Funde in der Stadt belassen

Mit der Erarbeitung einer Sonderausstellung "Wege aus Krisen und Krieg in Pfullingen" geht der Geschichtsverein ins neue Jahr. Auch wird eine museale Neukonzeption zur Diskussion gestellt.

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Geschichtsvereins-Vorsitzende Prof. Waltraud Pustal ehrte Dr. Herbert Scheurer, der nicht nur zu den Gründungsmitgliedern aus dem Jahr 1978 gehört, sondern auch eine große Bildersammlung dem Verein vermacht hat.  Foto: 

Nur Gutes konnten die Vorsitzende Prof. Waltraud Pustal und ihr Vize Martin Fink über die abgelaufene Museumssaison berichten. Der Geschichtsverein, in diesem Jahr wird er 37 Jahre jung, hatte mit seiner Sonderausstellung zur Esskultur in Pfullingen 2014 sehr große Resonanz erzielt - und es wird einen ordentlichen Nachhall geben. Denn derzeit arbeitet der Verein an einem Rezeptbuch. "Die Ausstellung kam richtig gut an", sagte Waltraud Pustal erfreut.

Dass außerdem ins stadtgeschichtliche Museum Schlössle die komplette, funktionstüchtige Buchbinderei-Werkstatt der Familie von Norma und Dieter Schumacher Einzug gehalten hat, sorgte geradezu für Euphorie. Denn außer im Buchbinder-Museum in Mainz gebe es in deutschen Museen nichts Vergleichbares, hatte unlängst Altbürgermeister Rudolf Heß recherchiert.

Martin Fink, der in der Mühlenstube des Mühlenmuseums Bericht erstattete über den Zuspruch bei Stadtführungen, dem Mühlentag und dem Tag des offenen Denkmals, zeigte sich sehr zufrieden über steigende Besucherzahlen. "Wir hoffen nun auch auf eine gute bauliche Nutzung der Klosterkirche" gab er zu Protokoll. Wie berichtet, wird es einen Anbau geben, der dann auch den Brandschutz und die Fluchtwege gewährleistet.

Kritik übte Fink daran, dass die zahlreichen Fundstücke der Grabungen - beim neuen DEZ und in der Klemmenstraße - "wohl einfach so in Rastatter Archiven verschwinden". Das sei nicht hinnehmbar. "Die Grabungsfunde müssen zu Teilen in Pfullingen bleiben", mahnte Fink an.

Vor den Neuwahlen geehrt wurde Dr. Herbert Scheurer. Er war nicht nur Gründungsmitglied des Geschichtsvereins, sondern er trug über all die Jahre maßgeblich dazu bei, Geschichte für Pfullingen zu schreiben, genauer: sie zu fotografieren. Viele seiner Bilder hat der 84-Jährige dem Geschichtsverein vermacht. Sein Steckenpferd war die einstige Straßenbahn in der Region. Bis auf zwei Jahre Unterbrechung war er auch im Vorstand des Geschichtsvereins aktiv.

Als profunder Kenner der Materie dokumentierte Scheurer auch den Niedergang der Textilindustrie in Pfullingen und dessen Folgen. Der Mann ist promovierter Volkswirtschaftler - mit Schwerpunkt Wirtschaftsgeschichte.

Über die verdienstvolle Arbeit von Hans-Joachim Sonntag im Verein soll noch gesondert berichtet werden, er ist erkrankt, konnte nicht dabei sein. Gedacht wurde auch des langjährigen Mitglieds Hermann Schwille, der Ende September 2014 mit 95 Jahren gestorben war. Die Räume des stadtgeschichtliche Museums kommen übrigens aus seinem Familienerbe.

Stadtarchivar Stefan Spiller sorgte für den Auftakt und die Beschreibung des Projekts Sonderausstellung 2015. Es geht um "Wege aus Krisen und Krieg in Pfullingen" Zum 70. Jahrestag des Kriegsendes passt das gut, doch sucht der Verein noch Bürger, die originale Schauobjekte beitragen können. Es geht um die Herausforderungen der Menschen und deren Schicksale im Kontext des Einmarsches der Franzosen 1945. Auch um die Lebensmittelmarken von einst, die Not der Kinder und die Volksküche in Pfullingen. Weitere Themen sind ebenso die Wohnungsnot und die Frage, wie die Not allgemein in der Echazstadt auch erfinderisch machte.

Zur Diskussion steht demnächst ein Positionspapier von Pustal zur "zeitgemäßen" musealen Neukonzeption für das stadtgeschichtliche Museum (Bericht folgt).

Bei den Wahlen wurden Waltraud Pustal und ihre Vertreter Martin Fink und Karin Seelhorst bestätigt. Schriftführer ist weiterhin Gert Grunwaldt, Schatzmeisterin bleibt Silke Keppler-Klaus.

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