Giotto trifft Revolverheldinnen

Die Farbe ist das Bindeglied zwischen drei künstlerischen Positionen: Die Ausstellung "Oranje" im Kunstverein Reutlingen gibt einen Einblick in zeitgenössische niederländische Malerei. Heute Abend ist Eröffnung.

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  • Die drei Oranje-Künstler - (von links) Bep Scheeren, André Dieteren und Rik van Iersel. Fotos: Marie-Louise Abele 1/3
    Die drei Oranje-Künstler - (von links) Bep Scheeren, André Dieteren und Rik van Iersel. Fotos: Marie-Louise Abele
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    Eine Arbeit von Bep Scheeren, zu sehen in der neuen Ausstellung im Kunstverein.
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Expressive Porträts, fließende Grenzen zwischen Realität und Abstraktion und malerische Dialoge in farbigen Wortgeflechten - drei verschiedene künstlerische Positionen sind derzeit im Kunstverein zu sehen. Heute, Donnerstag, 13. September, 19 Uhr, eröffnet die Ausstellung "Oranje" mit zeitgenössischer niederländischer Malerei von Rik van Iersel und dem Künstlerpaar Bep Scheeren und André Dieteren. Großformatig, eindrucksvoll in Farbe und starkem Pinselduktus kommen sie daher, mehr aber haben sie nicht gemeinsam.

Bep Scheeren, Jahrgang 1950, arbeitet sehr intuitiv, und immer finden sich Gesichter in ihren Arbeiten. "Scheeren begibt sich auf Spurensuche, stülpt das Innere nach außen", sagt Katrin Willert, künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin des Kunstvereins. Bestimmte Anlässe setzen bei Scheeren Impulse, der Mord an dem niederländischen Regisseur Theo van Gogh 2004 oder die Affäre um den französischen Politiker Dominique Strauss-Kahn. Große Männer, die sie durch ihre Bilder gleichsam entmachtet.

So macht sie die irrwitzige Machtverteilung zwischen Mann und Frau, aber auch die Huldigung der "Revolverheldinnen" zum Thema. "Frauen hatten bisher einfach zu wenig Platz in der Geschichte", so Bep Scheeren. Starke Frauen, mit Vasen als Röcken, aus denen sie hervortreten oder in denen sie zu versinken drohen, Männer mit weichen, androgynen Gesichtszügen, alles beginnt sich anzugleichen.

Dann André Dieteren, Jahrgang 1943: Seine Arbeiten durchleben verschiedene Wendungen. "Es kommen immer mehr und andere Gedanken hinzu", sagt Dieteren. So nähere er sich den Grenzen zwischen Realität und Abstraktion an. "Immer wieder sehen wir eine stark abstrahierte Formensprache, die sich mit erkennbaren organischen Elementen abwechselt", so Katrin Willert. Charakteristisch für die komplexen Kompositionen sei eine intensive Farbpalette, dabei setze sich Dieteren intensiv mit Giotto, Della Francesco, Van der Weyden, Holbein und Ingres auseinander.

Der Dritte im Bunde ist Rik van Iersel, Jahrgang 1961. Der Autodidakt komponiert Text und Malerei zu einem Ganzen. Seine comicartigen Werke lassen entdecken, ergründen und staunen. So finden immer wieder andere Alltagsgegenstände, Textpassagen und Farbarrangements in seine emotionsgeladenen Werke. "Individuelle Befindlichkeiten, Gefühle und Alltagseindrücke finden in ihrer Figuration ihre konkreten Entsprechungen", so Willert. Durch sein Faible für Musik widmet sich Rik van Iersel der Bildwerdung von Songtexten, gespickt mit Collageelementen und Symbolen.

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