BUND gegen Bebauung im Arbachtal

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Reutlingen aus Pfullinger Sicht: Wird das Arbachtal bebaut, könnte der Frischluftzustrom abbrechen. Der BUND-Kreisverband fordert jetzt ein Entgegenwirken seitens der Stadt Reutlingen.  Foto: 

Schon als der Vorentwurf für den neuen Flächennutzungsplan für die Gemarkung Pfullingen Ende Mai vorgestellt wurde, hatte sich Widerspruch geregt. Inzwischen haben die Pfullinger GAL-Stadträtin Sigrid Godbillon und ihre Mitstreiter knapp 1000 Unterschriften dagegen gesammelt. Und jetzt warnt der BUND-Kreisverband Reutlingen sogar davor, dass die Bebauung von Flächen im Arbachtal und am Galgenrain nicht nur Auswirkungen auf die Pfullinger Gemarkung haben könnte, sondern auch auf Teile von Reutlingen.

„Die Ausweisung großer Gebiete im Arbachtal für Wohnbebauung und Gewerbeansiedlung (Galgenrain I bis III und Hinterholz) im neuen Flächennutzungsplan wird sehr negative Folgen für die Luftqualität in der Reutlinger Innenstadt haben,“ schreibt Ira Wallet, Vorsitzender des BUND-Kreisverbandes, in seiner Stellungnahme. Der BUND beruft sich auf einen Experten: Dr.-Ing. Frank Dröscher erklärt in der aktuellen „Gesamtstädtischen Klimaanalyse“ der Stadt Reutlingen: „Insgesamt ist der Kaltluftstrom aus dem Arbach- bzw. Echaztal für Klima und Lufthygiene in weiten Teilen der Kernstadt von Reutlingen bis nach Betzingen jedoch von überragender Bedeutung und muss unbedingt erhalten bleiben. Beeinträchtigungen im Zu- und Abstrom sind zu vermeiden.“

Die Innenstadt von Reutlingen, aufgrund ihrer tiefen Lage zwischen Achalm, Scheibengipfel, Georgenberg und Lerchenberg, habe eine „starke Abhängigkeit einerseits von lokalen Windsystemen wie kleineren Hangabwinden sowie andererseits von der Wirksamkeit der großen Bergwindsysteme wie dem Echaztäler und dem Arbachtäler Kaltluftstrom“, heißt es in der Analyse weiter. Alle Maßnahmen des Luftreinhalteplans des Regierungspräsidiums Tübingen seien weitgehend nutzlos, glaubt der BUND, wenn der Frischluftaustausch vom Arbachtal her durch weitere Bebauung beeinträchtigt werde. „Pfullingen profitiert ebenso von der täglichen Lufterneuerung, die die Frischluftströme von den Berghängen bringen. Daher fordern wir die Stadtverwaltung und den Gemeinderat Reutlingens auf, im Interesse aller Reutlinger Bürger den Plänen der Stadt Pfullingen entgegenzuwirken“, heißt es in der Stellungnahme des Kreisverbandes.

Ähnliches hatte auch schon Sabine Winkler, ebenfalls vom BUND-Kreisverband, gleich nach der Informationsveranstaltung der Stadt Pfullingen erklärt. Sie hatte sich sowohl wegen des Abbrechens des Kaltluftzustroms gesorgt, als auch betont, wie einzigartig gerade in diesem Gebiet die Streuobstvorkommen seine. Gründe, die nun auch Wallet in der Stellungnahme auflistet. Mit der neu geplanten Bebauung werde bester Boden versiegelt und ein wertvolles Mosaik aus Streuobstwiesen, Kleingärten, artenreichen FFH-Wiesen, Böschungen, Hecken und kleinparzelligen Ackerflächen vernichtet. Überregional bedeutende Habitate für Insekten und bedrohte Vögel wie den Gartenrotschwanz und Halsbandschnäpper würden ebenso zerstört. Überdies gehe ein sehr beliebtes Naherholungsgebiet für die Pfullinger, Reutlinger und Eninger Bevölkerung verloren.

