Geschichte in Bewegung

Staatsbankrott, Kriegstreiberei, Habgier: Auch davon erzählt Friedrich Wolfs Stück "Der Arme Konrad", vor allem aber vom Bauernaufstand 1514. Der Lindenhof spielt es ab morgen auf der Tübinger Neckarinsel.

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    "Der Arme Konrad" auf der Neckarinsel. Fotos: Lindenhof
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Gleich vorweg: Obwohl alle 19 Vorstellungen - auch die mittlerweile angesetzten Zusatzaufführungen - schon so gut wie ausverkauft sind, lassen sich mit etwas Glück noch Karten erstehen. Der Lindenhof hat dafür eine Warteliste eröffnet (siehe Info).

Im Mai war Premiere in der Alten Kelter Fellbach: "Volkstheater aus dem Vollen, subversiv und folkloristisch", lobte damals die Kritik. Jetzt wandert die Inszenierung von Klaus Hemmerle ins Freie - auf die Tübinger Neckarinsel: Am 10. Juli ist dort Premiere. Die Zustände zu Zeiten des "Armen Konrad" - Staatsbankrott, Kriegstreiberei und Gegenwehr der Bauern - beschreibt Ko-Intendant Stefan Hallmayer so: "Der Herzog berät sich mit den reichen Familien des Landes, überträgt ihnen bestimmte Rechte, diese übernehmen seine Schulden. So - in der Verbindung von Politik und Kapital - entsteht 1514 der Tübinger Vertrag. Die Bauern werden nicht gehört. Ihr Aufstand unterdrückt. Ihre Protagonisten hingerichtet. Später wird der Tübinger Vertrag als wegweisendes Dokument in die Demokratie gefeiert." Das 1923 entstandene Stück des in Hechingen und Stuttgart lebenden Arztes Friedrich Wolf rückt die historischen Ereignisse des Bauernaufstands 1514 in den Blick. Und es erörtert an ihrem Beispiel die Geschichte gescheiterter Rebellionen in Deutschland. Friedrich Wolf, Vater des Filmregisseurs Konrad und des DDR-Spionagechefs Markus, avancierte in den 20er Jahren zum erfolgreichen Autor. Sein viel diskutiertes Drama "Cyankali" etwa (1929) setzt sich mit den Debatten zum § 218 auseinander. Und seine "Schrankkomödie" wurde gar 1976 am LTT wiederentdeckt. Jetzt also "Der Arme Konrad": Das Bauernkriegsstück, erzählt Hemmerle, wurde am Stuttgarter Landestheater (dem heutigen Staatstheater) uraufgeführt, in den späten 80ern grub es der damalige (und jetzt dorthin wiederkehrende) Intendant Friedrich Schirmer an der Landesbühne Esslingen aus. Das Stück sei, so Hemmerle, von der Sprache her "schwäbisch-expressionistisch" gefärbt. Wolf zeige sich da als "Kraftkerl", mit "Mut zur Größe, Mut zum Pathos". Hemmerles Lindenhof-Inszenierung versuche, den Stoff ständig "durchsichtig für heutige Assoziationen" zu halten - auch was das Zusammenspiel wirtschaftlicher Eliten mit politischer Macht angeht.

Bei der Tübinger Freiluftfassung, erläutert Hemmerle, werde das Publikum - typisch für viele Lindenhöfler Theaterspaziergänge - zumindest teilweise "in Bewegung" sein, das heißt, "auf einer Zeitachse mitwandern", bevor es dann auf einer großen, hufeisenförmigen Tribüne Platz nimmt. In der Ankündigung heißt es: "Wir führen das Publikum an mehreren Stationen im Seufzerwäldchen vorbei, so tauchen wir Stück um Stück nicht nur in den Wald, sondern auch in Wolfs Geschichte ein. . . Und mit den Bauern ziehen wir dann in die Arena vor dem Silcherdenkmal. Hier nimmt das Stück seinen Fortgang." Nein, "heiteres Sommertheater" sei nicht zu erwarten, sagt Hemmerle. Eher Theater, "das zur Sache geht". Das "ergreifen und mitnehmen soll".

Premiere - Weitere Vorstellungen - Restkarten - Zugang nur über die Alleenbrücke

Der Arme Konrad Klaus Hemmerles Inszenierung "Der Arme Konrad" heißt im Untertitel: Schauspiel aus dem deutschen Bauernkrieg 1514 von Friedrich Wolf - eine Koproduktion des Theaters Lindenhof mit der Stadt Fellbach und der Universitätsstadt Tübingen. Premiere ist morgen, Donnerstag, 10. Juli, 19.30 Uhr, auf der Neckarinsel Tübingen.

Zugang Der Zugang zur Neckarinsel ist nur über die Alleenbrücke möglich. Alle weiteren Zugänge zur Insel müssen für Besucher gesperrt bleiben. Parkmöglichkeit: ausgeschilderter Busparkplatz an der Bahnschranke. Bewirtung: ab 18.30 Uhr und in der Pause.

Weitere Vorstellungen Obwohl bereits Zusatztermine angehängt wurden (wir berichteten), sind alle Aufführungen auf der Neckarinsel im Wesentlichen bereits ausverkauft. Das Theater Lindenhof richtet dennoch eine Warteliste ein Telefon: (0 71 26) 92 93 94.

Restkarten Die Abendkasse für eventuelle Restkarten ist ab 18.30 Uhr geöffnet. Keinen Ersatz gibt es, wenn die Vorstellung nach mehr als 40 Minuten wegen schlechten Wetters abgebrochen werden muss. Die weiteren Aufführungstermine im Einzelnen: 11. und 12. Juli, 15. bis 20. Juli, 23. bis 27. Juli sowie 30. Juli bis 3. August, jeweils 19.30 Uhr.

SWP

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