Heiter bis zum Wolkenbruch

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Ja, man war auf Kracher eingestellt. Auf dem Programm stand die „Ouvertüre 1812“ samt Kanonendonner. Aber es muss ja nicht gleich ein heftiges Sommergewitter mit Wolkenbruch sein, wie es gegen halb zehn über dem Bad Uracher Marktplatz aufzog. Dabei hatte alles so schön angefangen: Blauer Himmel leuchtete über der malerischen Fachwerkkulisse, Orchester und Gast-Dirigentin strahlten um die Wette beim Auftaktstück, Gioacchino Rossinis Ouvertüre zu „Der Barbier von Sevilla“. Alles stimmte: Akustik, Gesamtklang, Spiellaune.

Der so feinsinnig wie mitreißend ausgeführte Klassik-Hit funkelte vor Musizierfreude, inspiriert von Elisabeth Fuchs, der Dirigentin aus Österreich, einer faszinierenden Power-Frau mit einem speziellen Händchen für Orchestermusik (wir berichteten). Da lief nicht einfach nur die gut geölte Maschinerie, da spürte man sowohl auf Seiten der Musiker(innen) wie der Frau am Pult die große Liebe zu dieser Musik, die mit fein differenzierten, glasklaren Strukturen und gebündelter Bewegungs-Energie aufwartete.

Als Moderator führte Kulturreferatsleiter Thomas Braun durchs Programm; ahnte er das Verhängnis, als er von einer historischen Bühnen-Katastrophe erzählte? Eine Katze hatte die Uraufführung des „Barbiere“ 1816 in Rom gesprengt – und dunkles Gewölk braute sich kurz danach am Uracher Abendhimmel zusammen, während Niccoló Paganinis erstes Violinkonzert mit dem Solisten Edoardo Zosi aufgeführt wurde. Der junge, international konzertierende Geiger hat sich weiterentwickelt: Er konzentriert sein Spiel zwar nach wie vor auf den technischen Aspekt, mit bewundernswerter Virtuosität bezwang er Paganinis halsbrecherische, oft mehrstimmige Figuren in extremen Lagen, aber er hat an musikalischer Überzeugungskraft gewonnen. Bei allem Figuren- und Akrobatik-Zauber hielt er zielbewusst die musikalische Linie durch, ruhig und gesammelt folgte er Paganinis Teufelsgeiger-Spur. Die mit Kapriolen aller Art gespickte Solokadenz meisterte er so bravourös und (scheinbar) ruhig, fast wie von Zauberhand, dass man sich fragen konnte, ob hier wirklich der junge Mann mit Brille und weißer Jacke spielte oder womöglich ein Playback. Die sichere Technik, den runden, geschmeidigen Ton und die kantable Musikalität behielt er auch bei, als schon die Donner rollten, belohnt von lang anhaltendem Applaus.

Die danach folgende Konzertpause machte ein rasch einsetzendes Unwetter ungewollt zum vorzeitigen Ende des Stadtkonzerts. Das Publikum brachte sich mit Regencapes meist in den umliegenden Lokalen in Sicherheit, statt Tschaikowskis (und der Bad Uracher Böller-Schützen) Kunst-Kanonen der „Ouvertüre 1812“ krachte ganz banaler und vom Zeitpunkt her äußerst unpassender Unwetter-Donner, begleitet von anhaltenden Regengüssen (siehe auch Lokalseite). Wie schade!

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