Ha-ha-ha-ha!

Volles Haus, beste Stimmung. Die Philharmonie zeigte sich beim Silvesterkonzert in Gala-Laune. Das Publikum ließ sich gerne anstecken und pfiff den Sportpalast-Walzer mit - taktgenau, klar, und mit Schmackes.

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Es ist gar nicht so einfach, in der Flut der Konzerte zum Jahreswechsel noch irgendetwas zu bieten, was sich abhebt vom Einerlei. Und die Orchester müssen aufpassen, dass sie nicht zu Wunschkonzert-Automaten werden, die nur noch einen Ohrwurm nach dem andern abspulen.

Aber wir wollen hier nach dem turbulenten Jahreswechsel keineswegs auf Spaßbremse machen. Vor allem, weil die Philharmonie unter dem bewährten Gast-Maestro Peter Falk neben den üblichen, offenbar unvermeidlichen Smash-Hits auch einige Besonderheiten bereithielt, die man nicht überall hört.

Zudem stand mit Elena Fink eine Solistin auf der Bühne, die hier - spätestens seit der ersten Silvester-Gala in der Stadthalle Ende 2013 - bereits bekannt, beliebt und geschätzt ist. Die in Pforzheim aufgewachsene Sängerin hat sich ihre höheren Weihen bei Ingeborg Hallstein und Kurt Moll geholt, wurde 2010 zur Opernsängerin des Jahres in NRW nominiert und war bis 2014 Ensemblemitglied in Wuppertal.

Vom Fach her lyrischer Koloratursopran, zeigte sie bei der Silvester-Gala erneut, dass Koloraturen eben mehr sind als nur hübsches Trallala. Nein, ihre Stimme - etwa in Margarethes "Juwelenarie" aus Gounods "Faust" oder in "Nun eilt herbei" aus Otto Nicolais "Lustigen Weibern" - besticht mit vielen Qualitäten: sprechender Duktus, präzise Intonation und blühende Farben. Kein Scheppern, kein Stemmen, kein eierndes Diven-Vibrato. Statt dessen lebendige Kantilenen und kraftvoll herausgepowerte Höhen.

Ihr Bühnenpartner, der aus Südkorea stammende, in Dresden weitergebildete Tenor Minseok Kim, Ensemblemitglied in Darmstadt, hatte zunächst einen schwierigen Stand. Am Ende aber konnte auch er überzeugen - mit einem etwas verhaltenerem, aber gleichwohl schön fließenden Legato-Stil, so in Gounods Faust-Kavatine und in "Ach so fromm" aus von Flotows "Martha".

Die Württembergische Philharmonie Reutlingen gab sich, dem Anlass gemäß, in Champagnerlaune - wohl selten hat man die von Peter Falk auf Turbo-Tempo gestylte "Carmen"-Ouvertüre derart schmissig vorüberfetzen gehört. Das Publikum ließ sich mitreißen. Schon vor der Pause pfiff es, animiert vom Dirigenten, mit Schmackes in Siegfried Translateurs "Sportpalast-Walzer" hinein - in dreifachem Forte und taktgenau, versteht sich.

Und wer da glaubt, Musik und Politik habe wenig miteinander zu tun: Der Komponist Siegfried Translateur wurde wegen "nichtarischer" Abstammung vom Nazi-Regime ins KZ Theresienstadt deportiert, wo er 1944 zu Tode kam. Doch seine Musik lebt weiter. . .

Auch nach der Pause bot das Programm noch manches Schmankerl - etwa Léo Delibes' Koloraturarie "Die Mädchen von Cadix", bei der Elena Finks Sopran zu spanischem Kastagnetten-Kolorit mit exaltierten Intervallsprüngen prunkte. Schön auch Uwe Stoffels Klarinettensolo in Franz von Suppés "Leichte Kavallerie".

Bei Luigi Arditis "Kusswalzer" ("Il Bacio") unternahm Elena Fink gar einen Ausflug ins Publikum und sang diverse Herren in der ersten Reihe an - zur allgemeinen Erheiterung. Als dann die Philharmoniker bei Josef Straussens Schnellpolka "Ohne Sorgen" ein kräftiges "Ha-ha-ha-ha!" ins Publikum riefen, war klar: Der Saal lacht mit, die Gala-Laune ist perfekt, es wird ein guter Rutsch. Drei Zugaben - ein "O sole mio" mit Ironie, ein geschwelgtes "Granada" und dann doch: der unkaputtbare Radetzky-Marsch.

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