 Die Befürchtungen des BUND teilt indes auch die Pfullinger GAL-Stadträtin Sigrid Godbillon. Und sie geht noch weiter. Godbillon sieht nicht nur das Naherholungsgebiet für ein Sechstel der Pfullinger Bevölkerung gefährdet, sondern glaubt auch, dass die Bebauung die Hochwassergefahr steigern könnte. Schlicht, weil der Arbach bei Starkregen zu viel Oberflächenwasser aufnehmen müsse.

Bis 10. Juli liegt der Entwurf aus, gegen den bislang 1000 Unterschriften nicht nur aus dem ans Arbachtal angrenzenden Burgweggebiet, sondern aus der gesamten Stadt Pfullingen eingegangen sind.

Der Vorentwurf zur Neuaufstellung des Flächennutzungsplans ist im Pfullinger Rathaus einzusehen, er ist aber auch im Internet abrufbar. Gegenüber dem ursprünglichen FLNP sind die bebaubaren Flächen in Pfullingen zwar leicht reduziert worden, gerade im Arbachtal sind aber mittel- und langfristig großflächige Bebauungen möglich. 7,7 Hektar sind im Bereich „Hinterholz“ zwischen Pfullingen und Eningen für Gewerbe vorgesehen. Und dann wären da auch noch die 17,8 Hektar, die gleich daneben im Gebiet Galgenrain I bis III für Wohnraum geplant sind.

„Wir erheben Einspruch gegen den neuen Flächennutzungsplanentwurf, der weitere Bebauung im Arbachtal östlich der B312 neu vorsieht“, so GAL-Stadträtin Sigrid Godbillon und ihre Mitstreiterin ihrem Anschreiben zur Unterschriftensammlung. Über 1000 Pfullinger aus dem gesamten Stadtgebiet haben den Einspruch bereits unterzeichnet.

Der Nachbarschaftsverband Reutlingen-Tübingen hat das Büro Kling Consult damit beauftragt, den Flächennutzungsplan, der 1979 gemacht und 1994 fortgeschrieben wurde, neu aufzustellen. Jetzt liegt ein Vorentwurf für die Kommunen Reutlingen, Tübingen, Pfullingen, Eningen, Kirchentellinsfurt, Kusterdingen, Dettenhausen und Wannweil, die dem Verband angehören, vor. Der Vorentwurf befindet sich derzeit im Stadium der frühzeitigen Beteiligung der Behörden und der Bürger. Anfang 2018 wird aller Voraussicht nach über die Stellungnahmen beraten, im Herbst 2018 könnte der FLNP gebilligt werden. lyn

„Es handelt sich um den Vorentwurf zum Flächennutzungsplan. Die dargestellten Bereiche haben daher den Status von „Prüfflächen“. Im weiteren Planverfahren wird aus dem Vorentwurf anhand der Stellungnahmen aus der Öffentlichkeit, der Gemeinden und von den Fachbehörden aber auch auf der Grundlage von Fachgutachten, wie z.B. das aktuelle Reutlingen Klimagutachten, der Entwurf zum Flächennutzungsplan erarbeitet.

Selbstverständlich lassen wir die für Kaltluftströme bedeutenden Flächen fachgutachterlich überprüfen. Die Ergebnisse fließen dann in das weitere Planverfahren ein.Die Erfahrung zeigt, dass aufgrund des Erkenntnisgewinnes aus der frühzeitigen Beteiligung nicht alle Flächen aus dem Vorentwurf weiter verfolgt werden.Zum Entwurf werden die Öffentlichkeit, die Fachbehörden und die Gemeinden wieder beteiligt und können sich erneut ins Planverfahren einbringen.

Erst nach dieser zweiten Beteiligungsphase entsteht der endgültige Flächennutzungsplan, der dann um Rechtskraft zu Erlangen vom Regierungspräsidium genehmigt werden muss. Bis dahin werden sicher noch einige Jahre vergehen.“

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