Grüne fordern Entlastung für Fördervereine

Für die Gemeinderatsfraktion der Grünen und Unabhängigen ist die Ganztagesbetreuung an Schulen eines der wichtigsten Themen der Kommunalpolitik.

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Dies gilt auch, nachdem sich die Landesregierung für die Betreuung der Schüler verantwortlich fühlt und die Schulen zu diesem Zweck finanziell und mit zusätzlichen Lehrerdeputaten ausstattet. Neu dabei ist, dass nun die Schulleitungen die Betreuung beim Schulförderverein einkaufen oder durch zusätzliche Lehrerdeputate sichern können.

Dass jetzt aber nur drei Reutlinger Schulen mit dem neuen Programm an den Start gehen, liegt nach Auffassung der Grünen und Unabhängigen an einer Reihe ungeklärter Fragen. Ein weiterer Grund: Betreuung und Mittagessen werden seit Jahren von Fördervereinen mit großem ehrenamtlichem Engagement organisiert und verantwortet.

Die Grünen und Unabhängigen halten das neue Modell für einen Fortschritt: Das Landeskonzept stärke die Ganztagesschulen in ihrem Auftrag, den Bildungserfolg von der sozialen Herkunft zu entkoppeln und leiste einen nicht unerheblichen Beitrag, Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Doch wie die Stadträte jetzt bei einer Anhörung herausgefunden haben, bewerten die Fördervereine das Ganztageskonzept für die Grundschulen zurückhaltend. Die Wahlmöglichkeit zwischen dem herkömmlichen und dem neuen Modell führe zu mehr Aufwand als zu einer Entlastung. Weil obendrein einige Kinder am "Ganztag" teilnehmen und andere nicht, werde die Schule pädagogisch und organisatorisch auseinandergerissen und die rhythmische Arbeitsstruktur gefährdet. Dabei arbeiten die Ehrenamtlichen der Schulfördervereine ohnehin an der Grenze der Belastbarkeit. Bei dem Gespräch mit Vertretern der Mörikeschule, Jos-Weiß-Schule, Hoffmannschule und Römerschanzschule war die Rede von finanziellem Notstand sowie von Notlösungen, die dringend erforderlich seien, um einem "Kollaps der Aktiven" vorzubeugen.

Als besonders krass erweise sich die Situation in der Jos-Weiß-Schule, wo der Förderverein mit großen finanziellen Problemen und eklatantem Platzmangel zu kämpfen habe. Der Förderverein könne gar nicht anders, als Schüler, die eine Betreuung wünschen, abzuweisen. Doch der für den Mensabetrieb auf 10 000 Euro begrenzte Zuschuss reiche bei weitem nicht aus. Das Minus von 20 000 Euro pro Jahr resultiere auch daraus, dass viele Kinder von Zuhause kein Geld mitbekommen oder über kein "Reutlinger Gutscheinheft" verfügen. Der Vereinsvorstand teile sich die Geschäftsführung.

In der Römerschanzschule gilt im neuen Schuljahr für 50 Kinder das vom Land beschlossene neue Ganztagesgrundschulkonzept. 75 Kinder werden weiter in der herkömmlichen offenen Form betreut. Doch nun werde es finanziell eng. Beide Betreuungsformen müssen nun unter einem Dach organisiert werden, wodurch sich der Aufwand der Geschäftsführung noch einmal erhöht. Aus der Mörikeschule kommen Klagen, dass die Inklusion "nicht durchdacht" sei. Sie erstrecke sich nur über den Unterricht, nicht aber auf die Pausen und das Mittagessen. "Das Land justiert mit dem neuen Ganztagesgrundschulgesetz nach, was in Reutlingen, auch aus der Not heraus, seit vielen Jahren aufgebaut wurde", stellte Fraktionssprecher Rainer Buck in einer Nachbesprechung zur Anhörung fest. Die Schulfördervereine könne man in dieser heiklen Lage nicht alleine lassen. Für die Qualität der Betreuung dürfe es keine Rolle spielen, ob für die Betreuung das herkömmliche oder das neue Modell maßgeblich sei. In jedem Fall sei die Stadtverwaltung aufgerufen, die Ehrenamtlichen zu entlasten. Als ein Fazit aus ihrem Gespräch steht für die Grünen fest: Die Schulfördervereine bedürfen einer besseren materiellen Ausstattung. Außerdem unterstützt die Gemeinderatsfraktion deren Bitte, pro Schule eine halbe Stelle für die Geschäftsführung einzurichten.

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