Grundlage sind Werte und Prinzipien

Mehr als 150 Jahre ist dieses Geschäftsmodell alt. Dieser Tage wiesen in ganz Baden-Württemberg zahlreiche Genossenschaften mit „einer Art Staffellauf“ auf den Erfolg der besonderen Vereinigungen hin.

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Rund vier Millionen Baden-Württemberger (und damit fast jeder Dritte im Ländle) ist Mitglied in mindestens einer Genossenschaft. Somit ist laut Joost Bremer, hauptamtlicher Vorstand der Bäko Südwürttemberg, auch heute noch die Idee von Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch so lebendig wie eh und je. Die beiden Pioniere hatten Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten Genossenschaften gegründet. Die heutige große Mitgliederzahl allein im Ländle ist, so Bremer, aber bei weitem nicht allein auf die Volks- und Raiffeisenbanken zurückzuführen: „In den vergangenen zehn Jahren gab es mehr als 200 erfolgreiche Neugründungen.“ Ärzte seien darunter zu finden, Labore, im Bereich Handel und Handwerk, immer mehr im Energie- oder auch im Dienstleistungsbereich. Schon seit den Gründertagen gibt es jedoch die Genossenschaften in der Landwirtschaft.

Der BWGV, also der baden-württembergische Genossenschaftsverband, hat nun 2015 zum „Jahr der Genossenschaften“ ausgerufen – auch um laut Bremer die dahinter stehende Idee mal wieder ins Bewusstsein zu rufen. Denn das Leitmotiv lautete schon immer: „Die Mitglieder stehen im Mittelpunkt“, betonte Bremer während der Feier- stunde. Die wurde übrigens im ganzen Land „wie ein Staffellauf“ von 8 Uhr von den Metzgern über die Bäcker und Ärzte bis hin zum Betten-Ring um 20 Uhr an unterschiedlichen Standorten angeboten. Ein paar genossenschaftliche Zahlen: Insgesamt arbeiten bundesweit 34 500 Menschen in Genossenschafts-Unternehmen, darunter finden sich 3500 Auszubildende. Fast 1100 Genossenschaftsbanken sind mit dabei, mehr als 2300 ländliche Genossenschaften sowie annähernd 2700 Konsum- und Dienstleistungsgenossenschaften. Die prominentesten Beispiele dürften wohl Edeka und Rewe sein oder eben die Volksbanken. Alle Genossenschaften sind, so Bremer, extrem erfolgreich, denn: „Sie haben nur einen Anteil von 0,1 Prozent an allen Insolvenzen.“

Werte und Prinzipien bilden nach den Worten des Bäko-Vorstands die Grundlage der Genossenschaften. Begriffe wie Solidarität, Nachhaltigkeit, Fairness, soziale Verantwortung, Glaubwürdigkeit und viele mehr seien nicht nur Lippenbekenntnisse, sondern würden gelebt. Neben den 220 Volks- und Raiffeisenbanken und 345 ländlichen Genossenschaften finden sich 279 solcher Vereinigungen im gewerblichen Bereich in Baden-Württemberg. Letztere erwirtschafteten übrigens 2013 allein im Handel (zu dem auch die Bäko sich zählt) einen Gesamtumsatz von rund 2,9 Milliarden Euro.

„Die Bäko wurde 1906 gegründet und versorgte die Bäcker und Konditoren vor allem mit Hefe und Kohle“, berichtete Bremer. Heute bietet das Unternehmen eine Palette von rund 20 000 unterschiedlichen Produkten an. Die Bäko Südwürttemberg hat neben dem Standort Reutlingen noch zwei weitere Lager in Ulm und Ravensburg und versorgt damit 400 aktive Mitglieder, aber auch einige andere. Mit 25 Lastwagen werden 1400 Abladestellen zum Teil bis zu dreimal wöchentlich angefahren. Der Jahresumsatz betrug 2014 rund 85 Millionen Euro.

Die Angebotspalette bei der Bäko-Genossenschaft reiche jedoch weit über den Lieferservice hinaus – so werden laut Bremer die Mitgliedsbetriebe auch bei Investitionen beraten, durch Finanzierungen unterstützt, Maschinen und Geräte gewartet. Insgesamt arbeiten bei der Bäko fast 150 Beschäftigte, rund zehn Prozent darunter sind Azubis, die zu Kaufleuten oder Lagerlogistikern ausgebildet werden.

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