Gut für eine Überraschung

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Reaktion Reutlingen Ralf Ott rot Evelyn Rupprecht lyn Ralp Bausinger rab Peter Bussmann pe Otto Paul Burkardt op Thomas Kiehl  Foto: 

Die Elbphilharmonie, Stuttgart 21, den Flughafen Berlin und den Reutlinger Scheibengipfeltunnel in einem Atemzug zu nennen – das ist eigentlich verwegen. Aber: Käme die Kostenexplosion tatsächlich, hätte die Röhre sich durchaus ihr Plätzchen neben den prominenten Großbauten verdient.

Fünf bis zehn Millionen Euro Mehrkosten bei einer derzeitigen Gesamtsumme von 125 Millionen – das könnte sich schon sehen lassen. Soweit muss es allerdings nicht kommen. Die zuständige Baufirma hat zwar eine Ausgabensteigerung angemeldet, wie hoch genau sie ausfällt, ist aber erstens noch nicht klar und zweitens vom Auftraggeber noch nicht geprüft und erst recht noch nicht genehmigt. Schlimmstenfalls geht die Sache vor Gericht – und noch schlimmeren schlimmstenfalls muss der Bund das Extra-Sümmchen auch tatsächlich überweisen. Denn: Wenn die Baufirma wirklich vieles, was in der Ausschreibung so nicht gefordert worden ist, nachträglich leisten musste – dann steht ihr das Geld auch zu. Was aber auch neue Fragen aufwerfen würde. Zum Beispiel, warum  manches in der Ausschreibung nicht aufgelistet war und wer sich da weshalb verkalkuliert hat.

Freilich ist es das Regierungspräsidium Tübingen gewöhnt, dass ihm seine Tunnel Ärger machen. Man denke da nur an das Scheibengipfel-Pendant am Pfullinger Ursulaberg. Drei Monate sollte seine Sanierung im vergangenen Sommer dauern, fast vier sind daraus geworden. Und als die Röhre dann endlich für vier Millionen Euro auf Vordermann gebracht war, da hat ihre hochmoderne Brandmeldetechnik gestreikt. Der Aufstand der Dinge – so könnte man beschreiben, was sich auf der Pfullinger Ortsumgehung abgespielt hat. Erst hat der Tunnel die Brandtests nicht bestanden, und als sie die Prüfung dann geschafft war, hat die Röhre erst recht verrückt gespielt. Zu allen möglichen Tages- und Nachtzeiten hat sie die Feuerwehr gerufen und wenn sie sich den lästigen Verkehrsstrom vom Leib halten wollte, hat sie sich einfach selbst gesperrt. Angesichts solcher Kapriolen dürften die Straßenbauer inständig hoffen, dass sich der Scheibengipfel nichts abgeschaut hat vom Ursulaberg. Was, wenn nach 50 Jahren Planung und acht Jahren Bauzeit der Tunnel zwar freigegeben wird – er die 20 000 Autos täglich aber einfach nicht reinlassen will? Oder, was wahrscheinlicher ist: Er lässt die Autos rein, aber der Stau in Reutlingen bleibt.

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