Gemeinsam sind sie stark

Mitte der 50er Jahre stieß die Industrie in Reutlingen an ihre Grenzen. Mit dem Laisen, Mark West und Mahden entstanden damals neue Industriegebiete vor den Toren der Stadt. Die Wirtschaft strukturierte sich um.

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Anflug auf das Industriegebiet Mark West aus Richtung Nordost: Im Vordergrund Betzingen, das Echaztal und das Klärwerk West, über dem bewaldeten Streifen die Wildermuth-Siedlung mit dem Hochhaus. Im Hintergrund schließlich ist Ohmenhausen zu sehen.  Foto: 

Ende der 60er Jahre war eine stetige Nachfrage nach Gewerbegrundstücken zu verzeichnen. Problem war, dass die Bereitstellung neuen Gewerbebaulands in größerem Umfang am Mangel geeigneter, ebener Flächen in Reutlingen scheiterte. Die kommunalen Baulandreserven waren erschöpft.

Anders sah die Situation in Kusterdingen aus. Anfang der 70er Jahre verfolgte Kusterdingen - damals noch die selbstständige Gemeinde Jettenburg - das Ziel, ein Industriegebiet an der B 28 mit rund 100 Hektar auszuweisen. Die Gemeinde verfügte über hierfür geeignete Flächen, die größtenteils im kommunalen Eigentum standen. Jedoch fehlten Kusterdingen die erforderlichen Finanzmittel für die Erschließung eines Industriegebiets an der B 28. So kamen dann Reutlingen und Kusterdingen zusammen. Die einen verfügten über Flächen (Kusterdingen), die anderen über die das notwendige Kapital (Reutlingen).

Dieses interkommunale Industriegebiet war ein entscheidender Faktor zur Neustrukturierung der Reutlinger Wirtschaft. Bedingt durch die Krise der Textilindustrie verschwand nach und nach der bedeutendste Reutlinger Wirtschaftszweig, der Reutlingen weit über ein halbes Jahrhundert dominierte und in seinen besseren Zeiten rund 16 000 Arbeitsplätze bot und damit nahezu die Hälfte sämtlicher Arbeitsplätze in der Achalmstadt stellte.

Hierfür musste ein Ausgleich geschaffen werden. Die erforderlichen Voraussetzungen für die Anwerbung von Investoren - preisgünstige Flächen, eben und verkehrsgünstig gelegen - konnten im Industriegebiet Reutlingen-West/Kusterdingen angeboten werden. In diesem Gebiet finden in rund 180 Betrieben rund 6000 Beschäftigte Brot und Arbeit. Mit 180 Hektar Fläche repräsentiert das Industriegebiet Reutlingen-West/Kusterdingen die größte zusammenhängende Gewerbezone in Reutlingen. Zum Vergleich: Das Industriegebiet Laisen umfasst immerhin rund 100 Hektar. Das Industriegebiet Reutlingen-West/Kusterdingen steht auch als bundesweit einzigartiges Beispiel für eine erfolgreiche interkommunale Zusammenarbeit, die hier nicht nur Gemeindegrenzen, sondern auch Landkreisgrenzen nach Tübingen überwindet.

In der über 30-jährigen Entwicklung des gemeinsamen Industriegebiets Mark West, wie es bald genannt wurde, gelang es, eine insgesamt ausgewogene Wirtschaftsstruktur in diesem Gebiet aufzubauen. Im Industriegebiet sind erste Industrieadressen genauso vertreten wie alteingesessene Handwerksbetriebe. Geprägt wird das Industriegebiet Mark West vor allem durch Firmen, die anderswo angefangen haben und zur Expansion ihren Standort in dieses Gebiet verlagert haben.

Das Gebiet hat sich auch zu einem Hightech-Standort entwickelt. Ausgehend von dem 1998 dorthin verlagerten NMI - zuvor war das 1984 gegründete Institut auf dem ehemaligen Betriebsgrundstück der Bruderhaus Maschinenfabrik in der Innenstadt ansässig - das sich erfolgreich mit der Umsetzung universitärer Forschungsergebnisse zur praktischen Anwendung befasst, wurde in dessen Nachbarschaft 2001 der Standort für den interkommunalen Technologiepark Reutlingen/Tübingen bestimmt. Ein erstes Technologiegebäude mit 5000 Quadratmetern Nutzfläche steht seit 2003 an der Gerhard-Kindler-Straße, der zweite Bauabschnitt wurde im Frühjahr 2009 eingeweiht. Die Weiterentwicklung des Technologiestandorts schreitet voran, beispielsweise mit der Realisierung eines Anbaus an das NMI zur Erweiterung der wirtschaftsnahen Forschung auf den Gebieten Medizintechnik, Biotechnologie und Nanotechnologie.

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