Gewalt, wenns nicht nach seinem Kopf ging Sieben Jahre Haft für 32-jährigen Eritreer

Sieben Jahre hinter Gitter muss ein 32-Jähriger wegen zweifacher schwerer räuberischer Erpressung, gefährlicher Körperverletzung und Diebstahl.

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Fast auf den Tag genau vor einem Jahr "geriet Ihre Welt in Schieflage", bescheinigte gestern in der Urteilsbegründung Vorsitzender Richter Martin Streicher dem 32-jährigen Angeklagten. Die zweite Große Strafkammer verurteilte den vielfach vorbestraften, bereits einige Male inhaftierten Eritreer zu sieben Jahren Haft.

An jenem 16. Oktober war ihm der Aufenthalt in einem Reutlinger Hotel gekündigt worden, weil er unangenehm aufgefallen war. Aus Rache, so der Richter, trat er in den frühen Morgenstunden dort die Bürotür ein, durchsuchte die Räume und entwendete 1100 Euro Bargeld und diverses Büromaterial - ein besonders schwerer Fall des Diebstahls.

Auf der Suche nach einer neuen Bleibe kam er als Gast in einer AWO-Unterkunft in der Reutlinger Oststadt unter. Als ein Mitbewohner ihn nicht kostenlos mit dem Handy telefonieren ließ, stieß er ihn unvermittelt von einer Trittleiter, so dass der auf den Boden fiel und Schmerzen am Rücken erlitt - ein Fall der vorsätzlichen Körperverletzung, urteilte das Gericht.

Auch im Alltag war man vor dem Mann nicht sicher. Ende Oktober geriet er aus nichtigem Anlass mit einer Frau im Stadtbus in Streit. Er schlug die Sehbehinderte so kräftig mit der Faust ins Gesicht, dass diese nach hinten fiel. Drei Mal trat er dann noch auf die Liegende ein und traf sie am Oberkörper und am Kopf. Die Frau, die als Nebenklägerin auftrat, erlitt Prellungen, eine Platzwunde und hatte starke Schmerzen, auch psychisch leidet sie unter dem Angriff - eine weitere vorsätzliche Körperverletzung.

Um an Bargeld zu kommen, erpresste er von dem Mitbewohner, den er schon von der Leiter geschubst hatte, dessen Bares, indem er ihm ein Messer gegen den Hals drückte. Er drohte dem Hartz-IV-Bezieher an, ihm die Kehle durchzuschneiden. Obwohl er so nur zu 70 Euro kam, handelt es sich doch um einen sehr schweren Verbrechensbereich, sagte Richter Streicher. Diese schwere räuberische Erpressung, bei der Lebensangst hervorgerufen wird, wird mit mindestens fünf Jahren Haft geahndet.

Zwei Tage später ging der Angeklagte einen anderen Mitbewohner an und wollte von ihm wissen, wo der erpresste Hartz-IV-Mann den Schlüssel zu seiner Geldkassette hat. Er drohte ihm an, ihn "platt zu machen", wenn er ihn verpfeife, schlug ihn und erpresste von ihm 20 Euro. Danach drohte er, sein Opfer "in zwei Hälften zu zerschneiden", wenn er der Polizei etwas sage. Der 32-Jährige durchsuchte dann das Zimmer seines ersten Opfers und packte die Kassette mit 111 Euro sowie einige Klamotten in einen Trolley, um die Unterkunft zu verlassen. Weil ein zugeklapptes Messer im Spiel war, war dies eine schwere räuberische Erpressung samt besonders schwerem Raub.

Der nun Obdachlose ging nach Pfullingen, wo er an der Schlossschul-Unterführung versuchte, gewaltsam die Geldkassette zu öffnen. Von dem Lärm wurden die Putzkolonne und das Hausmeister-Ehepaar aufmerksam. Wie berichtet, schlug und verletzte er dort eine 53-jährige Frau, bevor er von einem zufällig vorbeikommenden ehemaligen Schüler und dem Ehemann der Frau überwältigt werden konnte. "Sie wenden immer dann Gewalt gegen Personen an, wenns nicht nach Ihrem Kopf geht", attestierte der Richter dem drogenabhängigen Angeklagten eine persönliche Fehlentwicklung, die aber nicht strafmildernd wirke: "Das waren ganz normale kriminelle Taten."

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