Gegenwind für den Hagelflieger

Der Reutlinger Verein zur Hagelabwehr zählt nach 16 Monaten 721 Mitglieder. Es braucht aber noch viel mehr, um auch 2016 mindestens zwei Monate Flugtätigkeit sicherstellen zu können, betonte Gabriele Gaiser.

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Bei der Hauptversammlung des Reutlinger Vereins zur Hagelabwehr berichtete die Pilotin Julia Zimmermann über den Einsatz in einer Gewitterfront.  Foto: 

Viel Arbeit stecke hinter der Vereinstätigkeit, sagte die Vorsitzende Gabriele Gaiser am Donnerstagabend in der Rommelsbacher Bibliothek während der Hauptversammlung. Viel Arbeit sei es auch gewesen, wie Markus Duwe als einer von drei Piloten anführte, eine Maschine zu finden, die den Kreis Reutlingen künftig vor Hagelschäden schützen soll.

Die Funktionsweise? Bei drohenden Gewittern soll das Flugzeug aufsteigen, die Wolken mit Silberjodid "impfen", also besprühen, und dadurch große Eisklumpen verhindern. So die Theorie. Im Labor habe das funktioniert, in der Praxis, also in der Natur, sei das hingegen schwierig zu beweisen. Nur: Studien in einigen Ländern hätten laut Gaiser über Jahrzehnte hinweg gezeigt, dass die Hagelhäufigkeit zurückgegangen sei.

Nach den Schäden im Landkreis Reutlingen durch das Unwetter am 28. Juli 2013 trieb die CDU-Gemeinde- und Kreisrätin die Gründung des Vereins zur Hagelabwehr voran. Im vergangenen Jahr hatte sie gemeinsam mit ihren Mitstreitern mehr als 400 Mitglieder gefunden, nun sind es mehr als 700 - "aber wir brauchen dringend weitere", so Gaiser. 150 Unternehmen will der Vorstand im kommenden Jahr kontaktieren, "da sind viele Gespräche notwendig".

Und vielleicht tue sich ja auch beim Landkreis wieder was? Im Jahr 2014 hatte der Kreistag für eine Anschubfinanzierung gestimmt, ein Jahr später wurde der Förderantrag mit nur zwei Stimmen abgelehnt. "Wir hoffen, dass im kommenden Jahr unser 30 000 Euro-Antrag genehmigt wird", so Gabriele Gaiser. Das wären dann immerhin die Mittel, um einen Monat lang den Flieger in Wartestellung halten zu können.

Im abgelaufenen Jahr reichte das Geld für zwei Monate, im Juli und August gab es bei dem heißen und sehr trockenen Wetter 22 Bereitschaftstage für die Flieger. "Das jetzige Jahr, war eines, das fast keine Gewitterfronten wie sonst üblich von Südwesten hatte, sondern in dem eher mit lokalen Unwettern zu rechnen war", berichtete Duwe. Aus diesem Grund war das Flugzeug nicht wie sonst in Donaueschingen stationiert, sondern zumeist in Stuttgart am Flughafen.

Zum Einsatz kam der Flieger ein einziges Mal, nämlich am 6. August dieses Jahres. Ein Film über diesen Einsatz hatten Rainer Schopf und Julia Zimmermann am Donnerstagabend gezeigt. Ob denn eigentlich diese Unternehmungen gefährlich seien, wollte ein Vereinsmitglied wissen. "Wenn man sagt, fliegen sei nicht gefährlicher als Autofahren, dann ist Hagelfliegen in etwa so wie Motorradfahren", sagte Duwe dazu.

Rund 26 000 Euro koste ein Monat Hagelabwehr-Bereitschaft, erläuterte Gaiser. Sinnvoll wäre es, die gesamte Zeit zwischen Mai und September abzudecken - wie das etwa der Schwarzwald-Baar-Kreis tut. "Das sind die fünf gewitterträchtigsten Monate", so die Vereinsvorsitzende. 2015 war im Kreis Reutlingen das Geld für zwei Einsatzmonate da, für das kommende Jahr könnte durch die Mitgliedsbeiträge gerade mal ein Monat abgedeckt werden. "Wir sind auf die Förderung durch den Landkreis angewiesen, um den Hagelflieger zwei Monate einsatzbereit zu haben", betonte Gaiser.

Für fünf Monate wären mindestens rund 3200 Mitglieder notwendig, der Schwarzwald-Baar-Kreis hat diese Zahl nach sechs Jahren erreicht. Und der bringt Jahr für Jahr die notwendigen 130 000 Euro zusammen. Bis dahin sei es noch ein weiter Weg, so Gaiser. Aber vielleicht überlege die Kommune Reutlingen ja doch noch mal? "Die Stadt allein hatte nach dem Hagel 2013 Schäden in Höhe von 15 Millionen Euro", so Gabriele Gaiser. "Ich bin überrascht, in Reutlingen so viel Gegenwind für die Hagelflieger zu bekommen." Doch manche Gemeinde- und Kreisräte würden ganz einfach die "sachlichen und fachlichen Fakten" ignorieren, sagte sie.

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