Ganz Filigranes aus Buchsbaum

Norbert Schröter schafft Kunstwerke. Für seine Schiffsmodelle benötigt er aber nicht nur Lupe und Skalpell, sondern vor allem viel Geduld. Dementsprechend kann es Jahre dauern, bis ein Projekt abgeschlossen ist.

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    Schiffsmodellbauer Norbert Schröter mit dem Werftmodell seiner Bonhomme Richard. Fotos: Jan Zawadil
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    Drei Segelschiffmodelle, die Norbert Schröter bisher realisiert hat.
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Es sind filigrane Arbeiten, und es ist kaum zu glauben, dass sie in Handarbeit entstanden sind. Um diese Perfektion zu erreichen, braucht es vor allem eines: Geduld, Geduld und nochmals Geduld. Davon haben Liebhaber von Schiffsmodellen beziehungsweise deren Erbauer allerdings eine ganze Menge. Denn ohne die würden ihre Projekte schnell in der Ecke landen. Zumal es für die prächtigen Segler und Koggen im Modellformat oft genug nicht die passenden Baukästen gibt, die den Ansprüchen der Enthusiasten gerecht werden. Also legen die Schiffsmodellbauer selbst Hand an. Fertigen die Spanten haargenau und auf den Zehntelmillimeter oder lassen diese beim Schreiner zusägen, um ihrem Traum vom detailgetreuen Schiff so nahe wie möglich zu kommen.

Einer, der sich seit Jahrzehnten diesem Hobby verschrieben hat, ist der Reutlinger Norbert Schröter. Verschiedene Schiffe, wie eine Kogge oder eine venezianische Galeere, hat er bereits gebaut und viel Zeit dafür aufgebracht. Schließlich soll alles bis ins Kleinste mit dem Original übereinstimmen.

Die Detailtreue führt dabei so weit, dass selbst das winzige Tauwerk in Handarbeit gefertigt wird. Weil das den Schiffsmodellbauern wichtig ist, hat der 67-jährige Schröter in sein aktuelles Projekt, den Nachbau des Dreimasters "Bonhomme Richard", sicherlich schon gut 1000 Stunden investiert. Wobei das kein klassisches, sondern ein so genanntes Werftmodell wird und damit eine Miniatur, die mit ihrer teilweise offenen Bauart Einblicke ins Innere und somit Aufschluss über den Aufbau eines Schiffes sowie dessen Konstruktion gewährt.

Während schon die Spanten sowie deren exakter Verlauf eine echte Herausforderung waren, sorgen die Verzierungen am Heck des Modells für echtes Staunen. Nachdem die größeren Bauteile aus dem Holz eines Birnbaums vom eigenen Gütle gefertigt wurden, verrät der passionierte Modellbauer nämlich das Geheimnis für die ganz filigranen Arbeiten: "Sie sind aus Buchsbaum." Und das deshalb, weil sich dessen Holz problemlos in alle Richtungen schnitzen lasse und damit selbst für kleinste Bauteile hervorragend geeignet sei.

Wer sich unter Schnitzen dabei die Arbeit mit Messer oder Stechbeitel vorstellt, liegt im Fall des Dreimasters jedoch weit daneben. Für die wenige Zentimeter kleinen Elemente sowie die millimetergenauen Verzierungen setzt Norbert Schröter vielmehr die Stirnbandlupe auf und trägt Span für Span mit dem Skalpell ab. Neben der Geduld ist deshalb eine ruhige Hand nötig. Doch gerade das macht laut Schröter den Reiz aus. Denn: "Ich finde dabei Ruhe."

Auch wenn er an einem Modell nur arbeiten würde, wenn er dazu Lust habe. Aus diesem Grund habe es auch schon Zeiten gegeben, in denen er ein Jahr lang überhaupt nichts an seiner "Bonhomme Richard" getan habe, so der selbstständige Unternehmensberater.

Nachdem Schröter die Lust am Modellbau während seiner Zeit bei der Marine entdeckt hat und er damals das Landungsboot, auf dem er Dienst tat, im Miniaturformat nachgebaut hat, ist der Reutlinger hingegen froh, dass er nicht auf sich allein gestellt ist. Im "Forum für historischen Schiffsmodellbau und Geschichte" tauscht er sich nämlich regelmäßig mit anderen Enthusiasten aus, trifft sich mal mehr, mal weniger regelmäßig mit ihnen und stellt die Fortschritte seiner Arbeit mit Fotos und Beschreibungen im Internet vor und holt sich Tipps und Tricks sowie manches Lob von den Modellbaukollegen ab.

Als Teenager hat Norbert Schröter übrigens begonnen, Schiffsmodelle zu bauen. Nachdem das erste Projekt das Schlachtschiff "Bismarck" war, kristallisierte sich im Lauf der Jahre aber die Liebe zu den großen Segelschiffen zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert heraus.

Trotz der Liebe zum Hobby gibt es für Schröter sowie seine Modellbaukollegen dennoch einen Wermutstropfen. Denn: "Es gibt kaum Nachwuchs", erklärt er. Grund dafür könnte sein, dass das Hobby fernab des Baukastens sehr viel Geduld erfordert. Dabei könne man beim Bau eines Schiffes aber in eine völlig andere Welt eintauchen. Und am Ende steht dann der entsprechende Lohn. Mit dem Abschluss eines Projekts ist nämlich nicht nur eine Herausforderung gemeistert, sondern auch ein echtes Kunstwerk entstanden.

Info Wer sich für den Schiffsmodellbau ohne Fertigbaukästen interessiert, kann sich beim "Forum für historischen Schiffsmodellbau und Geschichte" unter www.segelschiffsmodellbau.com einen ersten Eindruck verschaffen beziehungsweise dem Forum beitreten. Hier gibt es neben Tipps von und für Modellbau-Enthusiasten auch eine Menge Wissenswertes über die Geschichte verschiedener Schiffe sowie die Seefahrt.

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