Giftiger See am Südbahnhof

Unerlaubter Umgang mit gefährlichen Abfällen: Weil ein 53-jähriger Geschäftsführer unbestimmte Mengen Beton nicht richtig entsorgt hatte, musste er sich vor dem Reutlinger Amtsgericht verantworten.

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Für den Scheibengipfeltunnel werden gewaltige Mengen Beton verbaut. Die Entsorgung von Resten kam jetzt einen Unternehmer teuer zu stehen. Foto: Archiv

Noch bevor die Anklageschrift verlesen wurde, beantragte Verteidiger Wolfgang Burkhardt das Verfahren einzustellen. Die Menge des verunreinigten Betons sowie deren alkalischer Gehalt seien von den Ermittlern nicht genau angegeben worden, der Sachverhalt deshalb unklar, auch weil Angaben zum Zeitpunkt der Verunreinigung fehlten.

Der Angeklagte aus dem Großraum Stuttgart war Dienstleister für eine Tunnelbaufirma, die mit den Arbeiten am Scheibengipfeltunnel beschäftigt ist. Seine Firma war im Herbst 2012 für die Lieferung des Betons zuständig. Vor Gericht sagte er aus, dass die Auflagen des Auftraggebers es ihm verboten hatten, Restbeton an der Baustelle zu recyceln. Deshalb mussten die Restabfälle aufwendig zu einer entfernten Anlage transportiert werden.

Die Angestellten spritzten die Transportmischanlage jedoch immer wieder an der Baustelle am Tunnelausgang Richtung Eningen aus. Dadurch entstand ein Beton-Wasser-Gemisch, das zu einer alkalischen Substanz reagierte und dessen pH-Wert sich erheblich veränderte. Aus ungeklärten Gründen breitete sich das Gemisch hinter der Abfüllstation aus - und floss einen Abhang hinunter, wo es sich in einem Entwässerungskanal entlang der Straße am Südbahnhof sammelte. Es entstand ein kleiner See, "30 Meter lang und fünf Zentimeter tief", sagte Staatsanwalt Tobias Freudenberg.

Ein Sachverständiger gab aber Entwarnung: Da sich das Gemisch nach einigen Tagen neutralisiert habe und die Tierwelt nicht betroffen war, seien keine größeren Schäden entstanden. Gleichwohl habe sich der 53-Jährige vorsätzlich "des unerlaubten Umgangs mit gefährlichen Abfällen" strafbar gemacht.

Freudenberg wollte deshalb von einer Verfahrenseinstellung nichts wissen. "Ich trage gern zur Entkrampfung der Lage bei, aber halte den Sachverhalt für eine Verurteilung ausreichend. Eine Strafe muss folgen", so der Ankläger. Burkhardt wollte eine Zahlung von unter 9000 Euro erreichen, was dem Staatsanwalt aber nicht genügte.

Nach einem Schlagabtausch von Verteidiger und Ankläger schlug Richterin Carmen Ljubicic einen Vergleich vor: 13 500 Euro Strafe und die Einstellung des Verfahrens. "Wir sind hier aber nicht auf einem Basar, wo man feilscht", ergänzte Ljubicic. Die Verteidigung war zufrieden: "Wir akzeptieren die Einstellung zu diesen Bedingungen."

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