Helfen vielleicht Halteverbote?

Der Kriechverkehr nervt: Gerade auf dem Weg zur Arbeit ärgern sich Autofahrer über Tempo 30 auf der B 312 im Echaztal. Fachleute suchten gestern nach Lösungen. Denn auch die ÖPNV-Vertreter sind sauer.

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Verkehrsschau an der B 312 in Unterhausen mit Behördenvertretern und Betroffenen: 24 500 Autos müssen täglich hier durch, die meiste Zeit mit Tempo 30.  Foto: 

Die Polizei, das Landratsamt mit gleich sechs Vertretern, die Betreiber der Regionalbusse, Straßenbauer und Vertreter der Gemeinde Lichtenstein um Bürgermeister Peter Nußbaum trafen sich gestern zur Verkehrsschau. Bei derartigen Zusammenkünften tauscht man für gewöhnlich zunächst Erfahrungen aus, um dann auf die "Piste" zu gehen, wo neuralgische Kreuzungen und Straßen in Augenschein genommen werden.

Mit sehr unterschiedlichen und "widerstreitenden Interessen" rechnet Ordnungsdezernent Dr. Claudius Müller vom federführenden Landratsamt Reutlingen. Damit hatte die Behörde bereits 2014 beim Anhörungsverfahren zur Verkehrsberuhigung in Lichtenstein zu tun. Dort, wo im Ortsteil Unterhausen täglich 24 500 Autos die B 312 befahren, davon sehr viele Lastwagen. 1300 Fahrzeuge weichen nun über die L 387 nach Holzelfingen aus.

Für Autofahrer ist die Regelung im Tal, die im März dem Lärmaktionsplan (Krach macht krank) konsequent folgte, eine große Herausforderung. Das Regierungspräsidium Tübingen hatte für die Bundesstraße in Unterhausen und in Honau festgelegt: Vom nördlichen Ortsschild Unterhausens (Höhe BSU) bis zur Ortsmitte gilt 24 Stunden lang Tempo 30. Das wird seit einigen Tagen nun an zwei Stellen durch stationäre "Blitzer" kontrolliert. Zusätzlich gibt es mobile Mess-Trupps.

Von der Ortsmitte bis zum südlichen Ortsschild darf dann jedoch bis 22 Uhr und nach sechs Uhr morgens Tempo 50 gefahren werden. Weiter geht es "unbeschränkt" nach Honau, wo dann wieder tageszeitlich unterschiedliche Geschwindigkeits-Beschränkungen gelten.

Zu kompliziert? In der Tat gebe es "Schläfer", so Müller, der weiß, dass es viele Automobilisten gibt, die auf Nummer sicher gehen wollen - und die gesamte Strecke vor sich hinzuckelten, um bloß kein Bußgeld zu riskieren. Und das verlangsamt den Verkehr noch mehr.

Und der Ausweichverkehr? Verkehrsteilnehmer testeten mit der Stoppuhr alle möglichen Alternativen. Nun fahren manche über die parallel zur Unterhausener Wilhelmstraße verlaufende Moltkestraße, obwohl auch die eine 30er- Zone ist. Und mehr LKW-Fahrer denn je nutzen die Holzelfinger Steige, um nach Unterhausen zu gelangen; was die Älbler ebenso ärgert wie Unterhausener, die im Bereich des Gefälles die laute Motorbremse in den Wahnsinn treibt.

Damit nicht genug. Auf der anschließenden "Schleichverkehrs-Trasse" der B 312 durch Unterhausen dürfen Autos auf beiden Seiten der Straße parken. Begegnen sich dort Brummi-Lenker, was im Minuten-Takt der Fall ist, kommt es tatsächlich zu einem veritablen Stau.

Auch den Vertretern der Regionalbusse stinkt das natürlich gewaltig. Sie sprachen gestern von Betriebskosten-Einbußen von bis zu 20 000 Euro. Den bislang gut vernetzten Fahrplan einfach umzustellen, sei nicht möglich. Manche Fahrgäste verpassten wegen der Bummelpiste nun ihren Anschluss in Reutlingen.

Über mögliche Änderungen entschieden werden soll erst im Herbst: Die Vertreter der Polizei gaben zu bedenken, dass ein Verhindern jeglichen Ausweichverkehrs dazu führe, dass es dann auf der Hauptstrecke erst richtig eng werde. Jedoch deutete sich auf der Verkehrsschau auch an, dass Park- oder Halteverbote auf der innerörtlichen B 312 in Stoßzeiten für eine gewisse Entlastung sorgen könnten.

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