschulniveau sind. Selbst bei Jugendlichen, die permanent im Internet unterwegs sind, hat Hummel schon beobachtet, dass sie nur sehr langsam lesen können, Zusammenhänge oftmals kaum verstehen. Da wäre es schon wichtig, dass die Eltern bereits bei den Kleinkindern ansetzen und ihnen vorlesen. Was, so Hummel, allerdings nicht in allen Familien üblich ist.

Mit dem Starter-Set soll sich das ändern. „Und vor allem Leute, die sonst eher nicht zu uns kommen, versuchen wir so zu erreichen“, erklärt Hummel, die auch in regem Kontakt zu den Pfullinger Kindergärten steht. Eltern wie Kinder sollen lernen, sich in der Bücherei zurechtzufinden – und deren Angebote wahrnehmen. „Es ist eine unserer Kernaufgaben, Menschen ans Lesen heranzuführen“, sagt Hummel. Weshalb sie und ihr Team ab dem 18. März auch den Treffpunkt „Bücherwürmchen“ anbieten. Einmal im Monat kommen dort Drei- und Vierjährige in Begleitung ihrer Eltern zusammen, um sich vorlesen zulassen, Spiele zu machen, gemeinsam zu singen und zu reimen. 30 Minuten wird das Bücherwürmchen, für das man sich anmelden muss, dauern.

Ein anderes Angebot ist derweil schon bestens etabliert: Den Treffpunkt Kinderbücherei besuchen freitags immer um die 20 Jungen und Mädchen im Alter ab fünf Jahren. 2500 Bücher haben die Pfullinger für diese Altersgruppen in den Regalen stehen. „Und viele davon sind Pappbücher, weil die einfach robuster sind“, sagt Hummel, die nun hofft, dass viele Eltern kommen, um die Sets abzuholen. „Was auch ohne Gutschein geht“, wie sie betont. Einige Taschen wurden in den ersten Tagen schon mitgenommen. Und manche Eltern haben dabei eine ganz andere Neuerung in der Bücherei nutzen können. Den Wickeltisch. Damit sich hier wirklich alle wohlfühlen können.

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